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FÜNF DRV-BOOTE KÄMPFEN IN LUZERN UM DIE MEDAILLEN

\\ von Hans Strauss

Kampfstark ins A-Finale: der Männer-Doppelvierer mit Anton Finger, Max Appel, Tim Ole Naske und Moritz Wolff. Foto: Yannick Schurwanz

LUZERN. Nicht alle kamen durch, aber das war bei der hervorragenden Besetzung der Rotsee-Regatta auch nicht zu erwarten. Insgesamt fünf Boote des Deutschen Ruderverbands stehen am Sonntag beim letzten Weltcup der Saison in Luzern in den A-Finals. Von den sieben deutschen Halbfinalisten setzten sich am Samstag (8. Juli 2023) allerdings nur Oliver Zeidler und Alexandra Föster, die beiden Aushängeschilder des DRV, in ihren Einern durch. Über die Hoffnungsläufe schafften der Frauen- und Männer-Doppelvierer sowie der Deutschland-Achter den Sprung ins Finale. Fünf DRV-Mannschaft bestreiten am Sonntag ihre B-Finals. Eine Zwischenbilanz, die Sportdirektor Mario Woldt und Cheftrainerin Brigitte Bielig mit dem Blick auf die bei der Weltmeisterschaft angestrebten Olympia-Quotenplätze nicht unzufrieden macht.

Zeidler reicht der Weltcup-Gesamtsieg nicht

Alles ist bereitet für das große Einer-Finale der Männer in Luzern (Sonntag, 11.46 Uhr) – und Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) hat sich die Favoritenrolle erarbeitet. In seinem Halbfinale landete der amtierende Weltmeister mit der insgesamt schnellsten Zeit einen sicheren Sieg vor dem Neuseeländer Thomas Mackintosh und dem Bulgaren Kristian Vasilev, die den Rest des Feldes ebenfalls sicher distanzierten. Zeidler startete wieder schnell und erarbeitete sich auf den ersten 1000 Metern bereits einen Vorsprung von 4,37 Sekunden auf Mackintosh, von dem er zehrte und in der anstrengenden Nachmittagshitze ohne Druck ins Ziel rudern konnte. Im anderen Halbfinale setzten sich mit dem Dänen Sverri Nielsen, dem Griechen Stefanos Ntouskos und dem Japaner Ryuta Arakawa ebenfalls die Favoriten durch. Erstes Ziel für Zeidler im Finale ist es, den Gesamt-Weltcup zu holen, zu dem ihm nach seinen Siegen in den ersten beiden Weltcups der vierte Rang reichen würde. „Natürlich wollen wir versuchen, wieder zu gewinnen. Die Henley-Regatta steckt Olli ein bisschen in den Knochen, aber er wird noch Mal alles reinhauen“, sagte Trainer Heino Zeidler.

https://youtu.be/e6PIu8qBSi0

 

In diesem Video geht es um die technische Unterstützung, die Bootsmeister Markus Schmitz und seine Mannschaft bei einem Wettkampf wie in Luzern leisten.

Kann Föster das Star-Trio sprengen? 

Mit ihrem schon gewohnt guten Finish hat sich Alexandra Föster (RC Meschede) als Zweite ihres Halbfinal-Laufes hinter der Topfavoritin Karolien Florijn (Niederlande) für das Einer-Finale der Frauen am Sonntag (11.31 Uhr) qualifiziert.  In ihrem Rennen lag Föster lange Zeit auf Rang drei, der ihr ebenfalls gereicht hätte. Doch etwa 40 Meter vor dem Ziel kassierte sie noch die Bulgarin Desislava Angelova. Florijn, die am Ende mit 3,40 Sekunden Vorsprung auf Föster gewann, war unantastbar.  Die erfolgreiche Titelverteidigung für Föster ist im A-Finale am Sonntag, direkt vor den Männern, damit möglich – aber nicht realistisch. Sollte es der willensstarken Deutschen jedoch wider Erwarten gelingen, mit Florijn, Tara Rigney (Australien) oder Emma Twigg (Neuseeland) einen der drei großen Stars hinter sich zu lassen, wäre der Gang auf den Siegersteg sehr wahrscheinlich. 

Menzel/Völz Fünfte im Halbfinale

Der erste Frauen-Doppelzweier mit Leonie Menzel und Maren Völz (RC Germania Düsseldorf/RC Potsdam) belegte in seinem Halbfinale A/B Platz fünf. An der Spitze des Sechser-Feldes fuhren die rumänischen Olympia-Siegerinnen Bodnar/Radis ein eigenes Rennen, dahinter war es durchaus eng. Bei der Hälfte der Renndistanz lagen Menzel/Völz zwar auf Rang sechs, hatten aber lediglich 2,3 Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz. Daraus konnten Beide aber nicht mehr machen und ließen am Ende nur das Boot der Schweiz hinter sich. Am Sonntag (8.50 Uhr) geht es für beide nun mit dem B-Finale weiter. 

