DANG QUI GEWINNT IN LIMA DAS DEUTSCHE FINALE GEGEN DIMITRIJ OVTCHAROV

WTT: Lima Contender und Zagreb Contender + + +  Nina Mittelham holt ersten Titel auf Weltebene + + +

Qiu und Mittelham triumphieren in Lima im Einzel (c) WTT

LIMA – PERU. (MS) Der WTT Lima Contender in Peru war am Finaltag fest in deutscher Hand. Nina Mittelham und Dang Qiu sicherten sich in ebenso umkämpften wie hochklassigen Einzel-Endspielen jeweils ihre zweite Goldmedaille, nachdem die Europameister gestern gemeinsam bereits den Titel im Mixed erobert hatten. Dang Qiu gewann hauchdünn mit 11:8 im Entscheidungssatz das deutsche Duell gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtvcharov, der nach langer Verletzung ein überaus eindrucksvolles Turnier-Comeback feierte, Nina Mittelham setzte sich gegen die Japanerin Miyu Nagasaki mit 4:3 durch. Damit nicht genug der deutschen Erfolge an diesem Wochenende: Beim parallel stattfindenden WTT Zagreb Contender in Kroatien hatte es eine Silbermedaille im Doppel für das Duo Shan Xiaona/Sabine Winter gegeben, im Einzel hatten Patrick Franziska, Han Ying und Shan Xiaona Bronze gewonnen. 

Duell Qiu gegen Ovtcharov geriet zum Wechselbad der Gefühle 

Zweieinhalb Jahre nach seinem Erfolg bei den Portugal Open feierte Dang Qiu in Lima seinen zweiten Einzeltriumph auf der internationalen Bühne. Der 25 Jahre alte Düsseldorfer besiegte in einem begeisternden Finale seinen acht Jahre älteren und in der nächsten Saison für Neu-Ulm spielenden Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov mit 6:11, 8:11, 13:11, 11:6, 11:7, 11:13 und 11:8. Es war ein Match, in dem beide Spieler durch ein Wechselbad der Gefühle mussten. Zunächst Ovtcharov, der drei Sätze in Richtung Turniersieg zu marschieren schien, im dritten Durchgang aber drei Satzbälle zur 3:0-Führung ungenutzt ließ. Anschließend dann Dang Qiu, der das Blatt bis zur 3:2-Führung zu seinen Gunsten wenden konnte, aber in Durchgang sechs nach aufgeholtem 5:10-Rückstand die nächsten beiden Punkte nicht machen und doch noch den 3:3-Ausgleich hinnehmen musste.  

Wirklich beeindrucken ließ sich der spätere Champion vom Satzausgleich aber nicht. Qiu erwischte im Entscheidungssatz einen Blitzstart zum 5:1 und fortan lief Ovtcharov einem Rückstand hinterher. Die Vorentscheidung fiel bei 8:7, als der World-Cup-Sieger mit der Vorhand aus aussichtsreicher Position einen leichten Fehler produzierte und den Ausgleich verpasste, kurz darauf verwandelte Dang Qiu seinen zweiten Matchball zum 11:8. 

Dang Qiu sagte nach seinem Titelgewinn: „Ich freue mich natürlich, dass mir nun nach zweiten Plätzen in Doha und Tunis mein erster WTT-Turniersieg gelungen ist. Es war allerdings ein sehr enges, ein sehr schweres Finale. Hätte Dima auch den dritten Satz gewonnen, dann wäre es unglaublich schwer geworden. Er hat hier in Lima ein wirklich tolles Comeback gefeiert.“ Mit den zusätzlich gewonnenen 400 Weltranglistenpunkten wird sich der in der jüngeren Vergangenheit rasend schnell in die Spitze katapultierte und derzeit auf Rang 14 in der Welt notierte Dang Qiu bei der nächsten Veröffentlichung des ITTF-Rankings am Dienstag weiter in Richtung der Top Ten bewegen. Auch wenn er eine gute Platzierung erfreulich findet, Dang Qiu betrachtet das Zahlenwerk seit jeher von der nüchternen Seite: „Die Weltranglistenposition allein gewinnt ja keine Spiele, das muss man schon selbst machen.“ 

