AUFTAKT IM EINZEL

Zwischen Frust und Freude - Boll souverän im Achtelfinale - Solja verliert erneut knapp

Timo Boll (c) DTTB

TOKIO. Timo Boll steht nach kurzen Startschwierigkeiten gegen Kirill Gerassimenko im Achtelfinale. Petrissa Solja konnte die bittere Niederlage im gestrigen Mixed hingen nicht verdauen und unterlag auch Mo Zhang aus Kanada im Entscheidungssatz.

Am Anfang habe ich etwas nach dem Touch gesucht“, sagte Timo Boll nach seinem 4:1-Auftaktsieg gegen Krill Gerassimenko. Gegen den 24-jährigen Kasachen verlor er Satz eins, fand dann aber zügig ins Spiel. „Gerassimenko hat gute Bälle getroffen. Es ist für einen gesetzten Spieler immer schwierig, das erste Spiel in der Haupthalle zu machen. Für Timo war es wichtig, dass er gut in den zweiten Satz gekommen ist“, analysierte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf. Satz zwei (11:7) und Satz drei (11:6) gewann der Odenwälder dann sicher und dabei auch viele der langen und spektakulären Ballwechsel. „Gegen so ein Topspin-Topspin-Monster auch in den langen Duellen mitzuhalten, gibt einem natürlich ein gutes Gefühl. Ich glaube, das hat ihn auch etwas gebrochen. Er hat ganz schön geschnauft, ich zwar auch, ich habe dann aber auch mehr einfache Punkte für mich entschieden“, so Boll. Deutlich wurde es dann in den Durchgängen vier und fünf, in denen Gerassimenko, der in Diensten vom SV Werder Bremen steht, insgesamt nur noch drei Punkte für sich entscheiden konnte. Roßkopf war mit dem Spiel seines Schützlings rundum zufrieden: „Er war dann im Spiel und hatte viel mehr Qualität im Aufschlag und im Rückschlag. Timo war sehr konzentriert, hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen nach dem 0:1. Bei Olympia verfällt man schnell mal in Hektik.“ Im Achtelfinale warten Jeoung Younsik aus Südkorea oder Panagiotis Gionis aus Griechenland auf den 40-Jährigen.

Das war schon fast etwas unmenschlich“

Es sind nicht die ersten Olympia-Tage von Petrissa Solja. Das bittere Aus im Mixed gestern steckte der Deutschen offensichtlich noch in den Knochen, auch wenn sie das für heute wegpacken wollte. „Die Niederlage von gestern ist nicht verdaut. Ich habe es versucht beiseite zu schieben, aber die Zeit war einfach viel zu kurz, um damit abzuschließen.“

Auch für Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp waren die außergewöhnlichen Umstände ein Grund für die Niederlage: „Das war eine schwierige Situation heute für sie, normal hätte ich ihre Chancen auf 55:45 geschätzt – heute war es andersrum. 24 Stunden nach dem Mixed wieder zu spielen ist fast schon etwas unmenschlich.“

Über die gesamte Spieldauer fand die Europameisterin gegen die Kanadierin Mo Zhang nicht richtig ins Spiel. Schnell lag sie 0:2-Sätze hinten und im dritten Satz bereits 1:6. Dann bewies sie Moral und kämpfte sich zurück in den Entscheidungssatz, der dann aber deutlich mit 11:3 verloren ging. „Bis zuletzt bin ich nicht richtig ins Spiel gekommen, habe zu viele leichte Fehler gemacht. Dann hatte sie wieder gute Phasen. Ich bin immer einem Rückstand hinterher gelaufen, das hat es noch schwieriger gemacht“, analysierte Solja nach dem Spiel. Auch die Umstellung vom Mixed auf das Einzel bereitete  ihr Probleme: „Sie sagt, sie hat das Spiel nicht gespürt. Sie hat nur Mixed gespielt und ihr fehlt das Gefühl, den Ball weiterzuspielen. Und dann kommt eine Gegnerin mit einem ungewöhnlichem System und sie hätte sowieso technisch sich umstellen müssen, so Schöpp

Han Ying und Dimitrij Ovtcharov am Dienstag im Einsatz / Boll auch

Han Ying trifft morgen auf Jian Fang Lay aus Australien, Dimitrij Ovtcharov auf Kirill Skachkov aus Russland. Timo Boll wird bereits morgen sein Achtelfinale bestreiten.

 

Einzel, 3. Runde (beste 32)

Herren
Timo Boll – Kirill Gerassimenko (KAZ) 4:1 (-7,6,7,2,1)
Dimitrij Ovtcharov – Kirill Skachkov RUS, Dienstag

Damen
Petrissa Solja – Mo Zhang (CAN) 3:4 (-7,-5,9,-6,6,8,-3)
Han Ying – Lay Fang Jian AUS, Dienstag

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