VfL SIEGT FULMINANT GEGEN LEMGO

VfL GM

GUMMERSBACH. Der VfL Gummersbach behält seine Pole Position im Kampf um den Klassenerhalt. In einem hochemotionalen und verrückten Spiel gewann der Bundesliga-Dino vor 3.623 Zuschauern in der SCHWALBE arena am 30. Spieltag der Handball-Bundesliga mit 25:19 (14:7) gegen den TBV Lemgo Lippe. Nach bravourösen ersten 40 Minuten erlaubte sich der VfL zwar eine Schwächephase und verpasste ein noch höheres Ergebnis, was aber die Leistung der Hausherren nicht schmälern soll, die nach dem Sieg von Bietigheim gegen Hannover am vergangenen Donnerstag erstmals deutlich unter Druck standen.

Die Partie erwischte einen fulminanten Auftakt. Von der ersten Minute an zeigte der VfL Biss und legte seine volle Energie in das Spiel. Direkt den ersten Angriff der Lemgoer fingen die Gummersbacher in der Abwehr ab. Marvin Sommer nutzte den Tempogegenstoß zum 1:0 für die Hausherren (2. Minute). Gleich auf Betriebstemperatur wurden die Oberbergischen von den eigenen Fans nach vorne gepeitscht, während die Defensive sicher stand und den TBV zu Fehlern zwang. Beim 4:2 durch Tobias Schröter in Minute acht schienen die Gummersbacher erstmals das Spielgeschehen unter Kontrolle zu nehmen, als ihnen ein erneuter Ballgewinn in der Abwehr gelang. Schon auf dem Weg nach vorne verlor Stanlislav Zhukov den Ball jedoch wieder. Beim erneuten Umschalten auf Rückzug prallte Alexander Becker in seinen Gegenspieler Isaias Guardiola und sah dafür die rote Karte (8. Minute). Davon zunächst verunsichert glich der TBV Lemgo zwei Minuten später zum 4:4 aus. Zudem verletzte sich im folgenden Angriff Fynn Herzig, der zunächst durch Pouya Norouzi ersetzt werden musste (10. Minute).

Auf der Platte ging es derweil mit hohem Tempo und zwei aggressiv aufspielenden Teams weiter. Insbesondere der VfL präsentierte sich richtig stark. Mit dem Rückhalt durch Keeper Carsten Lichtlein gewann die Heimmannschaft wieder die Oberhand. Hinten stabil und vorne mit Einsatz und Leidenschaft lautete das Rezept der Gummersbacher. Einen 4:0-Lauf finalisierte Florian Baumgärtner per Gewaltwurf in der 20. Minute zur 8:4-Führung für sein Team. Zwar schmolz der Spielstand in der 24. Minute noch einmal auf 9:7 an, der Teamspirit und der Willen der Mannschaft von Coach Torge Greve war jedoch weiter ungebrochen. Die bombenfeste Defensive ließ bis zur Halbzeitpause keinen Gegentreffer mehr zu, während Norouzi den Spielaufbau organisierte und sich Spieler aller Mannschaftsteile vorne in Szene setzten. Mit dem lautstarken Rückhalt der Zuschauer im Rücken spielten sich die Blau-Weißen regelrecht in einen Rausch und trafen fünf Mal in Folge. Mit dem letzten Treffer durch den wieder eingewechselten Fynn Herzig in der 30. Minute beendete der VfL seine sicherlich beste erste Halbzeit der aktuellen Spielzeit mit einem Sieben-Tore-Vorsprung (14:7).

Auch nach dem Wiederanpfiff konnte der Bundesliga-Dino den ersten Akzent setzen. In der 32. Minute erzielte Moritz Preuß das 15:7. Nach einer Doppelparade von Lichtlein setzte Schröter einen weiteren Treffer nach (16:7, 36. Minute). Die SCHWALBE arena stand Kopf, denn dem VfL gelang nun fast alles. Herzig besorgte den Hausherren in der 38. Minute gar die Zehn-Tore-Führung zum 17:7. Statt die Euphoriewelle weiter zu nutzen, ließen sich die Gummersbacher in den folgenden Minuten jedoch etwas ausbremsen. Nach einem 1:3-Lauf zog Greve beim Stand von 18:11 in der 44. Minute die Auszeit für den VfL. Per Siebenmeter markierte Sommer zwar im Anschluss seinen sechsten Treffer des Tages (19:11, 45. Minute), dennoch agierten die Blau-Weißen nun in Abwehr und Angriff etwas verhaltener als noch zuvor. Insbesondere Piotr Wyszomirski im Tor der Lemgoer spielte nun immer stärker auf und stellte die Gummersbacher Offensive vor Probleme. Zu viele Fehlwürfe in Folge ermöglichten es dem TBV in der 48. Minute nun ihrerseits per Siebenmeter wieder auf fünf Tore zu verkürzen (19:14).

