DRV-WETTKAMPFBOOTE IM JUMBOJET UNTERWEGS NACH TOKIO

von Hans Strauß

Die Nase des Cargo-Jumbojets war hochgeklappt, als das lange Gestell mit den Wettkampfbooten für die Olympischen Spiele verladen wurde. Foto: Cargolux

HANNOVER. Die Olympischen Spiele rücken immer näher. Am Freitagmorgen sind nun auch die zehn Wettkampfboote des Deutschen Ruder-Verbandes im Flugzeug nach Japan gegangen. Bootsmeister Markus Schmitz hat die heikle Fracht im Anhänger vom Stützpunkt Dortmund nach Luxemburg gefahren. Dort wurden sie in einen Jumbojet des Frachtexperten Cargolux verladen, der um 6 Uhr morgens abhob und sie über Mailand nach Tokio-Narita flog.

Die Boeing 747-400 von Cargolux eignet sich besonders für Transporte mit Überlange. Die Nase des Flugzeugs war hochgeklappt, als das vollgepackte Bootgestell von vorne mit einem Hubwagen ins Innere des Riesenvogels befördert wurde. Das Fahrgestell des Anhängers reiste auch mit, musste aber zuvor demontiert werden. Alles unter den Argusaugen von Markus Schmitz, der aber volles Vertrauen in die Cargo-Spezialisten hat: „Bisher ist noch nie etwas passiert.“ Und auch dieses Mal klappte alles bei der Verladung.

Anders als nach Peking 2008 oder nach Rio de Janeiro 2016 konnte Schmitz seine Boote nicht im Flugzeug begleiten. Die strengen Corona-Regeln machten das nicht möglich. Da wegen der geringeren Zahl an qualifizierten Mannschaften der Bootsstapel die für den Frachtraum zulässige Höhe dieses Mal nicht überschritt und ein Umstapeln vor dem Be- und dem Entladen nicht nötig war, ist das für ihn halb so schlimm. Der gelernte Bootsbauer arbeitet schon seit 15 Jahren als Bootmeister für den DRV und kümmert sich auch um die Logistik bei allen Regatten, die von der Nationalmannschaft besucht werden.

Den Luxus, die Wettkampfboote so lange wie möglich auf dem Wasser zu haben und sie schnell per Luftfracht zu transportieren, leistet sich der DRV nur zu Olympischen Spielen in Übersee. Für Weltmeisterschaften z. B. in den USA wird der zeitlich viel längere, jedoch umweltfreundlichere und günstigere Wasserweg genutzt. „Der Lufttransport ist momentan sechs Mal so teuer wie der Schiffsweg“, sagt Schmitz. Allerdings sind auch die Container-Preise durch die Auswirkungen der Pandemie in die Höhe geschnellt und haben sich mehr als verdoppelt.

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Schon Anfang Mai ging ein 13,7 Meter langer Container mit der gesamten Ausrüstung und den Wettkampfbooten von Dortmund aus über Hamburg auf die Seereise nach Japan. Foto: Markus Schmitz

Einen 13,7 Meter langen Schiffscontainer mit zwölf Trainingsbooten und der gesamten Ausrüstung für das vorangehende Trainingslager ab 2. Juli in Kinosaki und die Olympischen Spiele in Tokio, zu denen die DRV-Mannschaft am 17. Juli weiterreist, hat Schmitz bereits Anfang Mai auf die Reise geschickt. In Dortmund wurde er geladen und in Hamburg verschifft. An diesem Wochenende soll er in Japan ankommen. Von Zelten über Böcke bis zu einem Eisbad für die Athleten ist alles dabei.

Den Rückweg nach den Olympischen Spielen wird das gesamte Ruderequipment Anfang August dann auf dem Seeweg antreten – aus Kostengründen. Aus einem werden dann drei Seecontainer. In die beiden zusätzlichen Riesenbehälter, die Logistikpartner Schenker bereitstellt, kommen die Wettkampfboote und das Fahrgestell des Anhängers. Für den sicheren Rücktransport der Wettkampfboote nach Deutschland muss Schmitz den Container in Tokio noch mit Holz ausschlagen. Das Material hat er bereits mit dem ersten Container nach Japan geschickt. Denn das Holz muss speziell getrocknet und behandelt sein, damit kein Ungeziefer von Land zu Land transportiert wird.

Man sieht: Langweilig wird dem DRV-Bootmeister in Japan nicht werden.