Nichts zu bestellen hatte der Männer-Vierer ohne Steuermann mit Jannik Metzger, Hannes Ocik, Malte Grossmann und Sönke Kruse (Marbacher RV, Schweriner RG, RC Favorite Hammonia, RV Münster) in seinem Halbfinallauf. Beim Start geriet das Dortmunder Boot schon ins Hintertreffen und war nach 500 Metern Letzter. Das Duell mit Kanada um den fünften Rang entschied das DRV-Boot für sich, der Rest war weit weg. Australien, Großbritannien 2 und die Niederlande qualifizierten sich für das A/B-Finale. Polen und die Niederlande treffen Kruse & Co. am Sonntag (9:05 Uhr) im B-Finale wieder. 

Gaus Zweiter im B-Finale der Leichtgewichte

Im Halbfinale des Leichtgewichts-Männer-Einers schien Arno Gaus (Bonner RG) nach der Hälfte der Distanz schon geschlagen. Fünf Sekunden betrug sein Rückstand auf den dritten Platz, der die Teilnahme am A-Finale gebracht hätte. Doch Gaus gab nicht auf und zog einen Endspurt an, der ihn im Ziel noch bis 53 Hundertstelsekunden an den Drittplatzierten Spanier heranbrachte. Im B-Finale, das ebenfalls am Samstag ausgetragen wurde, empfahl sich Gaus mit dem zweiten Platz. Nur der Österreicher Lukas Rein war schneller.

Ebenfalls im B-Finale steht am Sonntag der Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer mit Paul Leerkamp und Jonathan Rommelmann (Osnabrücker RV/Crefelder RC). In ihrem Halbfinale legten sie auf der Außenbahn mutig den schnellsten Start hin, kamen nach den guten ersten 300 Metern nicht so richtig in den Streckenschlag und fielen auf Platz vier zurück. Um ins Finale zu kommen, hätten Beide Spanien noch einfangen müssen. 200 Meter vor dem Ziel erkannten sie, dass Platz drei nicht mehr zu erreichen war und nahmen das Tempo komplett heraus, um Kraft zu sparen. So wurden sie noch auf den letzten Platz durchgereicht. Im B-Finale am Sonntag (9.25 Uhr) soll aber noch etwas gehen.    

Marion und Johanna Reichardt (ARC Würzburg) hatten in ihrem Halbfinale des Leichtgewichts-Doppelzweiers nichts zu bestellen. Nach dem schnellen Hoffnungslauf am Vortag kamen die Beiden schon nicht gut vom Start weg und beschlossen dann frühzeitig Schonung für das B-Finale am Sonntag (9.20 Uhr). Fast 27 Sekunden Rückstand auf Laufsieger Frankreich waren aber äußerst happig.

Die beiden Doppelvierer machen Freude

Nach EM-Rang fünf und Platz drei in Varese steht der Frauen-Doppelvierer mit Sarah Wibberenz, Pia Greiten, Frauke Hundeling und Schlagfrau Tabea Schendekehl (RC Havel Brandenburg, Osnabrücker RV, Deutscher Ruder-Club, RC Hansa Dortmund) erneut in einem A-Finale (Sonntag, 11:01 Uhr). Im mit vier Booten besetzten Hoffnungslauf musste das in Berlin trainierende Quartett Zweiter werden, um dort hin zu kommen. Und das gelang in einem stabil geführten Rennen hinter der Schweiz. Australien, das Dritter wurde, konnte dem DRV-Boot nicht gefährlich werden.   

Im Hoffnungslauf bestätigte der Männer-Doppelvierer mit Anton Finger, Max Appel, Tim Ole Naske und Schlagmann Moritz Wolff (Berliner RC, SC Magdeburg, RG Hansa, Berliner RC) seinen Aufwärtstrend. Der nötige zweite Platz unter vier Booten bescherte nach Rang acht bei der EM und Platz fünf in Varese die Teilnahme am A-Finale am Sonntag (13.46 Uhr), über die sich die Crew beim Anlegen der Kühlwesten am Steg sichtlich freute.  Über Rang vier nach 500 Metern und Platz drei nach 1000 Metern arbeiteten sich Naske und Co. bei etwa 1200 Metern auf den zweiten Rang vor. Ihn hinter Sieger Australien zu behaupten, war eine sichere Sache. „Ruderisch war der Vorlauf besser, aber kämpferisch war das heute sehr gut“, sagte Trainer Dirk Brockmann. „Am Sonntag ist mit einem richtig guten Rennen die Attacke auf Rang drei möglich, aber jedes geschlagene Boot ist ein Erfolg.“ 

