53 ATHLETINNEN UND ATHLETEN FÜR DIE WM NOMINIERT

Der Männer-Vierer ohne fährt in der bekannten Besetzung Kamann/Großmann/John/Hagemeister zur WM. Foto: Schurwanz

HANNOVER. Das schlechte Abschneiden bei den European Championships in München sitzt immer noch tief. Der Deutsche Ruderverband hat den Anschluss an die europäischen Top-Nationen wie Niederlande, Großbritannien und Italien verloren. Kopf in den Sand stecken hilft jetzt aber nicht. Es gilt, nach vorne zu blicken und den Fokus auf die Vorbereitung für die Weltmeisterschaften vom 19. bis 25. September 2022 in Račice, Tschechien, zu legen.

Wir befinden uns in einem Orientierungsjahr, das haben wir oft genug betont. Anderen Nationen geht es ähnlich, aber die bekommen den Umbruch scheinbar besser hin als wir. Daran müssen und werden wir arbeiten, um dann bei der WM 2023 in der Lage zu sein, anzugreifen“, sagt Sportdirektor Mario Woldt.

Bis zur WM in Račice bleiben noch knapp vier Wochen, um zumindest die Lücke nach vorne kleiner werden, im besten Fall schließen zu können. „Wir müssen auf jeden Fall im physischen Bereich, teilweise aber auch an der Rudertechnik arbeiten und trainieren, trainieren, trainieren“, weiß Cheftrainerin Brigitte Bielig.

Bisherige Saisonleistung und Perspektive für 2023 als Grundlage für WM-Nominierung
Die Nominierungskommission ist nach der EM zusammengekommen und hat auf Grundlage der bisherigen Saisonleistung sowie der Perspektive für die so wichtige Olympiaqualifikationssaison 2023 den Kader für die Weltmeisterschaften berufen. Insgesamt 53 Athletinnen und Athleten inklusive der Ersatzleute wurden nominiert.

Männer-Doppelvierer erneut von Corona betroffen
Nach der Corona-bedingten Startabsage bei der EM, wollte das Männer-Skull-Team die kommenden Wochen in der UWV nutzen, den neu formierten Doppelvierer – Jannis Romanowski ist für Stephan Riemekasten ins Boot gerückt und Paul Krüger ist als Ersatzmann dabei – sowie den Doppelzweier mit Max Appel und Moritz Wolff in Form zu bringen und schnell zu machen. Doch ein erneuter Corona-Fall zwingt die Athleten des Doppelvierers zur vorzeitigen Abreise aus dem Trainingslager. „Das ist wirklich bitter und tut mir für die Athleten sehr Leid. Jetzt müssen wir mal schauen, wie es weitergeht“, so Bielig. Einer-Fahrer Oliver Zeidler will nach der EM-Enttäuschung in Račice wieder angreifen und ums Podium mitrudern.

Roggensack und Follert fehlen ausbildungsbedingt für die restliche Saison
Das möchte auch der Deutschland-Achter, der nach der verpassten EM-Medaille ebenfalls wieder nach vorne blickt und in den kommenden Wochen an seinen Defiziten arbeiten will. Dabei muss Bundestrainer Uwe Bender allerdings auf die zwei Leistungsträger Olaf Roggensack und Laurits Follert verzichten, die aufgrund von Verpflichtungen seitens ihres Arbeitgebers der Bundespolizei die restliche Saison fehlen. „Das ist uns schon seit Anfang des Jahres bekannt. Die zwei haben wichtige Prüfungen, auf die sich vorbereiten müssen. Auch uns ist es natürlich wichtig, dass sie diese gut bestehen“, so Bielig. Für Roggensack und Follert rutschen Mark Hinrichs und Tom Tewes, der bereits bei der EM dabei war, ins Boot. Schlagmann Mattes Schönherr ist nach überstandener Krankheit zurück an Bord, sodass Torben Johannesen wieder auf seine alte Position zurückkehrt.

Den Männer-Vierer ohne rudert das eingespielte Quartett um Marc Kammann, Malte Großmann, Max John und Theis Hagemeister. Auf einen Zweier ohne wird verzichtet.

