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DRV IM AUFWÄRTSTREND

Oliver Zeidler (c) DRV
SZEGED. (HUN) Vier Medaillen gingen am Schlusstag der Europameisterschaft im ungarischen Szeged an den Deutschen Ruderverband: Gold für Oliver Zeidler gab es am Sonntag im Männer-Einer, Silber für Alexandra Föster im Frauen-Einer und auch für den Para-Mixed-Zweier PR2, Bronze für Jonas Gelsen und Marc Weber im Doppelzweier der Männer.

In der Nationenwertung kam Deutschland mit einmal Gold, fünfmal Silber und zweimal Bronze auf den fünften Platz. Insgesamt also acht Medaillen, davon drei im paralympischen Bereich, für die eingesetzten 13 DRV-Boote – nur Großbritannien holte eine mehr. Nach mageren Jahren ist das ein Grund zur Freude, auch wenn die EM im Olympia-Jahr nicht bei allen Nationen ganz oben auf der Agenda stand. So kamen die Niederlande überwiegend mit jungen Athleten und Rumänien mischte seine Boote kräftig durch.

Vier Mal Edelmetall hatte das deutsche Aufgebot des Deutschen Ruderverbandes bereits am Samstag gesichert. Silber eroberte der Deutschland-Achter, der Frauen-Doppelvierer holte Bronze. Im Para-Bereich freuten sich Manuela Diening im Frauen Einer PR1 sowie Hermine Krumbein und Jan Helmich im Mixed-Doppelvierer PR3 jeweils über Silber.

Sonderlob für den Para-Bereich

Das ist ein Klasse-Gesamtergebnis im Para- und im olympischen Bereich. Das Para-Rudern hat eine beachtliche Entwicklung genommen und wenn wir daran denken, dass wir auch noch den PR3 Mixed-Vierer in der Hinterhand haben, dann sind die Aussichten für die Qualifikation und die Paralympics vielversprechend“, sagte Sportdirektor Mario Woldt. „Im olympischen Bereich verbuchen wir eine deutliche Steigerung in der Gesamtleistung, bei den Finalplätzen und den Medaillen. Das gibt ebenfalls Zuversicht, zunächst für die Nachqualifikation in Luzern. Der Trend ist positiv, das haben wir schon seit längerer Zeit erkannt. Über den Winter ist sehr gut gearbeitet worden. Und auch die anderen Nationen“, so Woldt, „erkennen an, dass die große Ruder-Nation Deutschland wieder im Kommen ist.“

Das Ergebnis zeigt einen positiven Trend auf. Es liegt weiter Arbeit vor uns, der Fokus liegt jetzt auf der Olympia-Nachquali. Alle Sportler und Trainer sind motiviert, die anstehenden Aufgaben zu lösen und die Ergebnisse weiter zu verbessern. Dafür brauchen wir weiter die Ruhe und die konsequente Trainingsarbeit“, lautete das Fazit von Cheftrainerin Brigitte Bielig.

Auch DRV-Vizepräsident Lars Koltermann, der die beiden Finaltage in Szeged begleitete, hatte Spaß an der Nationalmannschaft. „Mit diesem Ergebnis haben wir nicht gerechnet, es hat unsere Erwartungen übertroffen. Es zeigt sich, dass wir in vielen Bereichen auf dem richtigen Weg sind. Nun gilt es, auf diesen Ergebnissen im Hinblick auf Luzern weiter aufzubauen.“

Oliver Zeidler holt seinen dritten EM-Titel

Seinen dritten EM-Titel nach 2019 und 2021 holte sich Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) im Männer-Einer. Nach dem engen Duell mit Stefanos Ntouskos im Halbfinale hielt der amtierende Weltmeister den Olympiasieger von Tokio im Finale mit großer Souveränität erneut in Schach, obwohl der Grieche Zeidler mit einem Blitzstart überraschte „Das Rennen war sehr lange durch den Gegenwind und es war anders als die letzten Rennen, die ich bestritten habe. Ich musste erst aufholen und dann die Führung verteidigen. Der Grieche ist auf jeden Fall ein starker Gegner, das hat er auch heute bewiesen und ist sehr schnell losgefahren“, sagte Zeidler nach seinem Sieg, richtete den Blick aber schon wieder nach vorne. „Die EM ist in diesem Jahr eine Zwischenstation, ich bereite mich auf Paris vor und bis dahin muss ich auch noch ein paar Schritte machen. Eine olympische Medaille ist das Einzige, was in meiner Kollektion noch fehlt.“