Deutschland-Achter jagt die Niederlande

Auch der Deutschland-Achter steht nach Rang zwei im Hoffnungslauf und einer knappen Niederlage gegen Sieger Niederlande im Finale am Sonntag, das um 14.45 Uhr die Rotsee-Regatta beschließt. Nur der Letzte im Fünfer-Feld schied aus und das traf Österreich. Olaf Roggensack, Jasper Angl, Benedict Eggeling, Torben Johannesen, Max John, Marc Kamann, Wolf-Niclas Schröder, Mattes Schönherr und Steuermann Jonas Wiesen (RC Tegel Berlin, RV Münster, beide RC Favorite Hammonia Hamburg, Ol. RC Rostock, Der Hamburger und Germania RC, RU Arkona Berlin, RC Potsdam und RG Treis-Karden) hingegen wollten sich mit einem guten Rennen Selbstvertrauen holen, arbeiteten sich immer weiter nach vorne und verpassten bei ihrer ehrgeizigen Aufholjagd die Überraschung gegen die Niederlande letztlich nur um 13 Hundertstelsekunden. Dritter wurde Rumänien vor Kanada. Mit dieser Einstellung kann im Finale, in dem auch Seriensieger Großbritannien und Australien stehen, vielleicht der Sprung aufs Podium gelingen. 

Der auf den letzten Drücker zusammengestellte, sich aber findende Frauen-Vierer hatte im Hoffnungslauf erwartungsgemäß mit den vorderen Plätzen nichts zu tun. Die Niederlande und Neuseeland fuhren sich ins Finale dieses Wettbewerbs. Lena Osterkamp, Melanie Göldner, Alyssa Meyer und Schlagfrau Sophie Leupold (Deutscher Ruder-Club, Ruder-Club Potsdam, Ruder-Club Tegel, Pirnaer Ruderverein) gelang es im Endspurt immerhin, Japan noch auf den letzten Platz zu verweisen. Im B-Finale am Sonntag (9.30 Uhr) geht es nun um die Plätze 7 bis 12. Kanada und Japan will das langsam an Sicherheit gewinnende Boot hinter sich lassen.

Zweiter Platz im C-Finale für Gelsen/Weber

Für das C-Finale im Männer-Doppelzweier probierte es Trainer Ralf Hollmann auf Wunsch seiner Sportler mit einem Platztausch: Der damit erfahrene Marc Weber (Rudern und Sport Steinmühle) übernahm den Schlag, Jonas Gelsen (RC Nassovia Höchst) rückte in die Bugposition. Das deutsche Boot lieferte sich ein Duell mit den Belgiern Vandenbusch/Andries um den Sieg. Bis zur 1750-Meter-Marke waren Gelsen/Weber vorne, aber am Ende wurde es der zweite Platz hinter den EM-Finalisten und damit insgesamt Rang 14 in Luzern. Wahrscheinlich wird der Doppelzweier den Tausch Richtung WM beibehalten. „Beide Sportler sagen, dass es so deutlich besser war“, sagt Trainer Hollmann. 

Lisa Gutfleisch (RK Heidelberg), der zweiten deutschen Starterin im Frauen-Einer, gelang ein guter Abschluss. Sie gewann das Finale E gegen zwei Ruderinnen aus Taipeh und Finnland. 

Der im zweiten deutschen Einer knapp am Halbfinale vorbeigefahrene Julius Rommelmann (RRG Mülheim) lag nach 500 Metern im E-Finale vorne, fiel dann aber schnell auf den sechsten und letzten Platz zurück, auf dem er auch ins Ziel kam. Rommelmann hatte muskuläre Probleme im Brustkorbbereich bekommen, die ihn in der Atmung behinderten. 

Volk/Krause gewinnen das C-Finale

Im C-Finale des Frauen-Doppelzweiers schlug sich das zweite DRV-Boot sehr gut. Katrin Volk und Sophia Krause (Ulmer RC Donau/Limburger Club für Wassersport) kämpften mit Südafrika Bug an Bug um den Sieg im Fünf-Boote-Feld. Volk/Krause wehrten den Angriff der Südafrikanerinnen ab und gewannen das Rennen. Beide werden nun versuchen, das Gewichtslimit für den Wechsel in den Leichtgewichts-Doppelzweier zu schaffen.   

Abmeldung des Frauen-Zweiers

Der Frauen-Zweier mit Lena Sarassa und Hannah Reif (Crefelder Ruder-Club/Frankfurter RG Germania) wurde wegen Armproblemen von Reif vor dem C-Finale am Samstag abgemeldet. Eine Vorsichtsmaßnahme, um den Start in die WM-Vorbereitung nicht zu gefährden.

Klemp siegt bei Para-Testrennen

Zu Para-Testrennen, mit denen die Veranstalter in Luzern ihre Organisation am Rotsee für die finale Paralympics-Qualifikation 2024 überprüfen wollen, waren auch die beiden besten deutschen Athleten im PR1-Einer eingeladen. Manuela Diening (RV Münster) belegte im Frauen-Rennen den zweiten Platz hinter der Israelin Moran Samuel. Die sieggewohnte  Norwegerin Birgit Skarstein wurde Dritte. Das Männer-Rennen gewann Marcus Klemp (OR Rostock), der ebenfalls einen starken Endspurt zeigte und an dem Israeli Shmuel Daniel vorbeiging. Beide treten am Sonntag noch einmal an.

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