Frauen-Athletiktrainingslager in Zakopane
Das Frauen-Skull und Frauen-Riemen-Team ist gestern nach Zakopane gereist, um dort zunächst ein Athletiktrainingslager zu absolvieren. Mit Krafttraining, Ergometerfahren, Radfahren und Wandern soll ebenfalls die physiologische Basis verbessert werden
.

Unzufriedenheit im Frauen-Skull-Team
Das schlechte EM-Abschneiden hat auch den Skullerinnen zugesetzt, sodass diese direkt im Anschluss an die Regatta um ein Gespräch mit Cheftrainerin Brigitte Bielig und Disziplintrainer Marcin Witkowski baten. Auch Sportdirektor Mario Woldt nahm auf eigenen Wunsch hin teil. „Im Frauen-Skull-Team gab es im bisherigen Saisonverlauf leider viele Krankheitsausfälle, auch prüfungsbedingt fehlten hin und wieder einige Sportlerinnen. Dies bedingte den ständigen Wechsel in den jeweiligen Bootsklassen und beeinträchtigt natürlich eine optimale Trainingsvorbereitung. Das soll keine Entschuldigung für das bisherige internationale Abschneiden sein, aber es ist zumindest eine Erklärung, warum bisher so viel herumprobiert wurde und es aktuell noch nicht so läuft, wie es sich alle wünschen. Deshalb hoffe ich nun, dass es in der WM-Vorbereitung deutlich besser klappt, die Athletinnen über die komplette Zeit gemeinsam rudern und sich kontinuierlich besser finden können“, so Mario Woldt. Den Doppelzweier bilden wie schon in Luzern Pia Greiten und Frauke Hundeling. Im Doppelvierer sitzen Sarah Wibberenz, Judith Guhse, Sophie Leupold und Sophia Krause. Marie-Sophie Zeidler steht aus persönlichen Gründen für die WM nicht zur Verfügung. Im Einer möchte EM-Bronzemedaillengewinnerin Alexandra Föster an die bisherigen Saisonerfolge anknüpfen.

Das Frauen-Riemen-Team wird mit dem EM-Achter und einem Zweier ohne (Arnold/Osterkamp) zur WM fahren, auf einen Vierer ohne wird aufgrund der bisherigen Saisonergebnisse verzichtet.

Wir wollen die Lücke nach vorne schließen“
„Wir wissen, dass wir innerhalb von vier Wochen keine Bäume ausreißen können, aber wir wollen unser Bestes geben, um die Lücke nach vorne zu schließen. Auch kleine Erfolgserlebnisse bringen uns weiter und stärken das Selbstbewusstsein“, weiß Bielig, die gemeinsam mit Woldt in die jeweiligen Trainingslager fährt, um dort weitere Gespräche mit den einzelnen Sportlerinnen und Sportlern zu führen. „Insbesondere nach der scharfen Kritik von Oliver Zeidler ist es uns wichtig, uns gemeinsam an einen Tisch zu setzen und nach Lösungen zu suchen. Dies soll voraussichtlich nächste Woche passieren“, erklärt Bielig.

Konzentration an den Leitstützpunkten
Nach einer kurzen Erholungspause im Anschluss an die WM, soll im Herbst der Fokus dann wieder auf dem gemeinsamen Training an den drei Leitstützpunkten in Berlin, Dortmund und Hamburg/Ratzeburg liegen. „Wir wollen mit einem kühlen Kopf in die neue Saison starten. Uns ist es wichtig, dass wir dann vor allem in den Mittel- und Großbooten wieder viele gemeinsame Trainingskilometer abspulen können. Das bedarf aber, dass die Athletinnen und Athleten unserer Einladung an die jeweiligen Leitstützpunkte folgen. Dann wird sich zeigen, wer gewillt ist, alles für die Olympischen Spiele zu geben“, so Bielig, die auch nochmal betont. „Die Konzentration an den Leitstützpunkten ist kein Alleingang vom DRV, sondern ebenfalls eine Forderung vom DOSB. Nur mit der konsequenten Umsetzung und ohne ständige Ausnahmeregelungen können wir es schaffen, wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen und uns auf das wirklich wichtige, nämlich die Ausübung des Leistungssports, zu konzentrieren.“

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