EM-SILBER FÜR LEVERKUSENER SITZVOLLEYBALLER

„Können stolz sein“ \\ Quelle: DBS

LEVERKUSEN. Die Sensation lag in der Luft: Die deutschen Sitzvolleyballer mit sieben Leverkusenern führten bei der EM im italienischen Caorle bereits mit 2:1-Sätzen, mussten sich am Ende aber trotz eines überragenden Auftritts dem großen Turnierfavoriten Bosnien und Herzegowina geschlagen geben. Die Frauen um Ronja Schmölders und Sonja Scholten wurden Vierte.

Es war ein unglaubliches Finale und eine große Energieleistung: Die deutschen Sitzvolleyballer mit Kapitän Jürgen Schrapp, Dominik Albrecht, Stefan Hähnlein, Thomas Renger, Mathis Tigler, Lukas Schiwy und Magnus Fischer lagen drei Sätze lang auf Europameister-Kurs, zeigten ihr vielleicht bestes Spiel der vergangenen Jahre und waren gegen den haushohen Titelfavoriten in einem Fünf-Satz-Krimi lange auf Augenhöhe. Allerdings blieb die Belohnung aus. Im Tiebreak musste sich Deutschland immer stärker werdenden Bosniern geschlagen geben und unterlag schließlich mit 2:3 (25:18, 23:25, 30:28, 21:25, 6:15).

Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber ich bin in erster Linie sehr zufrieden mit unserer Leistung. Die Jungs können stolz auf sich sein“, bilanzierte Cheftrainer Christoph Herzog. Die unmittelbare Enttäuschung über den verpassten Titel und die große Chance, sich die direkte Paralympics-Teilnahme zu sichern, sei ziemlich schnell nach der Partie in Zufriedenheit umgeschwenkt. „Der Zusammenhalt im Team ist super und die Abstimmung auf dem Feld klappt immer besser. Wir haben gesehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, fügte Herzog an, der seit diesem Sommer in Doppelfunktion die deutschen Frauen wie auch die Männer betreut.

In einem hochklassigen Finale hatte sein Team einen Traumstart erwischt. Deutschland setzte den Topfavoriten, der bis dahin im Turnier noch keinen Satz abgegeben hatte, von Beginn an unter Druck. Und ehe sich Bosnien versah, stand es bereits 5:1 und Deutschland gab diese Führung bis zum Satzgewinn auch nicht mehr ab. Der Paralympics-Dritte 2021 und Vize-Weltmeister 2022 kam im zweiten Durchgang zwar besser in die Partie, die Qualität im deutschen Spiel litt dadurch allerdings nicht. Vielmehr entwickelte sich ein spannendes Duell mit sehenswerten Ballwechseln und ständigen Führungswechseln. Die deutschen Sitzvolleyballer, die zuvor ungeschlagen bis ins Endspiel marschiert waren, führten auch in Satz zwei mit 12:8. Doch Bosnien drehte das Ergebnis, ging in Führung und stellte mit einem Schlussspurt schließlich den Satzausgleich her.

Von Rückschlag allerdings keine Spur. Wie sein Team auf Top-Niveau einfach weiterspielte, beeindruckte Christoph Herzog: „In der Art und Weise habe ich das selten gesehen.“ Deutschland blieb auch im dritten Satz am Drücker, näherte sich nach 4:2, 12:9 und 19:16 dem zweiten Satzgewinn und behielt die Nerven, obwohl sich Bosnien auf der Zielgeraden des Satzes erneut herankämpfte (24:24) und Deutschland mehrere Satzbälle vergab. „Wir wussten, dass diese EM eine erste Etappe ist. Dass wir so dagegenhalten könnten, hatten wir uns erhofft. Für einen kurzen Moment habe ich auch daran geglaubt, dass wir es schaffen. Doch unsere Gegner waren am Ende einfach besser und wir haben ein paar vermeidbare Fehler zu viel gemacht.“

Beim Stand von 13:10 für Deutschland im vierten Satz kippte die Partie, danach gingen sieben Punkte in Folge an Bosnien. „Das war schade, aber so einen Abstand kann man gegen so ein Weltklasseteam nicht aufholen.“ Im entscheidenden fünften Satz war dann „leider etwas die Luft raus. Wir wollten wieder gut anfangen, das ist uns nicht mehr gelungen“, sagte Herzog.

Beim Weltcup in Kairo will Deutschland vom 11. bis 18. November einen neuen Anlauf nehmen und sich das Ticket für Paris sichern. „Unser Plan ist es, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen und dann die Qualifikation perfekt zu machen“, sagt Herzog: „Die Stimmung ist bestens, ich bin guter Dinge.“

Deutsche Frauen verpassen die Medaillenränge knapp und werden Vierte

Die deutschen Frauen mit den TSV-Spielerinnen Ronja Schmölders und Sonja Scholten haben mit Platz vier zwar die erhoffte Medaille verpasst, sich aber im Turnierverlauf ebenfalls bestens verkauft. Im Spiel um Platz drei unterlag die Mannschaft der Ukraine mit 1:3. „Das Resultat sieht allerdings deutlicher aus, als es war. Am Ende haben Kleinigkeiten den Unterschied ausgemacht“, erklärte Herzog.

Seine Mannschaft war nach einer überzeugenden Vorrunde mit drei Siegen über Kroatien (3:0), Ungarn (3:0) und die Türkei (3:0) sowie einer Niederlage gegen die italienischen Gastgeberinnen (0:3) als Gruppenzweiter ins Viertelfinale und einem klaren Sieg gegen Polen (3:0) ins Halbfinale eingezogen. Im Halbfinale hatten die deutschen Sitzvolleyballerinnen gegen die bis dahin ungeschlagenen Sloweninnen nicht die passende Antwort. Deutschland zog trotz Satzführung am Ende mit 1:3 den Kürzeren – aber auch in dieser Partie, betonte Herzog, sei mehr drin gewesen. „Wir hätten auch genauso ins Finale einziehen können. Es sind Nuancen, die uns in solchen Spielen noch fehlen. Aber genau daran müssen wir arbeiten, wenn wir die Qualifikation für Paris schaffen wollen.“

Die letzten Startplätze werden beim Weltcup in Kairo (11. bis 18. November) beziehungsweise dem Qualifikationsturnier im Frühjahr 2024 vergeben. Noch gibt es also zwei Chancen für die deutschen Sitzvolleyball-Teams, um sich die erhoffte Teilnahme an den Paralympics in Paris zu sichern.

Hoffnung machen hierfür auch die individuellen Auszeichnungen, die aus deutscher Sicht allesamt nach Leverkusen gingen: Stefan Hähnlein wurde als bester Zuspieler des Turniers geehrt, Dominik Albrecht und Sonja Scholten als beste Aufschlagsspielerinnen./-Spieler

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Fotos: Sinisa Kazinaj & Daniele Celesti / Paravolley Europe

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