ROLLING TIGERS AN DER TABELLENSPITZE

Rollstuhlbasketballer suchen Verstärkung

Den Korb fest im Visier hat Arten Fibisch vom RSV Bergheim. Gegen Dortmund war er der Topscorer. Foto: Moers

BERGHEIM. Andrej Samorjadov und Arten Fibich könnten schon aufgrund ihrer Körperlänge in jeder anderen Basketballmannschaft spielen. Sie haben sich für Rollstuhlbasketball entschieden. Die beiden jungen Sportler sind die sogenannten „Fußgänger“ im Team der „Rolling Tigers“ des RSC Bergheim. Der Rollstuhl ist ihr Sportgerät. Ihre Teamkollegen sind dagegen auch sonst auf den Rollstuhl angewiesen. Der Sport gibt ihnen Lebensfreude und einen Ausgleich zum oft beschwerlichen Alltag.

Der 24-jährige Arten Fibich kam vor rund zehn Jahren zum Rollstuhlsportclub Bergheim und ist mit einer kleinen Pause dabei geblieben. „Zuerst bin ich mit der Mannschaft mitgefahren und habe geholfen, Rollstühle zu reparieren. Dann habe ich selbst versucht, Basketball zu spielen“, erzählt er nach dem Schlusspfiff. Das Heimspiel gegen die zweite Mannschaft der RBG Dortmund in der Sporthalle an der Herberger Straße in Quadrath-Ichendorf haben die „Rolling Tigers“ mit 70:36 klar gewonnen und führen damit die Tabelle in der Oberliga West an. Samorjadov und Fibich waren die Topscorer.

Die Gastgeber mussten allerdings mit den Kräften haushalten. Sie konnten nur mit sechs Spielern antreten, hatten also im Gegensatz zum Gegner kaum Gelegenheit zu wechseln. Als Kapitän Afzal Mirza dann im Schlussviertel mit dem fünften Foul vom Feld musste, war das Spielerkontingent ausgeschöpft. Der erst 17-jährige Gabriel Carvalhu nutzte bei seinem ersten Einsatz in der neuen Saison die Chance und lieferte ein gutes Spiel ab. Gestaltet wurde das Spiel der Bergheimer vor allem durch Peter Glehn, der umsichtig und ruhig die Bälle verteilte und seine Mitspieler immer wieder in gute Schusspositionen brachte. Der ehemalige Jockey fand nach einem Reitunfall zum Rollstuhlbasketball und ist mittlerweile seit 14 Jahren dabei. „Wir sind eine kleine Gruppe, die mit den Jahren zusammengewachsen ist. Es macht auf jeden Fall Spaß mitzuspielen“, meinte Glehn.

Das gute Miteinander ist auch für den Vorsitzenden des RSC Bergheim, Afzal Mirza, die Grundlage für den Erfolg. „Wir haben gut trainiert, haben aber zu wenig Leute, weil immer wieder Spieler ausfallen. Neue Mitglieder sind jedenzeit willkommen“, wirbt der Bergheimer. Nach der Renovierung der Sporthalle an der Ketteler Straße wird das Training jeweils montags und mittwochs von 18 bis 20 Uhr wieder dort durchgeführt. Interessenten, so der Vorsitzende, sollten einfach mal vorbei kommen. Auch Frauen sind angesprochen, Mixedmannschaften sind beim Rollstuhlsport normal. Der RSC Bergheim gehört mit 25 Mitgliedern, davon sind 16 aktiv, zu den kleinen Sportvereinen in der Stadt.

Der kleine Spielerkader forderte im zweiten Spiel des Tages dann auch seinen Tribut. Gegen den BSC Münsterland II gab es für die Bergheimer mit 44:72 eine deutliche Niederlage. Auch gegen Dortmund behielt die starke Truppe aus dem Münsterland mit 59:25 die Oberhand. Für die „RollingTigers“ geht es schon am Samstag weiter. In der Sporthalle am Bergischen Ring in Köln-Mülheim treffen sie auf den RBC Köln 99ers und die BSG Aachen.

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