MANNSCHAFTS-WETTBEWERBE U19

63. Jugend-Europameisterschaften in Varadzin (18. Juli bis 2. August) + + + Mädchen auf Platz fünf, Jungen werden Siebter + + + Individual-Turnier ab Mittwoch

Foto: Sophia Klee www.flickr.com

FRANKFURT / VARAZDIN (CRO). Der U19-Mannschafts-Wettbewerb der 63. Jugend-Europameisterschaften in Varazdin (Kroatien) ist für die deutschen U19-Nationalmannschaften beendet. Die Auswahl der Jungen beendet das Turnier nach einer 1:3-Niederlage gegen Italien auf Position sieben. Das DTTB-Team der Mädchen hatte sich zuvor, ebenfalls gegen Italien, Rang fünf in den Platzierungsspielen gesichert. In den Endspielen am Mittwochabend kämpfen bei den Jungen Polen und Frankreich sowie bei den Mädchen Russland und Rumänien um die Goldmedaille. Morgen beginnen in Varazdin die ersten Runden der bis Samstag dauernden Individual-Konkurrenzen Einzel, Doppel und Mixed. Im Jungen-Einzel wird Kay Stumper an Position eins gesetzt sein. Die Europameisterschaften der Schüler und Schülerinnen (U15) werden vom 27. Juli bis 2. August an gleicher Stelle ausgetragen.

Deutschlands Mädchen-Auswahl beendet den Mannschafts-Wettbewerb auf Platz fünf, Seite an Seite mit Ungarn. Der Titelverteidiger von 2019 bezwang am Nachmittag Italien in der Platzierungsrunde der unterlegenen Viertelfinalisten mit 3:1, Ungarn setzte sich gegen Polen mit dem gleichen Ergebnis durch. Die Spiele der Gewinner um Position fünf und der Verlierer um Rang sieben werden nicht ausgetragen.

Pranjkovic wehrt sechs Matchbälle ab 

Für die Statistik: Gegen Italien, das auf seine Spitzenspielerin Laurenti verzichtete, gingen wie in den fünf deutschen Begegnungen zuvor Sophia Klee, Anastasia Bondareva und Naomi Pranjkovic an den Tisch. Kurioses Highlight der Partie war der Entscheidungssatz des Auftaktmatches zwischen Pranjkovic und Valentina Roncallo. Die Bayerin wehrte bei 4:10 sechs Matchbälle ab und verwandelte anschließend gleich ihren ersten zur deutschen 1:0-Führung.  

Ausrutscher am Vorrundentag kostete bessere Medaillenchance 

Deutschlands Mädchen, als Goldmedaillengewinner 2019 und an Position vier gesetzt angereist, spielten auch ohne Medaillengewinn keine schlechte EM. Das verlorene Medaillen-Match gegen den überlegenen Turnierfavoriten Russland, der sich erfolgreich für die Finalniederlage 2019 revanchierte und morgen gegen Rumänien nach Gold greift, muss das Team nicht weiter grämen. Es war vielmehr ein einzelner Ausrutscher am anstrengenden Marathon-Sonntag mit drei Mannschaftsspielen, der eine günstigere Weichenstellung für das Medaillenrennen verhinderte. Den Sieg in der Gruppe D vor Augen, der die Setzung an Position Vier im Hauptfeld bedeutet und damit ein frühes Aufeinandertreffen mit den Favoriten verhindert hätte, fiel Deutschland nach Erfolgen über Italien und Ungarn durch eine überraschende Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Polen noch von Rang eins auf drei zurück und rutschte so gerade noch auf direktem Wege in das Achtelfinale. Sophia Klee erwies sich mit ihrer Einschätzung unmittelbar nach dem Polen-Match ungewollt als Prophetin: „Es ist natürlich sehr, sehr ärgerlich, weil dadurch haben wir uns jetzt alles verspielt.“ Auch der erfahrene Trainer Jaroslav Kunz, der die Mädchen akribisch auf die EM vorbereitet hatte, ist sich sicher: „Das Spiel gegen Polen war ein Schlüsselspiel und natürlich für unseren weiteren EM-Verlauf enorm wichtig. Wenn wir gewinnen, spielen wir garantiert um eine bessere Platzierung. Das Match hat offengelegt, dass es unseren Spielern gegen Konkurrenz mit langen Noppen noch an Erfahrung fehlt.“ Interessanter Aspekt am Rande. Die Ausgeglichenheit der starken Vorrundengruppe D dokumentiert sich in der EM-Statistik: Die vier Teams finden sich gemeinsam auf den Plätzen fünf bis acht wieder. 

