KILIAN ORT NUTZT DIE GUNST DER STUNDE

Auch Europameister Dang Qiu, Nina Mittelham, Xiaona Shan und Sabine Winter folgen Ying Han in Runde 2

Kilian Ort - Singapore Smash (c) DTTB

SINGAPUR.  Insgesamt sechs von elf deutschen Startern haben beim mit 2 Millionen Dollar dotierten Singapore Smash (7. bis 19. März) den Einzug in die zweite Runde geschafft. Zusätzlich zu der gestern erfolgreichen Europe-Top-16-Siegerin Ying Han, die bereits am Montag um 13.45 Uhr gegen die Ägypterin Dina Meshref wieder an den Tisch muss, werden am Dienstag Nina Mittelham, Xiaona Shan und Sabine Winter sowie bei den Herren Europameister Dang Qiu und Kilian Ort um den Einzug in das Achtelfinale kämpfen. Vor allem Ort wusste aus einem ganz besonderen Grund die Gunst der Stunde zu nutzen.

Kilian Ort steht nach langer Verletzungspause unter den besten 32

Nach Niederlagen von Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska und Ruwen Filus stoppte Kilian Ort den unglücklichen Auftakt der deutschen Herren in Singapur. Der 26 Jahre alte Bad Königshofener nutzte die Gunst der Stunde, die ihm als ersten Gegner den ein Jahr älteren Lokalmatador Chew Zhe Yu Clarence beschert hatte. Der Erfolg des deutschen Weltranglisten-58. über die Nummer 162 war angesichts der Ausgangsposition jedoch nicht selbstverständlich. Der als Ersatzmann für Timo Boll in den Singapore Smash nachgerückte Kilian Ort hatte zuvor seit Wochen aus gesundheitlichen Gründen kein Match mehr bestritten. Ort erklärt: „Seit Anfang Februar hatte ich wegen anhaltender Rückenprobleme kein Spiel mehr gemacht. Ich habe einige Wochen nicht trainieren können und erst am Freitag wieder die ersten Schläge gemacht. Das war aber noch nicht einmal eine volle Trainingseinheit, da muss man sich erst einmal wieder herantasten. Aber ich wusste, die Gelegenheit, hier beim Smash zu starten, bekomme ich vielleicht nie mehr, deshalb bin ich trotzdem nach Singapur geflogen.“ 

Beim 11:6, 11:9 und 12:10 über Chew heiligte deshalb für den ansonsten eher selbstkritischen Perfektionisten Ort vor allem der Zweck die Mittel: „Die Losfee hatte es nicht ganz schlecht mit mir gemeint. Es war ein Spiel, dass ich irgendwie gewinnen musste, egal wie. Ich habe heute keinen Schönheitspreis mit meiner Leistung gewonnen, aber ein Sieg ist ein Sieg. Das war diesmal das Wichtigste.“ Mit dem Einzug in die Runde der besten 32 hat der oftmals von Verletzungssorgen geplagte Franke in Singapur nun sein Minimalziel erreicht. Sein nächster Gegner ist von einem ganz anderen Kaliber. Kilian Ort steht beim Kampf um den Einzug in das Achtelfinale dem Europe-Top-16-Gewinner der beiden letzten Jahre, Darko Jorgic, gegenüber. Ort kennt den Slowenen gut, der in der ersten Bundesligasaison von Bad Königshofen in seiner Mannschaft spielte. Im letzten Jahr fügte Ort dem Weltranglistenzehnten im Duell mit dessen Verein Saarbrücken sogar eine Niederlage zu; „Ich habe gewonnen, als er in einer etwas schwächeren Phase war, ich war zudem gerade gut drauf. Er hat erst vor kurzem das Europe Top 16 gewonnen. Ich gehe also als klarer Außenseiter in das Spiel, will es ihm aber so schwer wie möglich machen.“