Silberfahrt von Alexandra Föster

Im Frauen-Einer holte Alexandra Föster (RC Meschede) zum zweiten Mal eine EM-Medaille. Nach Bronze 2022 in München wurde es in Szeged Silber. Überraschend klar gewann die Serbin Jovana Arsic in Abwesenheit der Niederländerin Karolien Florjin den Titel. Dritte wurde die Tschechin Alice Prokesova. Föster erwischte eigentlich einen ordentlichen Start und war nach 500 Metern auf Rang drei, aber Arsic war auf der Bahn 1 neben ihr schon weit enteilt. Maximal lagen satte 45 Meter zwischen Arsic und Föster, die sich bei 550 Metern auf Rang zwei gesetzt hatte. Im Finale des Rennens kam die DRV-Skullerin war noch einmal heran, aber spannend in Sachen Gold wurde es nicht mehr. „Ich freue mich natürlich sehr über Silber, aber ich ärgere mich, dass ich hinter der Serbin geblieben bin. Mit den schwierigen Bedingungen ist sie heute einfach besser klargekommen als ich“, sagte Föster.

Bier/Umbach verblüffen sich mit Silber selbst

Vier Boote am Start, zum dritten Mal Silber – der PR2 Mixed-Doppelzweier mit Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg, RC Nürtingen) machte das Para-Glück im deutschen Nationalteam bei dieser EM perfekt. Auf der letzten Teilstrecke überschlugen sich die Ereignisse hinter dem klar vorausfahrenden Europameister Großbritannien. Während andere Boote dem Gegenwind Tribut zollen mussten und einbrachen, zogen Bier und Umbach selbst auf der schlechtesten Bahn ihre Marschroute durch und dekorierten sich zur eigenen Verblüffung mit EM-Silber. „Das war sehr überraschend wir sitzen erst seit Januar zusammen im Boot. Wir wollten nicht Letzter werden. Das es nun Silber wurde, ist unbeschreiblich“, sagte Paul Umbach.

Bronze für Weber/Gelsen

Der Aufschwung des Männer-Doppelzweiers führte bei der Europameisterschaft zu einer Medaille – der ersten seit acht Jahren für den DRV in dieser Bootsklasse. Nach Siegen im Vorlauf und im Halbfinale holten Jonas Gelsen und Marc Weber (RC Nassovia Höchst, RuS Steinmühle Marburg) im A-Finale Bronze. Dieses Mal glückte es den beiden Hessen nicht, nach einem verhaltenen Start im Verlauf des Rennens noch ganz nach vorne zu fahren. Rumänien hatte sich nach 500 Metern schon klar vom Feld abgesetzt und lieferte ein überzeugendes Rennen. Dahinter sah es im Boot-an-Boot-Duell mit Spanien lange nach Silber für Gelsen/Weber aus, doch mit einem starken Endspurt (bis zu 47 Schläge) verwiesen die Spanier das DRV-Boot noch auf Rang drei. „Wir sind gespalten. Eine Medaille für uns, das hätte vor einem Jahr noch keiner gedacht, auch wir selbst vielleicht nicht. Mit dem Rennen sind wir nicht zufrieden. Wir haben nicht so zusammengefunden wie sonst und sind nicht so gut gerudert“, sagte Marc Weber.

Deutschland-Achter meldet sich mit Silber zurück

Es war eine Leistung, die positiv in die nächsten Wochen schauen lässt: EM-Silber holte der Deutschland-Achter am Samstag nach einer guten Fahrt im Finale und hielt zudem den Rückstand auf den großen Favoriten Großbritannien, der sich den nächsten Titel holte, mit 2,33 Sekunden so knapp wie schon länger nicht mehr. Nur in der Startphase des Rennens lagen die Rumänen auf Platz zwei vor dem deutschen Flaggschiff auf, das jedoch schon kurz nach der 500-Meter-Marke an ihnen vorbeizog. Bei 1500 Metern war der DRV-Achter sogar bis auf eine halbe Sekunde an den führenden Briten dran, doch dann gingen im vollen Wind auf Bahn 1 die Körner aus und die auf der anderen Seite mit viel weniger Wind fahrenden Rumänen kamen noch einmal auf – jedoch nicht vorbei.