Ovtcharov: „Mein Vater hat mich zum Start in Lima überredet“ 

Trotz des verlorenen Endspiels hat Dimitrij Ovtcharov nach acht Monaten Verletzungspause mit einer Fußoperation und zwischenzeitlichen Rückschlägen beim Wiedereinstieg in den Trainingsprozess bei seiner ersten Turnierteilnahme seit fast zehn Monaten mit dem Einzug in das Finale die eigenen Erwartungen an sein Comeback bei weitem übertroffen. Dabei hatte Ovtcharov zunächst den WTT Contender in Lima gar nicht auf seiner Agenda und gesteht: „Mein Vater hat mich zum Start in Lima überredet, denn ich hätte überhaupt nicht gedacht, dass ich nach sieben Monaten teilweise ganz ohne Sport und nur wenigen Wochen Training schon konkurrenzfähig bin. Umso überraschter bin ich von dem Ergebnis, das ich hier schon spielen konnte.“ Das ihn trotz zuvor geringer Erwartungen das hauchdünn verlorene Finale auch ein wenig wurmte, ist angesichts des Spielverlaufs verständlich: „Am Ende war natürlich die Niederlage im Finale etwas schade. Bei 2:0 und 10:8 habe ich für meine Verhältnisse nicht abgeklärt genug gespielt. Wenn ich 3:0 führe, dann glaube ich, dass ich das Spiel auch nach Hause bringen kann. Aber ich freue mich auf jeden Fall sehr für Dang, der ein guter Freund von mir ist und der akribisch und sehr hart an sich arbeitet. Er wird besser und besser, was sehr gut für das deutsche Tischtennis und die weitere Entwicklung unserer Nationalmannschaft ist.“ 

Die Freude und Erleichterung des 33-Jährigen über die schon vorhandene Leistungsfähigkeit konnte auch das verlorene Finale nicht schmälern: „Ich bin zu 110 Prozent happy und daran ändert auch die Niederlage nichts. Ich freue mich einfach total, dass ich wieder bei einem Turnier dabei sein konnte, nachdem ich so lange raus war. Mein Fuß hat top gehalten, ich habe mich von Runde zu Runde gesteigert und nehme ganz viel von diesem Turnier mit. Es gab viele knappe und emotionale Momente, die mir in den nächsten Wochen helfen werden. Das alles gibt mir Zuversicht, denn im Moment bin ich wirklich noch weit weg von meiner normalen Form, es stimmen viele Sachen noch nicht so gut. Wenn man dann bedenkt, dass ich gegen Dang nur 3:4 verloren und vorher Källberg, Gauzy, Chen Chien-An und Monteiro besiegt habe, dann macht mich das total happy. Das Ergebnis in Lima war schon sehr gut: Aber wenn ich mein Spiel noch etwas stabilisiere und verbessere, was nicht so schwer sein sollte, dann werden die Resultate auch bald schon wieder noch besser werden.“ 

Erster Titel auf Weltebene für Nina Mittelham 

Es war einer der speziellen Momente, in denen auch die ansonsten eher zurückhaltend ihre Siege zelebrierende Nina Mittelham die Faust in die Luft reckte. Mit einem 11:9, 11:9, 7:11, 11:6, 9:11, 10:12 und 11:7-Erfolg über die 20-jährige Miyu Nagasaki sicherte sich die fünf Jahre ältere Weltranglisten-16. ihren ersten Titel auf Weltebene. In Europa ist Mittelham bereits reich dekoriert: Im vergangenen Jahr gelang ihr beim European Top 16 in Thessaloniki der ersten große kontinentalen Einzeltriumph, Europameister-Titel im Mixed, Doppel und Mannschaft sammelte sie ebenfalls bereits. 

Nach starkem Start und einer 3:1-Satzführung fehlten Nina Mittelham beim Stand von 9:9 im fünften Satz gegen die Japanerin nur zwei Punktgewinne zu einem 4:1-Erfolg, doch ein knapp ins Aus geflogener langer Aufschlag und ein Fehler mit der ansonsten im Finale oftmals gewinnbringenden Rückhand machten die Partie wieder offen. Denn Nagasaki, die Jugend-Weltmeisterin im Einzel und Doppel von 2019, erkämpfte sich auch Durchgang sechs in der Verlängerung. Im Entscheidungssatz allerdings ließ die dreimalige Deutsche Meisterin keinen Zweifel an ihrer heutigen Überlegenheit und ging schnell mit 5:0 in Führung. Nagasaki arbeitete sich zwar noch einmal auf 4:6 heran, doch nach der anschließenden Auszeit von Coach Zhu Xiaoyong zog die Berlinerin erneut in unwiderstehlicher Manier davon und sicherte sich mit 11:7 ihren ersten WTT-Titel und den zweiten in Lima. Bereits gestern hatte sie zusammen mit Dang Qiu auch im Mixed-Wettbewerb Gold gewonnen. 