Jaroslav Kunz: „Eine Platzierung unter den ersten Acht ist auch ein Erfolg“ 

Zur ausgelassenen Chance gesellte sich auch noch das Lospech. Als bester Gruppendritter erreichte die DTTB-Auswahl zwar das Achtelfinale und zeigte gestern beim 3:1 über die starke Mannschaft der Ukraine eine gute Leistung, doch im Viertelfinale stellte sich mit Russland den Deutschen ausgerechnet die höchstmögliche Hürde auf dem Weg zu einer Medaille in den Weg. Für Jaros Kunz kein Beinbruch. Der Coach differenziert in seiner Bilanz die spielerischen Leistungen und das Ergebnis: „Natürlich hatten wir im Vorfeld gehofft, bei dieser EM eine Medaille mit dem Team gewinnen zu können, weil wir das Potential dazu haben. Nach langer Pandemiepause haben die drei Turniere im Vorfeld allerdings auch gezeigt, wie hoch die Qualität auch der anderen Nationen ist. Eine Platzierung unter den besten acht Teams, die wir jetzt mit Rang fünf erreicht haben, ist deshalb ebenfalls ein Erfolg.“ Der ehemalige EM-Zweite im Doppel verweist zudem auf die widrigen Umstände in den Monaten der Vorbereitung für zwei seiner Spielerinnen: „Hut ab für Sophie und Anastasia, die in diesem Jahr ihr Abitur gemacht haben und sich deshalb nicht optimal auf diese EM vorbereiten konnten. Hätten die beiden das ganze Jahr über den Kopf für Training und Tischtennis frei gehabt, hätte das ganz anders ausgesehen. Davon bin ich überzeugt. Insgesamt muss ich meinen Mädchen, auch Naomi, ein großes Kompliment machen. Sie haben noch nicht zu ihrer Bestform gefunden, aber hier bislang dank enormem Willen und toller Einstellung gute Leistungen gezeigt.“

Jungen ohne Stumper und Rinderer im letzten Mannschaftsspiel 

Bundestrainer Zhu Xiaoyong setzte im Spiel der Platzierungsrunde um die Positionen fünf bis acht gegen Italien seinen bis dahin erst einmal bezwungenen Spitzenspieler Kay Stumper auf die Bank. Dem Europe-Youth-Top-19-Gewinner verschaffte die Entscheidung des erfahrenen Coaches eine Verschnaufpause in dem anstrengenden siebentägigen Turnier, den weniger geforderten Teamkollegen Stumpers ermöglichte sie zusätzliche Wettkampfpraxis vor den morgen beginnenden Einzelkonkurrenzen. Zhu Xiaoyong erklärt seine Maßnahme: „Kay hatte vor einigen Wochen leichte Schulterprobleme, Daniel Rinderer zwickt es etwas im Nacken. Beide hätten spielen können, aber hinsichtlich der noch kommenden Belastung, war es besser, sie zu schonen und etwas vorsichtig zu sein. Außerdem ist es sinnvoll, dass die anderen auch Spielpraxis bekommen.“ 

Respektables Abschneiden der deutschen Jungen-Mannschaft 

Unabhängig vom siebten Rang waren die Leistungen des Teams bei dieser EM insgesamt mehr als respektabel. Angeführt von einem überragenden Stumper ging die DTTB-Auswahl mit einem zweiten Platz in der Gruppe C und dem Achtelfinalerfolg über das starke Belgien ihren Weg bis in die Runde der besten Acht, der erst vom Goldmedaillenkandidaten Polen gestoppt wurde. Dass es überhaupt zu diesem Viertelfinal-Duell kommen konnte, ist wohl der einzige wirkliche Wermutstropfen aus deutscher Sicht. Denn im entscheidenden Gruppenspiel gegen Frankreich, das am Mittwoch im Finale Polen herausfordert, verpasste Deutschland durch zwei vergebene Matchbälle den greifbar nahen Gruppensieg und damit eine bessere Auslosung. Andererseits verweist genau diese Situation auf die Achillesferse der aktuellen Mannschaft, in der Mike Hollo wegen einer Hüftoperation bei dieser EM nicht zur Verfügung stand. Gegen Europas Topteams ist sie von zwei Punktgewinnen ihres Spitzenspielers abhängig – und selbst wenn diese kommen, ist dies noch keine Garantie für einen Sieg. Zhu Xiaoyong hatte schon vor dem Turnier gesagt: „Unsere gute Setzung an Position drei verdanken wir den jüngsten Erfolgen von Kay Stumper, favorisiert sind aber andere Mannschaften. Realistisch sehe ich uns in diesem Jahr um die Plätze fünf bis acht spielen.“ 

