NIEDERLAGE GEGEN DEN WELTMEISTER

Herren: Deutschland – Belgien 1:3 (0:2) \\ DHA

TOKIO. Die deutschen Herren haben am frühen Montagmorgen ihr zweites Vorrundenspiel gegen Weltmeister Belgien mit 1:3 verloren. Dabei verschlief das DHB-Team die Anfangsphase und musste dann über fast 53 Minuten einem frühen 0:2-Rückstand hinterherlaufen. Trotz mehr Ballbesitz und auch mehr Kreisszenen gelang es nicht, die in ihrem Viertel gut organisierten Belgier stark genug zu gefährden. Der Anschlusstreffer zum 1:3 durch Martin Häner fiel erst zehn Minuten vor dem Ende. Am Dienstag geht es für die Honamas nun gegen Großbritannien weiter (5.15 Uhr dt. Zeit.)

Bundestrainer Kais al Saadi: „Wir haben den Start mit Anlauf vermasselt und schenken da zwei Gegentore einfach so her. Dann haben wir das Szepter übernommen und kriegen aber mitten in unsere Drangphase, als jeder im Stadion sich gefragt hat, wann endlich unsere Treffer fallen, das unglückliche 0:3. Belgien hat ja kaum noch etwas für das Spiel getan, nur noch verwaltet. Und das ärgert mich am meisten, dass wir es nicht geschafft haben, denen es mal so aufs Brot zu schmieren, dass sie so ein Spiel dann auch verlieren. Wir werden uns jetzt aber nur zwei Stunden lang ärgern, dann geht die volle Konzentration auf Großbritannien, die hier das fitteste Team des Turniers sind. Wir müssen einfach akzeptieren, dass solche Vorrunden nie reibungslos verlaufen. Wir wussten schließlich, das wird hier bei Olympia kein einfacher Start-Ziel-Sieg!“

Mats Grambusch: „Es hat uns heute im belgischen Kreis an Erwachsenheit gefehlt, wir haben nicht konsequent genug durchgezogen, auch zu viel noch in guten Situationen verstoppt und abgeliefert. Es war eigentlich eine gute Leistung mit und auch gegen den Ball, wenn man mal von der Anfangsphase absieht, die wirkomplett verschlafen und die Tore viel zu einfach hergeben. Das ist aber jetzt definitiv kein Beinbruch. Es ist für uns bei Olympischen Spielen noch nie alles glatt gelaufen. Wir müssen jetzt nur die richtigen Lehren daraus ziehen!“

Martin Häner: „Wir spielen ein ganz schlechtes erstes Viertel und laufen dadurch nur hinterher. Da haben wir überhaupt keinen Druck gegen den Ball gemacht. Danach dominieren wir drei Viertel fast überwiegend, holen aber aus viel Ballbesitz und vielen Kreisszenen einfach zu wenig Ertrag.“

Timm Herzbruch: „Die Statistik von 24:10 Kreisszenen spricht für uns, aber wir haben am Ende zu wenig daraus gemacht. Uns hat klar die letzte Konsequenz im Kreis gefehlt und wir haben dort auch zu viele Bälle vertändelt. Weil wir nicht effizient genug sind, daraus genug Ecken und letztlich Tore zu kreieren, verlieren wir das Spiel.“

Belgien ging von Beginn an früh drauf und machte – mit dem Selbstvertrauen des 3:1-Siegs gegen die Niederlande im Rücken – Druck auf den deutschen Aufbau. Doch auch die Honamas schon früh mit eigenen Offensivaktionen. Thomas Briels hatte den ersten Torschuss der Partie, scheiterte aber an Alexander Stadler (5.). Doch in der gleichen Minute fiel das 1:0 für den Weltmeister, als Cedric Charlier mit der Rückhand an den langen Pfosten Flanke und die Kugel von Niklas Bosserhoffs Schläger unglücklich ins deutsche Tor sprang. Belgien weiter unwiderstehlich. Charlier drehte sich am Kreisrand um Benedikt Fürk und nagelte die Kugel hoch unter die Latte, unhaltbar für Stadler zum 0:2 (7.).

Kurz darauf ein guter Ball im Kreis von Herzbruch zu Fuchs, der direkt vorm belgischen Keeper aber die Kugel an seinen Fuß bekam (8.). Das DHB-Team brauchte ein bisschen, um sich von dem Doppelschlag zu erholen, kam dann aber wieder zu eigenen Aktionen am Kreis der Belgier, ohne noch richtig zu guten Abschlussaktionen zu kommen. Tobias Hauke sah in der 13. Minute Grün, weil er einen Freischlag schnell ausführte, der Pfiff aber gegen ihn war. In Unterzahl war das DHB-Team komplett im Ballbesitz und hatte sogar die einzige Chance der Phase durch Staib, dessen Rückhandschuss aber als Schlag mit der runden Seite abgepfiffen wurde.

