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DTTB-DAMEN VERPASSEN WM-MEDAILLE GEGEN STARKE PRANZÖSINNEN

Team-Weltmeisterschaften in Busan, Südkorea (16. bis 25. Februar) * * * 2:3 nach fast dreistündigem Krimi, bei dem Nina Mittelham in Weltklasseform zweimal punktet

(c) DTTB

BUSAN. Prithika Pavades Vorhand-Aufschlag saß. Xiaona Shan schupfte den halblangen Unterschnittball mit ihrer Penholder-Vorhand ins Netz. In diesem Moment hatte Frankreich den Matchball verwandelt und den Einzug ins Halbfinale bei der Mannschafts-WM in Südkorea perfekt gemacht. Die 19-jährige französische Meisterin und dreifache EM-Dritte sank zu Boden, ihre vor Freude laut quietschend auf den Centercourt stürmenden vier Mannschaftskolleginnen begruben sie unter sich.

Mit diesem Bild endete der Traum von der nächsten WM-Medaille durch Deutschlands Damen, die vor zwei Jahren in Chengdu Bronze gewonnen hatten. Das Quintett von Bundestrainerin Tamara Boros unterlag im Viertelfinale in Busans Messe-Komplex BEXCO dem Team-Weltranglistenachten Frankreich in einem 160 Minuten dauernden Krimi mit 2:3 und hat damit Medaille Nummer neun im WM-Mannschaftswettbewerb der Damen in der 98-jährigen Geschichte von Tischtennis-Weltmeisterschaften knapp verpasst.

Mittelham holt beide Punkte

Die beiden Zähler für Deutschland holte Führungsspielerin Nina Mittelham. Die EM-Finalistin von 2022 besiegte sowohl die diesjährige Europe-Top-16-Gewinnerin Jia Nan Yuan als auch Pavade. Xiaona Shan und Sabine Winter blieben trotz der lautstarken Unterstützung auf der Team-Bank durch Annett Kaufmann und Yuan Wan gegen wie entfesselt aufspielende Kontrahentinnen in packenden Duellen ohne Sieg.

Europameister Deutschland stand im Anschluss die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Es ist natürlich extrem bitter, dass wir so ein knappes Spiel verloren haben. Man muss aber die Leistung der Franzosen anerkennen. Sie haben wirklich sehr gut gespielt und waren sehr gut auf unsere Spielsysteme vorbereitet“, erklärte Nina Mittelham. „Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen. Wir haben alles gegeben. Dass man so ein Spiel auch mal verliert, gehört dazu. Umso bitterer ist es, wenn das in einem WM-Viertelfinale passiert.“

Die 27-jährige Wahl-Berlinerin wies auf den verletzungsbedingten Ausfall der Weltranglistenneunten hin. Ying Han hatte sich Mitte Januar die Achillessehne gerissen und hofft, bis zu den Olympischen Sommerspielen wieder einsatzbereit zu sein. „Mit dem Ausfall von Ying mussten wir erst einmal umgehen. Ich bin stolz, dass wir diese Situation so gut gemeistert haben und trotzdem im Viertelfinale standen“, so Mittelham. „Wenn wir in ein, zwei Wochen zurückblicken, werden wir trotzdem sagen, dass wir eine vernünftige WM gespielt haben.“ Sie kündigte an: „Wir gehen hier zusammen durch und greifen beim nächsten Mal auch zusammen wieder an.“

Shan verunsichert gegen Pavade

„Man hat nicht alle Tage die Chance, eine Medaille bei einer WM zu gewinnen“, sagte Sabine Winter, die gegen die 18-jährige Charlotte Lutz auf Position drei den Kürzeren zog. „Ich kann mit Sicherheit besser spielen, aber Charlotte hat viele gute Bälle getroffen.“ Besonders Lutz‘ langer Aufschlag hatte der EM-Dritten von 2022 und amtierenden Deutschen Meisterin im Einzel und Doppel immer wieder Probleme bereitet. „So bin ich schnell in Rückstand geraten. Ich habe um jeden Ball gekämpft, aber es hat nicht gereicht.“

Xiaona Shan war vor allem wegen ihres zweiten Einzels konsterniert, dem Abschlussmatch gegen Prithika Pavade: „Ich wusste gar nicht, wie ich einen Punkt machen sollte. Meine Vorhand war viel zu unsicher, ich habe keinen Schnitt in die Bälle bekommen, meine Stoppbälle sind misslungen“, so Berlins EM-Bronzemedaillengewinnerin von 2022, die Ende Januar wegen einer Nackenverletzung noch hatte pausieren müssen. „Es tut mir so leid, weil Nina hier sehr gut gespielt hat und wir eigentlich eine gute Auslosung hatten. Wir hätten gerne eine Medaille gewonnen.“