Nach der spielerisch brillanten Vorstellung der ersten 40 Minuten war in der Schlussphase der Kampfgeist der Blau-Weißen gefragt, um die Partie nicht doch unnötig weiter aus der Hand zu geben. Preuß traf nach einem sehenswerten Angriff in Minute 51 zum 20:15, Norouzi eine Minute später zum 21:16. Der TBV Lemgo Lippe ließ sich jedoch nicht mehr abschütteln und antwortete prompt mit einem gut ausgespielten Kempator durch Patrick Zieker (21:17, 53. Minute). Dennoch präsentierten sich die Hausherren gefestigt genug, um sich den Lemgoern weiter entgegenzusetzen. Norouzi und erneut Sommer, der schön freigespielt wurde, waren diejenigen, die die Fünf-Tore-Führung wiederherstellten (23:18, 55. Minute). Dem VfL war damit in den Schlussminuten der insgesamt hochverdiente Heimsieg nicht mehr aus der Hand zu nehmen. Den letzten Treffer konnte Norouzi für die Gummersbacher verbuchen, der den Ball aus der Ferne zum 25:19-Endstand ins Tor zimmerte.

Mit dem Heimsieg über den TBV Lemgo Lippe und vor allem der Art und Weise bewies der VfL genau zum richtigen Zeitpunkt Nervenstärke, nachdem die Bietigheimer zuvor erfolgreich vorgelegt und die Blau-Weißen in eine enorme Drucksituation gebracht hatten. Vor allem die demonstrierte mentale Stärke sollten die Gummersbacher in die kommenden Partien mitnehmen. Bereits am Dienstag ist der VfL beim Auswärtsspiel in Hannover wieder gefordert.

Trainerstimmen:

Torge Greve (VfL Gummersbach): Ich sehe es so, dass bei 9:7 fast schon der Vorentscheid gefallen war in der ersten Halbzeit, daher möchte ich mehr auf die zweite Halbzeit eingehen. Wir merken immer wieder, dass unsere Mannschaft noch etwas unerfahren ist, aber wir haben mit Herzblut und Leidenschaft gespielt und auch gekämpft, was uns sonst nicht immer gelungen ist. Wir konnten durch die 5:1-Deckung mehr Unruhe ins Spiel von Lemgo bringen und konnten das dann für uns nutzen, um am Ende die zwei Punkte in Gummersbach zu halten. Wir haben heute mit diesem Ergebnis einfach ein Lebenszeichen gesendet und gezeigt, dass wir immer noch da sind. Der Sieg heute war ein ganz wichtiger Schritt und wir können uns jetzt dann auf das nächste Spiel konzentrieren und in Hannover hoffentlich genauso aufspielen wie heute hier zu Hause.

Florian Kehrmann (TBV Lemgo Lippe): Herzlichen Glückwunsch an den VfL und Torge an die leidenschaftliche Abstiegskampfleistung. Wir haben uns darauf vorbereitet, dass wir heute mächtig einstecken müssen. Bis zum 9:7 in der 24. Minute waren wir auch im Spiel und haben es geschafft mit einer soliden Abwehrleistung und gutem Angriff zu spielen, aber dann sind wir durch zwei dumme Aktionen auseinandergebrochen. Wir haben dann in der zweiten Halbzeit versucht mit einer 5:1-Deckung den VfL in Bedrängnis zu bringen, das hat auch erst ganz gut geklappt, aber da lagen wir dann schon mit zehn Toren hinten. Dazu kommt, dass die Gummersbacher hier und da dann auch noch Wurfglück und Abpraller hatten. Das war dann am Ende ausschlaggebend. Wir müssen uns jetzt wieder sammeln, um für das nächste Spiel mit unseren jungen Leuten wieder anzugreifen.