Nina Mittelham freut sich auf den Urlaub 

Mittelham, die auf dem Weg ins Finale unter anderem auch European-Games-Gewinnerin Fu Yu (Portugal) ohne Satzverlust ausgeschaltet hatte, freute sich nach ihrem starken Auftritt: „Ich bin einfach total happy über meinen ersten internationalen Einzel-Titel. Ich habe mich heute gegenüber den Vortagen noch einmal steigern können und wirklich sehr gut gespielt – es war von beiden Seiten ein Finale auf sehr hohem Niveau.“ Mittelham sah ihre schnelle Führung im Finale als bedeutsam an: „Für meinen Kopf war es wichtig, dass ich ihr den ersten Satz, in dem sie lange führte, noch geklaut habe. Danach hatte ich das Gefühl, das Match weitgehend zu kontrollieren, auch wenn ich mir jeden Punkt immer schwer erarbeiten musste. Bei 3:1 und 9:9, als ich einen Fehlaufschlag produzierte, bin ich noch einmal etwas nervös geworden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich realisiert, dass ich das Spiel gewinnen kann. Hier haben mir die Ratschläge meines Coaches Zhu Xiaoyong gut geholfen. Jetzt fliege ich erst einmal nach Deutschland und dann geht es irgendwann für ein paar Tage mit meinem Freund ab in den Urlaub.“ 

Mögliche Neuauflage des Endspiels von Lima bei der DM in Saarbrücken  

Nach dem Turnier-Comeback von Lima hat Dimitrij Ovtcharov auch seinen Start am kommenden Wochenende bei den 90. Meisterschaften der Damen und Herren in Saarbrücken eingeplant. Dort könnte es am Finaltag erneut zu einem Duell zwischen Ovtcharov und Dang Qiu kommen. Die Nummern neun und 14 der Welt sind an den Positionen eins und zwei gesetzt. Übrigens: Wer noch Karten für die DM in der Hermann-Neuberger Sportschule bestellen will, der sollte sich beeilen: Tickets gibt es auf der offiziellen Seite der Deutschen Meisterschaften unter  www.tt-dm.de.

Links 

Lima Contender  

Herren-Einzel, Finale
Dang Qiu – Dimitrij Ovtcharov 4:3 (-6,-8,11,6,7,-11,8)
Damen-Einzel, Finale
Nina Mittelham – Miyu Nagasaki JPN 4:3 (9,9,-7,6,-9,-10,7)
Damen-Doppel, Finale
Asuka Sasao/Sakura Mori JPN – Huang Yu-Wen/Cheng Hsien-Tzu TPE 3:1 (6,-7,5,4)
Herren-Doppel, Finale
Anton Källberg/Mattias Falck SWE – Gaston Alto/Horacio Cifuentes ARG 3:1 (7,3,-7,9) 

Zagreb Contender – Ergebnisse 

Damen-Doppel, Finale
Sabine Winter/Shan Xiaona – Mima Ito/Hina Hayata JPN 1:3 (-10,-3,8,-9)
Herren-Doppel, Finale
Jang Woojin/Cho Daesong KOR – Yukiya Uda/Shunsuke Togami JPN 3:0 (9,11,8)
Damen-Einzel, Finale
Mima Ito JPN – Miu Hirano JPN 4:2 (8.-4,4,7,-10,1)
Herren-Einzel, Finale
Lin Yun-Ju TPE – Xiang Peng CHN 4:0 (8,9,5,8) 


Das Aufgebot des DTTB beim Zagreb Contender (13. bis 19. Juni)
Herren-Einzel

Patrick Franziska, Ruwen Filus, Fanbo Meng, Ricardo Walther, Cedric Meissner, Tobias Hippler
Damen-Einzel
Han Ying, Shan Xiaona, Sabine Winter, Annett Kaufmann, Franziska Schreiner
Herren-Doppel
Fanbo Meng/Ricardo Walther
Damen-Doppel
Sabine Winter/Shan Xiaona
Mixed
Cedric Meissner/Franziska Schreiner

Das Aufgebot des DTTB beim Lima Contender (14. bis 19. Juni)
Herren-Einzel

Dimitrij Ovtcharov, Dang Qiu, Kilian Ort, Kay Stumper
Damen-Einzel
Nina Mittelham, Chantal Mantz, Yuan Wan
Herren-Doppel
Kilian Ort/Kay Stumper
Damen-Doppel
Chantal Mantz/Yuan Wan
Mixed
Dang Qiu/Nina Mittelham, Yuan Wan (mit Anton Källberg, Schweden) 

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