JUGEND-EUROPAMEISTER GEWINNEN TITEL BEI DEN HERREN

Der 20-jährige Lev Katsman und der ein Jahr jüngere Maksim Grebnev spielen in der ablaufenden Saison in der TTBL für den TTC OE Bad Homburg \\ DTTB

Von ungläubig bis ausgelassen: Lev Katsman (r.) und Maksim Grebnev (Foto: ETTU)

WARSCHAU. Aus hiesiger Sicht hat es nur einen Vorteil, wenn es nicht um ein deutsches Endspiel handelt: Die Stimmung im Publikum ist etwas ausgelassen. Soweit man von Ausgelassenheit bei Europameisterschaften unter Pandemie-Bedingungen ohne Zuschauer überhaupt sprechen kann. Denn die kann in der Torwar Arena lediglich von Aktiven und Betreuern ausgehen.

Vor allem die EM-Gastgebernation hätte sich im Herren-Doppel-Endspiel allerdings noch mehr Stimmung gewünscht. Schließlich spielte mit Jakub Dyjas an der Seite des Belgiers Cédric Nuytinck überraschend einer der Lokalmatadore um den Titel; mehr als ein Trost für die Polen nach dem frühen Aus von Olympionikin und Paralympionikin Natalia Partyka in Runde eins und dem verletzungsbedingten Ausfall von Titelverteidigerin Li Qian.

Große deutsche Beteiligung im Herren-Doppel-Finale
Im Vergleich der Unerwarteten in diesem Endspiel trafen die beim Turnier immerhin an Position sechs gesetzten Dyjas/Nuytinck auf die Nummer 18 der EM-Setzliste, Maksim Grebnev/Lev Katsman aus Russland. Grebnev/Katsman hatten nach dem schwedischen Weltklasse-Duo Mattias Falck/Kristian Karlsson auch die topgesetzten Deutschen Benedikt Duda/Dang Qiu ausgeschaltet, und derart voller Selbstvertrauen begannen beide auch das Finale. Die ersten beiden Durchgänge gingen an die Russen, erst im dritten fanden Dyjas/Nuytinck ins Spiel – die in der Vorschlussrunde die Portugiesen Tiago Apolonia/Joao Monteiro ausgeschaltet hatten -, liefen nach der Verkürzung auf 1:2 in Sätzen allerdings gleich wieder einem 2:6-Rückstand hinterher. Die hörbar hoch motivierte russische Rechts-Links-Kombination nutzte jede Möglichkeit, um Druck aufzubauen und zum schnellen Punktgewinn und hatte erneut damit Erfolg. „Wir hatten einen Traumstart. Wir haben ihr Spiel sehr genau studiert, wir wussten, was uns erwartet, und wir haben uns an den Plan gehalten. Im dritten Satz verloren wir den Fokus, unsere Gegner übernahmen die Kontrolle, sie zwangen uns zu ein paar einfachen Fehlern. Wenn man auf so einem hohen Niveau spielt, wenn man zwei oder drei Punkte verschenkt, ist das Spiel aus. Zum Glück sind wir im vierten Satz besser gestartet, aber nach dem 6:1 habe ich mich wieder unter Druck gefühlt, sowohl Maxim als auch ich haben wieder ein paar Fehler gemacht, bevor wir uns zusammengerissen haben“, sagte Lev Katsman.

Ganz ohne deutsche Beteiligung verlief dieses Doppel-Finale übrigens nicht. Schiedsrichter war der Haslacher Christoph Geiger, Sohn von DTTB-Präsident Michael. Jakub Dyjas geht seit 2015 in der TTBL für die TTF Liebherr Ochsenhausen auf Punktejagd, Cédric Nuytinck tat dies unter anderem Mal für den 1. FC Saarbrücken. Der 20-jährige Lev Katsman und der ein Jahr jüngere Maksim Grebnev spielen in der ablaufenden Saison für den TTC OE Bad Homburg. Unbeschriebene Blätter sind Grebnev/Katsman als Doppel im Nachwuchsbereich nicht: Sie sind zweifache Jugend-Europameister und gewannen 2018 bei der Jugend-WM Silber.

Herren-Doppel, Finale
Lev Katsman/Maksim Grebnev RUS – Jakub Dyjas/Cédric Nuytinck POL/BEL 3:1 (10,8,-8,7)