Europameister Dang Qiu macht kurzen Prozess mit Liam Pitchford

Vor 14 Tagen lieferten sich die beiden Kontrahenten im Halbfinale des Europe Top 16 Cup in Montreux noch ein packendes Siebensatz-Duell, diesmal jedoch machte es Europameister Dang Qiu in der ersten Runde des Grand Smash weitaus weniger spannend und besiegte den Engländer Liam Pitchford mit 11:5, 11:3 und 11:8. Der Düsseldorfer war von Beginn an hoch konzentriert und unterband alle Ansätze des Briten, zu seinem Spiel zu finden, konsequent bereits im Ansatz. Dang Qiu trifft in Runde zwei als Favorit auf den Lokalmatador Pang Yew En Koen, der sich im Duell der Nummern 131 und 44 der Welt gegen den Australier Nicholas Lum durchsetzte. Der Weltranglistenelfte sagte nach dem Spiel gegen Pitchford: „Ich bin natürlich absolut zufrieden, ein Turnierstart ist immer schwer. Pitch ist außerdem ein sehr starker Spieler, gegen den man überhaupt erst einmal gewinnen muss. Wir haben vor kurzem erst gegeneinander gespielt, deshalb gab es nicht so viele Geheimnisse zwischen uns. Jetzt bereite ich mich auf mein nächstes Match gegen Pang vor, gegen den ich noch nie zuvor gespielt habe.“

Nina Mittelham bereitet ihrer Gegnerin auch erkältet Kopfschmerzen

Nase zu, Druck auf den Ohren, etwas Husten – nicht die optimalen Voraussetzungen für eine Topleistung. Doch auch stark erkältet war die Europameisterschafts-Finalistin Nina Mittelham heute noch in der Lage, ihrer Gegnerin Jieni Shao erhebliche Kopfschmerzen zu bereiten. Die Berlinerin setzte sich gegen die Portugiesin, die vor zwei Wochen beim Europe Top 16 in Montreux wie Mittelham das Halbfinale erreicht hatte, hoch verdient mit 7:11, 11:2, 11:6 und 11:6 durch. Die verschnupfte Siegerin freute sich über Energieleistung zum Auftakt des Singapore Smash: „Dadurch, dass ich etwas krank bin, ist es etwas schwieriger gewesen. Nach dem verlorenen ersten Satz war es am Ende aber trotzdem noch ein deutlicher Sieg. Ich bin happy, dass ich gewonnen habe.“ Die nächste Gegnerin Mittelhams am Dienstag kommt aus Südkorea, heißt Lee Zion und ist in der Weltrangliste aktuell 55 Plätze hinter der deutschen Nummer 15 eingestuft: „Bislang haben wir einmal gegeneinander gespielt, damals habe ich im Oman gegen sie gewonnen. Zum Glück ist jetzt erst einmal noch ein Tag Pause für mich, so dass ich mich bis zum Match hoffentlich noch etwas besser von meiner Erkältung erholen kann.“

Xiaona Shan: „Wenn mein Kopf klar ist, dann spiele ich auch gut“

Mit einer starken Vorstellung hat sich am Morgen auch Mittelhams Vereinskollegin Xiaona Shan in die Runde der besten 32 gekämpft. Die EM-Dritte gewann ihr erstes Aufeinandertreffen mit der starken Südkoreanerin Shin Yubin mit 11:7, 3:11, 11:8 und 11:8 und zeigte sich anschließend sehr zufrieden: „Da wir noch nie zuvor gegeneinander gespielt hatten, habe ich gestern einige Videos von ihr studiert. Sie spielt gut gegen Spielerinnen mit Material, aber heute war ich von Beginn an sehr fokussiert und sehr klar im Kopf. Und wenn mein Kopf klar ist, dann spiele ich auch gut!“  Beim Kampf um den Einzug in das Achtelfinale kommt es voraussichtlich zum Duell mit Japans Routinier Kasumi Ishikawa, die sich gegen die Brasilianerin Bruna Takahashi behauptete. Xiaona Shan wäre die Südamerikanerin zweifelsfrei lieber gewesen, denn gegen die Japanerin konnte sie bislang noch nicht gewinnen: „Gegen Ishikawa wird es sehr, sehr schwer für mich.“ Shan Xiaona hat in Singapur noch ein zweites Eisen im Feuer und spielt am Montag um 13.15 Uhr zusammen mit der Japanerin Miyu Nagasaki gegen Loy Ming Ying/Lal Chloe (Singapur) um den Einzug in das Doppel-Achtelfinale.