Trainer loben „Welklasseleistung“ Mittelhams, Team spielte „vernünftige WM“

Das Trainer-Team lobte die Leistung von Nina Mittelham, die während des gesamten Turniers in allen acht Begegnungen ohne Niederlage geblieben war. „Nina hat heute eine absolute Weltklasseleistung gezeigt. Nicht nur gegen Yuan, sondern auch in dieser speziellen Situation beim Stand von 0:1 gegen Pavade“, unterstrich DTTB-Sportdirektor Richard Prause. „Chapeau, was Nina da heute gespielt hat!“

Bundestrainerin Tamara Boros schloss sich an: „Nina hat wirklich ein gutes Turnier gespielt und hier viele sehr gute Spiele gemacht. Ich hoffe, dass sie sich bis Paris noch weiter entwickelt.“ Der Mannschaft macht die WM-Dritte im Einzel von 2003 keinen Vorwurf: „Wir haben alles gegeben und bis zum letzten Ball gekämpft. Das hat heute leider nicht gereicht, denn die Französinnen waren besser. Bis Olympia müssen wir uns weiter steigern. Ich bin trotzdem stolz auf meine Mannschaft.“

Sportdirektor Prause bilanzierte: „Wir haben mit dem Einzug ins Viertelfinale eine vernünftige WM gespielt. Das hat die Mannschaft sehr souverän hinbekommen. Ich hätte es den Damen sehr gegönnt, auch den nächsten Schritt zu gehen, denn der war möglich. Deshalb sind wir jetzt ein bisschen traurig. Wir müssen uns jetzt schütteln, einige Dinge für uns analysieren und dann muss es weitergehen.“ Die Partie gegen Frankreich war für das ehemalige Nationalteammitglied ein „Spiel auf Messers Schneide. Wir haben in einigen Situationen unsere Chancen nicht genutzt, bei kleinen Führungen zum Beispiel keine optimalen Platzierungen gespielt, sondern zu vorsichtig agiert. Am Ende gewinnen wir zusammen und wir verlieren zusammen. Wir haben hier alles gegeben. Gratulation an die französische Mannschaft, die einen Tick risikofreudiger war.“

Frankreich im Halbfinale gegen China

Frankreich trifft in der Vorschlussrunde am Freitag auf Titelverteidiger China. Die an Position eins gesetzten Asiatinnen, die in Busan mit den Nummern eins, zwei, drei, vier und sechs der Weltrangliste antreten, deklassierten im Schnelldurchgang WM-Gastgeber Südkorea, gaben in drei Spielen nicht einen Satz ab. Im zweiten Halbfinale wartet Hongkong zurzeit auf den Sieger der Partie Japan gegen Rumänien. Das Damen-Endspiel ist am Samstag.

Für die deutschen Herren geht es am Freitag um den Einzug in die Medaillenränge. Um 9 Uhr MEZ steht die Mannschaft des Herren-Bundestrainer-Duos Jörg Roßkopf und Lars Hielscher Taiwan gegenüber, das vom Weltranglistenachten Lin Yun-Ju angeführt wird. Das Sieger-Team trifft im Halbfinale auf Frankreich. In der oberen Hälfte des Tableaus besiegte Titelverteidiger China Japan im Viertelfinale mit 3:0 und wartet auf den Gewinner der Partie Südkorea gegen Dänemark.

Damen-Viertelfinale
Deutschland – Frankreich 2:3
Xiaona Shan – Jia Nan Yuan 2:3 (-6,-9,12,7,-6)
Nina Mittelham – Prithika Pavade 3:2 (7,-6,9,-10,7)
Sabine Winter – Charlotte Lutz 1:3 (-9,-8,9,-10)
Mittelham – Yuan 3:1 (8,6,-4,7)
Shan – Pavade 0:3 (-5,-9,-2)

DTTB-Damen (Weltrangliste: 3): Nina Mittelham (17), Xiaona Shan (34), Sabine Winter (54), Annett Kaufmann (78), Yuan Wan (84)
Frankreich (WR 8): Jia Nan Yuan (20), Prithika Pavade (33), Camille Lutz (92), Audrey Zarif (97), Charlotte Lutz (115) 