Optimismus vor dem Individual-Turnier
Für das von Mittwoch bis Samstag dauernde Individual-Turnier ist Zhu Xiaoyong aber optimistisch: „Ich erwarte, dass wir mit voller Kraft und hundertprozentig konzentriert und fokussiert in den zweiten Teil der EM gehen. Wenn wir dort gute Leistungen zeigen, sind Ergebnisse weit im Vorderfeld möglich. Wir sind in der Lage, in allen drei Konkurrenzen um die Medaillen zu spielen.“ Auch der für den weiblichen Bereich verantwortliche Jaroslav Kunz hält Edelmetall für möglich: „Für das Einzelturnier erwarte und hoffe ich, dass sich alle Spielerinnen noch einmal steigern. Das Wichtigste ist, dass sie jetzt das Mannschafts-Turnier abhaken und den Kopf wieder frei bekommen. Wenn ihnen das gelingt und sie in den nächsten Tagen ihr bestes Tischtennis zeigen, vielleicht gibt es dann ja doch noch in dem einen oder anderen Wettbewerb eine Medaille. Es entscheidet im Einzel, Doppel und Mixed nur die Tagesform – unschlagbar ist hier so gut wie keiner.“ 

Dienstag, 20. Juli  

Viertelfinale Mädchen-Mannschaft
Deutschland – Russland 0:3

Sophia Klee – Elizabet Abraamian 0:3 (-9,-8,-9)
Anastasia Bondareva – Liubov Tentser 0:3 (-8,-7,-8)
Naomi Pranjkovic – Natalia Malinina 2:3 (7,-5,-2,9,-9)

Platzierungsspiele Mädchen, Positionen 5-8

Deutschland – Italien 3:1
Naomi Pranjkovic – Valentina Roncallo 3:2 (-9,6,-8,8,10)
Anastasia Bondareva – Arianna Barani 2:3 (13,1,-4,-8,-7)
Sophie Klee – Miriam Carnovale 3:0 (2,4,4)
Anastasia Bondareva – Valentina Roncallo 3:1 (4,-13,5,7)


Endstand
5. Platz: Deutschland und Ungarn

Viertelfinale Jungen-Mannschaft
Deutschland – Polen 0:3 

Kay Stumper – Maciej Kubik 2:3 (5,7,-9,-9,-10)
Hannes Hörmann – Samuel Kulczycki 1:3 (10,-8,-6,-7)
Daniel Rinderer – Milosz Redzimski 0:3 (-6,-9,-4)

Platzierungsspiele Jungen, Positionen 5-8
Deutschland – Italien 1:3
Heye Koepke – Tommasu Giovannetti 1:3 (-10,7,-6,-7)
Hannes Hörmann – Vallino Costassa 3:0 (14,9,8)
Tom Schweiger – Marco Cappuccio 2:3 (-5,13,-9,5,-10)
Hannes Hörmann – Tommasu Giovannetti 1:3 (8,-7,-5,-7)


Endstand
7. Platz: Deutschland und Schweden

Mittwoch, 21. Juli

ca. 9 Uhr bis 19 Uhr: Individualkorrenzen Einzel, Doppel, Mixed

Finale Mädchen-Mannschaft
20.15 Uhr: Russland – Rumänien
Spiel um Platz 3
20.15 Uhr: Frankreich – Türkei

Finale Jungen-Mannschaft
20.15 Uhr: Polen – Frankreich
Spiel um Platz 3
20.15 Uhr: Rumänien – Spanien

Alle Ergebnisse (ETTU)
https://www.ettu.org/en/events/european-youth-championships/draws–amp–results/

Livestream Tische 1 und 2 (ETTU)
https://www.ettu.tv/en-int/page/home-ettu