Sabine Winter: „Der Sieg tut mir gut“

Ebenfalls in vier Sätzen behauptete sich Sabine Winter im Duell mit Ägyptens Jungstar Hana Goda. Die EM-Dritte besiegte die 15 Jahre alte U15-Doppel-Weltmeisterin von 2021 mit 11:7, 5:11, 11:3 und 11:9 und darf sich freuen, in Singapur nun um den Einzug in das Achtelfinale kämpfen zu dürfen. „Der Sieg tut mir auf jeden Fall gut“, sagte die Schwabhausenerin. In der nächsten Runde wartet wie im Vorjahr Chinas Weltranglistenerste Sun Yingsha auf die Deutsche. Winter nimmt’s mit Humor: „Ja, das nächste Spiel wird wohl schwer. Vielleicht schaffe ich ja mehr Punkte als im letzten Jahr gegen sie. Das waren jedenfalls nicht besonders viele…“

Benedikt Duda: „Meine volle Konzentration jetzt auf das Doppel legen“

Die undankbarste Auslosung aller Deutschen hatte Benedikt Duda erwischt. Dem Bergneustädter war es in seinem Duell mit dem zweimaligen Olympiasieger und dreifachen Einzel-Weltmeister Ma Long nicht vergönnt, für eine Turniersensation zu sorgen. Zwar wäre Duda bei einigen besser genutzten Chancen in der Endphase des dritten Durchgangs beinahe auch ein Satzgewinn gegen den Superstar Chinas vergönnt gewesen, doch zufrieden stellte diese Situation den ehrgeizigen Weltranglisten-35. nicht: „Ich bin enttäuscht, weil ich mir beim Singapore Smash mehr erhofft hatte. Und dann kriegt man solch einen Brocken gleich im ersten Spiel. Ich hatte im dritten Satz ab 7:7 drei relativ leichte Bälle mit der Rückhand liegen, die ich nicht getroffen habe. Vielleicht wäre es bei 1:2 noch einmal ein wenig enger geworden. Leider fehlt mir aber immer noch im Wettkampf das Level, das ich im Training spielen kann. Richtig zufrieden bin ich also nicht, auch wenn es Ma Long war.“ Die Konzentration von Duda gilt nun dem Doppel an der Seite von Qiu Dang. Im Vorjahr wurden die Deutschen Meister Dritter und steigen beim Grand Smash direkt in Runde zwei, im Achtelfinale, ein: „Wir müssen erstmals am Dienstag oder am Mittwoch an den Tisch. Ich werde meine volle Konzentration jetzt auf das Doppel mit Dang legen.“

Unglückliche Niederlage für Ruwen Filus

„Wir kennen uns ja aus der Mannschaft. Ich war taktisch sehr gut gegen ihn eingestellt.“ Die berechtigten Hoffnungen auf einen Auftaktsieg beim Grand Smash in Singapur über Nigerias Weltklassemann Quadri Aruna zerplatzten – nach einer 6:2-Führung – bei 9:10 im Entscheidungssatz durch einen Netzball, nach dem sich Ruwen Filus vergeblich streckte. Das Abwehrass aus Fulda haderte nach dem 12.14, 11:6, 3:11, 11:6 und 9:11: „Vom Spielverlauf her ist die Niederlage natürlich sehr schade. Schon im ersten Satz habe ich drei Satzbälle nicht verwandeln können. Ich habe in dem Match gut angegriffen, aber leider auch eine Reihe an falschen Entscheidungen getroffen.“

Für Ruwen Filus war es der erste internationale Auftritt, nachdem bei dem Hessen Anfang des Jahres das Pfeiffersche Drüsenfieber diagnostiziert wurde: „Ich bin immer noch etwas geschwächt und deshalb nicht mit großen Erwartungen nach Singapur gereist. Ich kann im Training noch nicht voll belasten, sondern schleppe mich so durch. Wenn man diesen Hintergrund berücksichtigt, war es ein anständiges Spiel. Den eigentlichen Ansprüchen, die ich an mich selbst habe, wird die Leistung zwar nicht gerecht. Man kann aber sagen, dass ich das heute Bestmögliche herausgeholt habe!“