China – Südkorea 3:0
Taiwan – Hongkong 2:3
Rumänien – Japan, 12 Uhr

Halbfinale am Freitag
China – Frankreich
Hongkong – Rumänien oder Japan

Rückblick: Damen-Achtelfinale
Deutschland – Schweden 3:0
Xiaona Shan – Linda Bergström 3:0 (4,10,8)
Nina Mittelham – Christina Källberg 3:2 (-7,9,5,-10,5)
Sabine Winter – Filippa Bergand 3:0 (7,8,8)

China – Thailand 3:0
Südkorea – Brasilien 3:1
Frankreich – Portugal 3:0
Deutschland – Schweden 3:0
Taiwan – Indien 3:1
Hongkong – Polen 3:1
Rumänien – Ägypten 3:0
Japan – Kroatien 3:0

Herren-Viertelfinale am Freitag
Deutschland – Taiwan, 9 Uhr, Tisch 1

DTTB-Herren (Weltrangliste: 2): Dang Qiu (10), Dimitrij Ovtcharov (13), Patrick Franziska (26), Benedikt Duda (46)
Taiwan (WR 9): Lin Yun-Ju (WR 8), Kao Cheng-Jui (31), Chuang Chih-Yuan (35), Feng Yi-Hsin (97), Huang Yan-Cheng (121)

Herren-Viertelfinale
China – Japan 3:0
Südkorea – Dänemark, Freitag, 2 Uhr
Frankreich – Portugal 3:1
Deutschland – Taiwan, Freitag, 9 Uhr

Halbfinale am Samstag
China – Südkorea oder Dänemark
Frankreich – Deutschland oder Taiwan

Rückblick: Herren-Achtelfinale
Deutschland – Iran 3:0
Dang Qiu – Noshad Alamiyan 3:1 (4,-10,4,8)
Dimitrij Ovtcharov – Nima Alamiyan 3:0 (7,9,8)
Patrick Franziska – Amir Hossein Hodaei 3:2 (-5,5,12,-8,7)

China – Rumänien 3:0
Japan – Österreich 3:0
Slowenien – Dänemark 2:3
Südkorea – Indien 3:0
Frankreich – Polen 3:0
Portugal – Kroatien 3:1
Schweden – Taiwan 2:3

Die Titelverteidiger

Damen                      
China (Pokal: Corbillon Cup)
2. Japan, 3. Deutschland und Taiwan

Herren
China (Pokal: Swaythling Cup)
2. Deutschland, 3. Südkorea und Japan

Livestreaming / TV
 
Der Streamingdienst DYN hat sich die Rechte für die Übertragung der Team-Weltmeisterschaften gesichert und überträgt die deutschen Partien bei der WM kostenpflichtig. Diese Spiele kommentiert Dennis Heinemann. Weitere Matches aus Busan werden kostenlos auf dem WTT-YouTube-Kanal gezeigt.

Die öffentlich-rechtlichen Sender entscheiden tagesaktuell und anhand der Erfolge der deutschen WM-Starter über die Aufnahme ins Programm in ihren Nachrichten- und den Regelsportsendungen wie ARD-Sportschau und ZDF-Sport-Reportage. Eine Live-Übertragung ist nicht geplant.

Das WM-Aufgebot des DTTB für Busan

Herren
Dang Qiu (Borussia Düsseldorf)
Dimitrij Ovtcharov (TTC Neu-Ulm)
Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT)
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt)

Damen
Nina Mittelham (ttc berlin eastside)
Xiaona Shan (ttc berlin eastside)
Annett Kaufmann (SV Böblingen)
Sabine Winter (TSV Dachau)
Yuan Wan (TTC Weinheim)

Sportliche Leitung: Richard Prause (Sportdirektor)
Trainer-Team: Tamara Boros (Bundestrainerin Damen), Jörg Roßkopf (Bundestrainer Herren), Lars Hielscher (Cheftrainer Düsseldorf), Xiaoyong Zhu (Bundesstützpunkttrainer), Sascha Nimtz (Experte für Videoanalysen, Wissenschaftskoordinator IAT Leipzig)
Medizinisches Team: Dr. Thomas Garn (Teamarzt), Dr. Christian Zepp (Sportpsychologischer Experte), Peter Heckert, Annette Zischka (Physiotherapeuten, OSP Hessen in Frankfurt/Main)
Organisationsleitung: Rainer Kruschel (DTTB-Leistungssportreferent)

Schiedsrichter
Christoph Geiger (Bühl)

Öffentlichkeitsarbeit
Manfred Schillings (freier Mitarbeiter DTTB)

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