FRAUEN-DOPPELVIERER HOLT PARIS-TICKET

WM-Tag 7:  Para-Mixed-Vierer Bronze \\von Luisa Gärtner und Hans Strauss

WM-Bronze nach Silber im letzten Jahr: der Para-Mixed-Vierer PR3 mit Susanne Lackner, Jan Helmich, Marc Lembeck, Kathrin Marchand und Inga Thöne. Foto: meinruderbild

BELGRAD. (SRB) Sie fanden den schwierigen Weg durch das Schlupfloch nach Paris. Der deutsche Doppelvierer der Frauen gewann am Samstag das B-Finale der Ruder-Weltmeisterschaft und qualifizierte sich damit als siebtes und letztes Boot dieser Klasse in Belgrad direkt für die Olympischen Spiele 2024. Sarah Wibberenz, die für die erkrankte Pia Greiten hereingekommene Lisa Gutfleisch, Frauke Hundeling und Tabea Schendekehl (RC Havel Brandenburg, RK Heidelberg, Osnabrücker RV und RC Hansa Dortmund) jubelten ausgelassen über ihren Coup. Wetten hätte nicht jeder darauf abschließen mögen, doch das von Bundestrainer Marcin Witkowski betreute Boot machte mit einem Rennen aus einem Guss alles wett, was im Halbfinale danebengegangen war, und wahrte die große olympische Tradition im Frauen-Doppelvierer. Seit der Einführung der Bootsklasse zu den Spielen 1988 hatte Deutschland nie gefehlt und alleine sechs Mal Gold geholt.

Nach dem Männer-Einer und dem Männer-Doppelvierer hat der Deutsche Ruderverband damit das dritte Boot für Olympia qualifiziert. Der Leichtgewichtszweier der Männer mit Paul Leerkamp und Jonathan Rommelmann scheiterte an der Aufgabe, sein B-Finale gewinnen zu müssen, und wurde Vierter. Vom Frauen-Vierer ohne war die Qualifikation nicht erwartet worden, er schloss die WM mit dem fünften Platz in seinem B-Finale ab.

Für Cheftrainerin Brigitte Bielig geht die Zitterpartie in Sachen Olympia-Qualifikation weiter. „Der Männer-Doppelvierer hat gekämpft im Finale, auch wenn es dann nur für den letzten Platz gereicht hat. Die Qualifikation hat er schon vorher geholt, das war sehr wichtig für uns. Unsere Hoffnung heute lag zuallererst auf dem leichten Männer-Doppelzweier, aber für ihn hat es leider nicht gereicht. Dafür hat der Frauen-Doppelvierer gezeigt, wozu er in der Lage ist und die Olympia-Qualifikation im B-Finale noch erreicht. Im Vor- und im Hoffnungslauf hat die Mannschaft ihr Potenzial nicht gezeigt, dieser Erfolg sollte aber Auftrieb geben. Damit können wir am Sonntag mit dem Frauen-Einer, dem Männer-Doppelzweier und dem Männer-Achter noch die sechs Qualifikationsplätze für die Olympischen Spiele erreichen. Wir müssen halt warten bis zum Schluss.“

Para-Vierer freut sich über Bronze

Die einzige Medaille für den DRV am Freitag erruderten Susanne Lackner, Jan Helmich, Marc Lembeck, Kathrin Marchand und Steuerfrau Inga Thöne (Mannheimer RV Amicitia, RC Hansa Dortmund, beide RTHC Bayer Leverkusen, Ulmer RC Donau) im PR3 Mixed-Vierer mit Steuerfrau. Nach einem guten Start aller Boote lagen die Fünf zunächst auf einem knappen vierten Platz. Im Rennverlauf fanden sie dann aber genau ihren Rhythmus und legten sich mit langen Schubschlägen an der 1000-Meter-Marke auf den dritten Platz, den sie bis zur Ziellinie halten konnten.