Die Honamas auch zu Beginn des zweiten Viertels mit mehr Ballbesitz, setzte nun Belgien stärker unter Druck. Herzbruch dann mit guter Schusschance von halblinks, traf aber nur den Außenpfosten (19.). Belgien nahm dann einen Videobeweis und holte sich die erste Ecke (20.), die Alexander Stadler aber gegen Spezialist Alexander Henrickx sicher hielt. Nach einem Foul gegen Wellen auf dem Weg in den Kreis hätte es die erste Ecke geben müssen, aber Tomlinson ließ weiterspielen.

Die Deutschen jetzt mit guter Kontrolle, aber die Pässe in den Kreis ließen noch an der letzten Qualität vermissen. Kina sah auch Grün für ein Weiterspielen nach einem Pfiff (26.). Doch die Überzahl brachte keinen zählbaren Erfolg für die Honamas. Das zweite Viertel gehörte zwar den Deutschen, aber die letzten Aktionen, um eine wirklich gefährliche Torchance zu erarbeiten, waren fast immer noch zu unpräzise. Herzbruch hätte die erste Ecke ziehen können, blieb aber noch hängen. Das DHB-Team weiter mit deutlichem spielerischem Übergewicht.Herzbruch verpasste ganz knapp mit einem Stecher das Tor, als er eine harte Flanke von Windfeder gut verarbeitete (34.). Häner kassierte von Tomlinson einen unberechtigten Eckenpfiff, als der Neuseeländer im Ball Wegspielen unterstellte, doch Häner hatte den gar nicht berührt. Aus der Ecke resultierte eine Wiederholungsecke, die Hendrickx – auch wenn Stadler dran war – ins linke obere Eck setzte. Ärgerlich, weil die Ausgangsecke unberechtigt war.
Zwicker hatte die erste freie Torchance aus fünf Metern, traf den hoppelnden Ball mit der Rückhand aber nicht voll, so dass der Schuss über das Tor ging (38.). Ein Schuss von Grambusch wurde von seinem Vereinskollegen Vincent Vanash im belgischen Tor stark pariert (40.). Erneut war das DHB-Team mit mehr Ballbesitz vorn am Kreis dran, aber die Abschlussaktionen waren nicht gut genug. Florian Fuchs traf einen Rückhandschlag aus guter Position nur mit der falschen Seite (42.). Große sah dann Gelb (48.), als ein Belgier bei ihm auflief – eine extrem harte Entscheidung von Tomlinson.

In Unterzahl die Deutschen aber weiterhin mit guten eigenen Angriffen. Rühr prüfte Vanash mit einem harten Vorhandschuss (44.). Dann endlich die erste deutsche Ecke durch Martin Häner, die van Auvel für seinen bereits geschlagenen Keeper auf der Linie parieren konnte. Es ging ähnlich weiter. Fuchs scheiterte aus kurzer Distanz an Vanash und dann verpassten drei deutsche Angreifer einen Flankenball direkt vor dem belgischen Keeper (45.) – das hätte der Anschlusstreffer sein müssen!


Herzbruch wurde gefoult und es gab die zweite Ecke, gegen die Belgien den Videobeweis nahm, um das Foul gegen den Mülheimer zu widerlegen. Damit verloren sie allerdings das Anrufungsrecht. Die Ecke war zu ungefährlich. Doch die nächste folgte kurz darauf, die von Wellen frei am Pfosten nur zu einer Wiederholungsecke genutzt werden konnte. Aber die versenkte Martin Häner dann zum 1:3 (50.). Es gab kurz darauf Gelbe Karten gegen Bosserhoff und Kina, so dass mehr Raum auf dem Feld war.


Als Dohmen dann auch noch weiterspielte nach einem Pfiff gegen ihn, sah er Grün. Die Deutschen nun mit gutem Powerplay, aber weiterhin oft nicht mit der passenden letzten Aktion im Kreis. Ein Foul von Häner gab dann nochmal Ecke für Belgien 70 Sekunden vor dem Ende. Die hielt Stadler aber brillant. 15 Sekunden vor Ende nahm das DHB-Team dann noch einen Videobeweis für eine Ecke wegen
Behinderung, bekam aber kein Recht und verlor auch das Anrufungsrecht.

Tore:
0:1 Cedric Charlier (5.)
0:2 Cedric Charlier (7.)


——
0:3 Alexander Henrickx (KE, 35.)

1:3 Martin Häner (KE, 50.)

Strafecken:
GER 4 (1 Tor) / BEL 4 (1 Tor)

Schiedsrichter:

Coen van Bunge (NED) / David Tomlinson (NZL)