Das war die Leistung, die ich sehen wollte, und von der ich wusste, dass sie die auch bringen können“, sagte Bundestrainerin Sabine Tschäge erleichtert. „Das müssen wir allerdings stabilisieren. Jetzt können mal wir drei Tage Luft holen, dann müssen wir die Zeit bis zum Weltcup in Luzern nutzen. Dort werden wir gegen die wahrscheinlich komplette Weltspitze sehen, wie unsere Perspektiven für Paris sind.“

Das Bahnverteilungsrennen hat uns wachgerüttelt und uns gezeigt, in welchen Punkten wir hart zu uns selbst sein müssen“, sagte Schlagmann Hannes Ocik. „Der Gegenwind hat es auch nötig gemacht, dass wir noch einmal einen Schritt aufeinander zugehen. Die schwierige Außenbahn hat uns meines Erachtens sogar gutgetan, weil wir unser Ding machen konnten. Ich bin sehr zufrieden, wie wir uns in den drei Tagen entwickelt haben. Das macht erst mal Bock, nächste Woche wieder ins Training zu gehen und dann für Luzern.“  

Frauen-Doppelvierer bügelt Start noch aus

Der Frauen-Doppelvierer steckte nach einem missglückten Start nicht auf und holte sich in einem turbulenten Finale mit vielen Positionsverschiebungen die Bronze-Medaille. Maren Völz, Lisa Gutfleisch, Leonie Menzel und Pia Greiten (RC Potsdam, Heidelberger RK, RC Germania Düsseldorf, Osnabrücker RV) waren glücklich, dass sie noch den Sprung aufs Treppchen geschafft hatten. Von Rang sechs nach den ersten 500 Metern arbeitete sich das DRV-Quartett stetig nach vorne. Kurz nach der 1500-Meter-Marke gelang vorbei an der Schweiz der Sprung auf Platz drei. Am Ende gab es ein Foto-Finish, denn auf der Außenbahn war Frankreich noch auf 14 Hundertstelsekunden an die Deutschen herangekommen, die jedoch ihren dritten Rang vom Weltcup in Varese wiederholen konnten. EM-Gold holte Weltmeister Großbritannien, der die in Varese siegreichen Ukraine noch abfing. „Wir hatten uns vorgenommen, beim Start an Großbritannien dranzubleiben. Das ist uns heute nicht gelungen. Der Weltmeister ist aber der Maßstab, wenn wir in Paris eine Medaille holen wollen. Umso besser, dass wir weiter an uns geglaubt haben und um jeden Platz gekämpft haben und wirklich noch die Medaille aus dem See gefischt haben“, sagte Pia Greiten.

Manuela Diening in großer Form

Para-Ruderin Manuela Diening (RV Münster) sorgte am Samstag für die erste DRV-Medaille bei diesen Europameisterschaften. Im PR1-Einer der Frauen holte sie hinter der Norwegerin Birgit Skarstein, der sie im Ziel nur eine Bootslänge Vorsprung ließ, zum zweiten Mal nach 2022 in München eine EM-Silbermedaille. Ihre gute Verfassung hatte die 32-Jährige bereits im Bahnverteilungsrennen gezeigt, als sie den zweiten Platz belegt hatte und sogar erstmals vor der Para-Ikone Skarstein ins Ziel gekommen war. Im Finale war Skarstein jedoch wieder gewohnt unantastbar und ließ sich vom Blitzstart der später nur viertplatzierten Israelin Moran Samuel nicht beeindrucken. Diening ließ es am Anfang erneut langsam angehen und lag nach den ersten 500 Metern auf dem sechsten und letzten Rang. Kurz nach der 1000-Meter-Marke hatte sie sich aber schon auf den Bronze-Rang vorgearbeitet und attackierte bei 1500 Metern auch die nun führende Skarstein. Weiter ging es nicht nach vorne, aber Dienings Einstieg in die paralympische Saison war dennoch äußerst vielversprechend. „Das war ein typischer Rennverlauf von mir. Jeder weiß, dass der Start absolut nicht mein Ding ist. Ich werde das irgendwann nach der EM üben“, versprach Diening schmunzelnd

Krumbein/Helmich trotzen den Umständen

Der PR3 Mixed-Zweier holte am Samstag überraschend ebenfalls Silber. Die angeschlagene Hermine Krumbein und Jan Helmich (RK Normannia Braunschweig, RC Hansa Dortmund) hatten im Vier-Boote-Feld die dem Wind ausgesetzteste Bahn. Auf dem zweiten 1000 Metern zeigten sie aber viel Biss und arbeiteten sich von Platz vier nach vorne, überholten Frankreich und die Ukraine. Im Ziel war nur Großbritannien vor dem deutschen Boot. „Wir hatten gar nichts von diesem Rennen erwartet, weil bis gestern Abend noch gar nicht feststand, ob wir starten können. Umso schöner ist dieses Ergebnis“, freute sich Jan Helmich. „Ich habe in den letzten Tagen mehr geschlafen als ich wach war, um heute so fit wie möglich zu starten“, sagte Hermine Krumbein.

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