Wir sind sehr gut ins Rennen gekommen, das Problem war, die anderen fünf Boote auch. Bei 500 Meter lagen alle mehr oder weniger auf einer Höhe. Und dann muss man einfach sagen die USA und Großbritannien sind bockstark gefahren. Aber wir freuen uns natürlich über die Bronze-Medaille“, erklärte Marc Lembeck den Rennverlauf mit einem Lächeln im Gesicht. Auch Trainer Ralf Müller strahlte: „Ich bin sehr zufrieden! Wir hatten heute Morgen eine nicht ganz fitte Mannschaft, da hab‘ ich gedacht, was willst Du da machen? Das Beste ist Augen zu und durch, und dann haben wir unseren Rennplan gemacht.“ Die USA brachte, im Vergleich zu letztem Jahr, einen sehr starken Vierer an den Start und fuhr sichtbar an den siegreichen Topfavoriten aus Großbritannien heran. „Das wird jetzt unsere Messlatte. Aber wir wollen den Spaß an der ganzen Ruderei nicht verlieren“, gab Müller eine Richtung für die nächsten Monate vor. Auch Marc Stallberg, der Para Bundestrainer, war vollumfänglich zufrieden: „Die Mannschaft hat das gut gemacht, ist drangeblieben und hat verdient Bronze gewonnen.“ 

Lisa Gutfleisch fügt sich gut ein

Der Frauen-Doppelvierer legte schon den besten Start hin, dann entwickelte sich zunächst ein Duell mit Kanada um die Führung. Bei der 1000-Meter-Marke lag die in Berlin trainierende Crew schon vorne, auf dem zweiten Rennabschnitt entwickelte sich dann die Ukraine zum großen Rivalen. Doch die Deutschen zogen ihr Rennen durch, mussten nicht mehr zittern und hatten am Ende ziemlich genau eine Länge Vorsprung auf das ukrainische Boot.

Die Umbesetzung für das B-Finale hatte sehr gut funktioniert. Lisa Gutfleisch ersetzte die erkrankte Pia Greiten, die sich später am Qualifier-Steg mit ihrer Mannschaft freute. Gutfleisch saß auf Position zwei, Frauke Hundeling übernahm wie über die meiste Zeit dieser Saison wieder die Schlagübernahme. „Wir sind im Training schon mit Lisa gefahren und waren überzeugt, dass wir es auch mit ihr schaffen können. Das Selbstvertrauen war da, heute einen rauszuhauen und das Rennen von vorneweg zu fahren“, sagte Schlagfrau Tabea Schendekehl. Lisa Gutfleisch bekam am deutschen Zelt viele Glückwünsche. „Ich habe alles gegeben und gezeigt, dass Ersatzleute auch reingehören. Im Trainingslager bin ich schon ab und zu auf der zwei gesessen, das hat auch heute gut gepasst“, sagte sie.

Bundestrainer Marcin Witkowski war deutlich berührt von dem Abschneiden: „Es war ein schwieriger Moment für die gesamte Gruppe. Heute Morgen haben wir entschieden, wer zur Mannschaft gehören würde. Die Entscheidung war gut, Lisa als Ersatzsportlerin war heute perfekt. Es hat uns in diesem Rennen an nichts gefehlt. Ich möchte den Mädchen gratulieren und mich dafür bedanken, dass sie diese Aufgabe übererfüllt haben.“ 

Enttäuschung bei Leerkamp/Rommelmann

Für den leichten Männer-Doppelzweier erwies sich die Aufgabe, das B-Finale zu gewinnen, um die olympische Nachqualifikation im kommenden Mai in Luzern zu umgehen, als zu schwierig. Nach dem Kentern im Halbfinale durch einen technischen Fehler hatten Paul Leerkamp und Jonathan Rommelmann versucht, sich davon freizumachen, doch sie fanden ruderisch nicht zueinander. Der Start als Dritter nach 500 Metern war noch hoffnungsvoll, doch an der starken Fahrt von Mexiko zum Start-Ziel-Sieg bissen sich auch die anderen Mannschaften die Zähne aus. Am Ende wurde es nur Platz vier und insgesamt Rang zehn. Gerade Rommelmann, der nach Tokio-Silber noch einmal zu den Spielen will, hatte sich von der WM mehr erhofft. „Die Enttäuschung ist natürlich groß, ich muss das erst Mal verarbeiten. Wir haben uns heute unter Wert verkauft. Wir haben alles versucht, aber es war nicht das, was wir ruderisch können und auch im Vorlauf gezeigt haben. In den beiden letzten Tagen waren es nicht unsere Bedingungen, dann kam unsere kleine Schwimmstunde im Halbfinale, das haben wir nicht ganz abschütteln können.“ Trainer Tim Schönberg fand es „extrem ärgerlich. Die beiden sind schon am Anfang nicht richtig auf Bootsgeschwindigkeit gekommen. In der Mitte des Rennens war es zu aufwändig, um am Ende noch einmal auf Tuchfühlung zu kommen.“

