BRONZE ZUM WM-AUFTAKT

Foto: Anja Wicker (c) Gisle Johnsen / IPC

LILLEHAMMER. (NOR) (BS) Anja Wicker überrascht sich am ersten Tag der Weltmeisterschaften im norwegischen Lillehammer selbst und wird Dritte im Langlauf über 7,5 Kilometer. Auch die Leistungen der anderen deutschen Starterinnen und Starter stimmen den Bundestrainer Ralf Rombach zufrieden.

Anja Wicker meinte, sich verhört zu haben. Aber nein – was ihr da von außerhalb der Strecke vom Bundestrainer und anderen Angehörigen des Nordic Paraski Teams Deutschland zugerufen wurde, stimmte. Sie war auf Medaillenkurs, lieferte sich im ersten Rennen der coronabedingt um ein Jahr verschobenen Para Schneesport-WM 2021 von Anfang bis Ende einen packenden Zweikampf um Bronze in der sitzenden Konkurrenz mit der Norwegerin Birgit Skarstein.

Für die 30-Jährige vom MTV Stuttgart kam das deshalb überraschend, weil sie als ausgewiesene Biathlon-Spezialistin nicht mit einer Langlauf-Medaille gerechnet hatte. „Ich bin fassungslos“, sagte Wicker mit gewinnendem Lächeln im Ziel. „Mein Material war gut, meine Arme waren gut und ich habe auch die technisch schwierigen Passagen gut hingekriegt. Das gibt mir ein gutes Gefühl, das motiviert mich brutal.“

Der von außen engagiert anfeuernde Bundestrainer staunte und freute sich mit. „Es war von Vorteil, dass Birgit immer vorgelegt hat. Andere haben gegen Ende des Rennens hin nachgelassen, Anja hat ihr Tempo gehalten“, resümierte er. Das ist bemerkenswert, war es für Wicker doch der erste Wettkampf in diesem Winter. Im Ziel blieb ihre Zeit bei 28:37,4 Minuten stehen, rund 15 Sekunden vor Skarstein. Gold ging an Kendall Gretsch (USA, 26:57.6 Minuten), Silber an Valiantsina Shyts (Belarus, 27:47.0 Minuten).

Die 17-jährige Merle Menje (StTV Singen) kam in 30:42.1 Minuten auf Rang neun, ebenso wie die andere Debütantin Linn Kazmaier (SZ Römerstein) mit ihrem Guide Florian Baumann im Klassikrennen bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigung über zehn Kilometer. „Total zufrieden“ war Bundestrainer Rombach mit den Leistungen der Nachwuchsathletinnen, die erst 15-jährige Linn Kazmaier war es auch. „Es war sehr hart, aber wir sind gut durchgekommen.“ Ihr Guide bestätigte das: „Dass sie mit ihren 15 Jahren bei ihrem WM-Debüt gar nicht so weit weg ist von der Weltspitze, spricht für sich. Die Renneinteilung war gut. Linn hat sich durchgebissen und das Tempo bis zum Schluss gehalten“, sagte Florian Baumann.

Der einzige männliche deutsche Starter, Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg), kam in der sitzenden Klasse beim Sieg von Ivan Golubkov (Russian Paralympic Committee, 31:22.7 Minuten) in 34:35.5 Minuten auf Rang zehn. Auch für den 32-Jährigen war es der erste Wettkampf des Winters. „Als Einstieg war das ganz gut. Ich bin aggressiv reingestartet und habe das am Ende etwas gebüßt. Aber jetzt bin ich drin und weiß, wo ich stehe.“ Am Samstag geht es in Lillehammer mit dem Biathlon-Sprint weiter. 

Weitere Informationen stehen auf www.nordski.de und www.paralympic.org/nordic-skiing.