Frühes Aus für das Doppel Mittelham/Winter

Im Doppel sind Sabine Winter und Nina Mittelham bereits ausgeschieden. Die EM-Finalistinnen von Warschau 2021 unterlagen den Französinnen Prithika Pavade/Camille Lutz mit 9:11, 11:13 11:3 und 6:11. Winter sagte nach der Niederlage: „Im Doppel war der erste Satz sehr schade, da hatten wir bis kurz vor dem Ende immer die Nase vorne. Und auch im zweiten Satz hatten wir unsere Chancen, diesen am Ende noch zu klauen. Bei einem 0:2-Rückstand ist es leider immer schwierig, das Match noch zu drehen. Unsere Gegnerinnen haben zwar ein ordentliches Spiel gemacht, aber Nina und ich haben sicherlich auch schon bessere Spiele gezeigt.“

Die Ergebnisse der Deutschen am Sonntag

Herren-Einzel, 1. Runde (beste 64)
Dang Qiu – Liam Pitchford ENG 3:0 (5,3,8)
Kilian Ort – Chew Zhe Yu Clarence SIN 3:0 (6,9,10)
Benedikt Duda – Ma Long CHN 0:3 (-6,-8,-9)
Ruwen Filus – Quadri Aruna NGR 2:3 (-12,6,-3,6,-9)
Damen-Einzel, 1. Runde (beste 64)
Xiaona Shan – Shin Yubin KOR 3:1 (7,-3,8,8)
Sabine Winter – Hana Goda EGY 3:1 (7,-5,3,9)
Nina Mittelham – Jieni Shao POR 3:1 (-7,2,6,6)
Damen-Doppel, 1. Runde (beste 24)
Sabine Winter/Nina Mittelham – Prithika Pavade/Camille Lutz FRA 1:3 (-9,-11,3,-6)

Die Spiele der Deutschen am Montag

Damen-Doppel, 1. Runde (beste 24)

Xiaona Shan/Miyu Nagasaki JPN – Loy Ming Ying/Lal Chloe SIN 13.15 Uhr, Tisch 2
Damen-Einzel, 2. Runde (beste 32)
Ying Han – Dina Meshref EGY 13.45 Uhr, Tisch 1

Die Spiele der Deutschen am Dienstag (noch ohne Ansetzung)

Damen-Einzel, 2. Runde (beste 32)
Xiaona Shan – Kasumi Ishikawa JPN
Sabine Winter – Sun Yingsha CHN
Nina Mittelham – Lee Zion KOR
Herren-Einzel, 2. Runde (beste 32)
Dang Qiu – Pang Yew En Koen SGP
Kilian Ort – Darko Jorgic SLO

Die Spiele der Deutschen am Dienstag oder Mittwoch (noch ohne Ansetzung)


Herren-Doppel, Achtelfinale
Benedikt Duda/Dang Qiu – Martin Allegro/Florent Lambiet BEL oder Wong Chun Ting/Ho Kwan Kit HKG

Links

WTT Singapore Smash (7. bis 19. März)

Das Aufgebot des DTTB
Herren: Dimitrij Ovtcharov (TTC Neu-Ulm), Dang Qiu (Borussia Düsseldorf), Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT), Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt), Ruwen Filus (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), Kilian Ort (TSV Bad Königshofen). Qualifikation: Kay Stumper (Borussia Düsseldorf)
Damen: Ying Han (KTS Tarnobrzeg, Polen), Nina Mittelham (ttc berlin eastside), Xiaona Shan (ttc berlin eastside), Sabine Winter (TSV Schwabhausen). Qualifikation: Annett Kaufmann (SV Böblingen), Yuan Wan (TTC Weinheim)
Herren-Doppel: Benedikt Duda/Dang Qiu
Damen-Doppel: Nina Mittelham/Sabine Winter, Xiaona Shan/Miyu Nagasaki JPN
Mixed: Nina Mittelham/Dang Qiu
Trainer: Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer, Lars Hielscher (DTTB-Cheftrainer Düsseldorf),Tamara Boros (Damen-Bundestrainerin), Elke Schall-Süß (DTTB Honorartrainerin)
Physiotherapeut: Peter Heckert (Olympiastützpunkt Hessen)
Schiedsrichter: Christoph Geiger

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