Frauen-Riemenvierer hat „viel gelernt“

Für den Frauen-Vierer ohne ging es im B-Finale nicht um die für das Boot zu hohe Hürde Sieg und Olympia-Qualifikation, sondern um einen ordentlichen Abschluss für Sophie Leupold, Lena Osterkamp, Melanie Göldner und Luisa Schade (Pirnaer RV, Deutscher RC, RC Potsdam und RC Potsdam). Lange lag das deutsche Boot auf dem letzten Platz, aber am Ende zeigte die Mannschaft Ehrgeiz und ging noch an Polen vorbei. Das bedeutete WM-Rang elf. „Ich freue mich, dass die Mädels Polen noch geholt haben“, sagte Bundestrainer Sven Ueck. „Um auf der Strecke mehr zu geben, fehlen noch mehr Selbstvertrauen und Mut. Trotzdem haben sie viel gelernt bei dieser WM. Den Schwung der letzten Wochen müssen wir im Frauen-Riemen-Bereich nun mitnehmen und hoffen, dass paar Mädels dazukommen und wir einen vernünftigen Konkurrenzkampf haben, damit wir international wieder anklopfen können.“

Männer-Doppelvierer im A-Finale Letzter

Zwei Tage nach dem Jubel über das Olympia-Ticket spielte der deutsche Männer-Doppelvierer im Finale der sechs weltbesten Boote nur eine Nebenrolle. In einem rein europäischen Feld waren die Niederlande eine Klasse für sich und gewannen den Titel. Mit einigem Abstand sicherte sich Italien im Finish noch Silber vor Titelverteidiger Polen, dem dieses Jahr Bronze blieb. Anton Finger, Max Appel, Tim Ole Naske und Moritz Wolff (Berliner RC, SC Magdeburg, RG Hansa und Berliner SC) kamen zusammen mit der Schweiz nicht ganz hinterher, auch wenn sie kämpften. Im Finish hatten die Schweizer etwas mehr zu bieten und verwiesen das deutsche Boot auf Rang sechs. Naske begründete, warum nicht mehr ging: „Wir sind im Halbfinale ein unfassbar gutes Rennen gefahren und haben etwas Unerwartetes geschafft. Heute war es das vierte Rennen, wir haben ab 1000 Metern gemerkt, dass wir nichts mehr drin hatten. Hintenraus hatten wir dann noch die Welle der Italiener auf der Nebenbahn. Zum einen ist das demütigend, weil man weiß, dass man dann acht Sekunden dahinter liegt. Zum anderen sind wir dadurch ganz schön ins Schlingern gekommen und konnten nichts gegen die Attacke der Schweizer tun.“ Bundestrainer Dirk Brockmann sagte: „Es ist immer schwer, wenn der Focus so auf Halbfinale und Qualifikation liegt, im Finale noch mal hochzufahren. Wir sind Sechster bei der WM geworden. Wenn uns das vorher jemand gesagt hätte, wären wir freudestrahlend vom Hof gegangen.“ 

C-Finals: Sarassa/Reif mit Endspurt

Den zweiten Finaltag der Weltmeisterschaft in Belgrad eröffneten Lena Sarassa und Hannah Reif (Crefelder RC und Frankfurter RG Germania) mit ihrem C-Finale im Frauen-Zweier ohne. Nach einem sauberen Start fanden sich die beiden Ruderinnen auf Platz drei hinter Neuseeland und Paraguay wieder. Die Däninnen, die Athletinnen ohne Nation und die Kanadierinnen hielten sie bis zum Ende auf Abstand. Mit einem langen Endspurt auf den letzten 500 Metern überholten sie auch noch Paraguay und sicherten sich somit den zweiten Platz und Rang 14 insgesamt. „Wir wollten einen versöhnlichen Abschluss nach der großen Enttäuschung, das Ticket nicht gelöst zu haben, und Neuseeland schlagen. Wenn man sich dann so ein Ziel setzt, muss man einfach sagen, dass wir auch das nicht erreicht haben. Trotzdem haben die Mädels heute ein couragiertes Rennen abgeliefert“, resümierte Trainer Heino Zeidler.„Ich denke schon, dass dieser Zweier Potential hat und wir müssen einfach schauen, was die nächsten Wochen und Monate bringen.“

Positiver Abschluss für Metzger/Christ

Das zweite C-Finale des Tages bestritten Jannik Metzger und Julius Christ (Marbacher RV und RTHC Bayer Leverkusen) im Männer-Zweier ohne. Nach den ersten 500 Metern lagen sie auf Platz drei, den sie sich über den zweiten und dritten Streckenabschnitt nehmen ließen. Im Endspurt überholten sie aber noch die Franzosen und beendeten das Rennen auf Platz drei vor China, Frankreich und Serbien. „Es war ein gutes Rennen!Bisher hatten wir keines der gegnerischen Boote geschlagen. Nur auf den letzten 200 Metern waren die Sieger aus Litauen und die Athleten ohne Nation wahrscheinlich physisch einfach zu stark. Dennoch ist das noch ein positiver Abschluss“, so Trainer Thomas Affeldt. Metzger/Christ beenden die Weltmeisterschaft mit dem 15. Platz. 

Reichardt-Zwillinge verfehlen ihr Ziel

Gesamt-Rang 16 wurde es für den leichten Frauen-Doppelzweier. Marion und Johanna Reichardt (beide Akademischer RC Würzburg) ließen im C-Finale Spanien und Tunesien hinter sich und belegten am Ende Platz vier. Australien, Österreich und Dänemark waren zu stark für die Würzburgerinnen und ruderten auf das Podest. „Die Saison über hatten wir schon Verbesserungen im Training gesehen.Unser Ziel war das Erreichen des Halbfinals und eine Platzierung unter den ersten zwölf Booten der Welt. Das hat nicht geklappt und jetzt müssen wir klären, was die letzten Wochen nicht optimal gelaufen ist, und was besser gemacht werden kann“, erklärte Trainer Andreas Holz das Abschneiden seiner Mädels.

Enttäuschung beim Männer-Vierer 

Der Männer-Vierer ohne mit Theis Hagemeister, Malte Großmann, Mark Hinrichs und Sönke Kruse (Frankfurter RG Germania, RC Favorite Hammonia, Limburger Club für Wassersport und RV Münster) ist in seinem C-Finale voll auf Risiko gefahren, um sich nach der Startphase vor die Polen zu legen. „Das hat einwandfrei geklappt. Auf den zweiten 1000 Metern ist die Mannschaft dann aber leider immer mehr auseinandergefallen. Die Vier haben maximal gekämpft, konnten aber beim chinesischen und irischen Boot nicht gegenhalten“, sagte Bundestrainer Thomas Affeldt. So blieb nur der vierte und letzte Rang und insgesamt Rang 16. „Die Platzierung am Ende tut natürlich weh“, gab Bundestrainer Thomas Affeldt zu.

So läuft der WM-Schlusstag am Sonntag

Spannend wird es in mehrerer Hinsicht. Einmal geht es in vier A-Finals um Medaillen für den DRV, zum anderen noch um drei Olympia-Tickets. Alexandra Föster würde es für den Frauen-Einer mit Platz drei im B-Finale sichern. Jonas Gelsen und Marc Weber müssen dafür im B-Finale des Männer-Doppelzweiers mindestens Fünfte werden. Und auch der Deutschland-Achter muss zum WM-Abschluss im A-Finale mindestens Rang fünf erreichen, um für die Spiele 2024 qualifiziert zu sein. Oliver Zeidler will im A-Finale des Männer-Einers zum dritten Mal in seiner Karriere Weltmeister werden. In den A-Finals der beiden Para-Einer PR1 könnten Manuela Diening und Marcus Klemp, die beide bereits für die Paralympics 2024 qualifiziert sind, in Medaillennähe rudern. 

Die DRV-Termine: 10.39 Uhr Finale C W2x, 11.23 Uhr Finale B W1x, 11.30 Uhr Finale B M2x,
11.51 Uhr Finale B W8+, 13.05 Uhr Finale A PR1 M1x, 13.20 Uhr Finale A PR1 W1x, 14.25 Uhr Finale A M1x, 14.59 Uhr Finale A M8+.

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