DTB-VIZEPRÄSIDENT HORDORFF: „KRISE HAT TRAINERAUSBILDUNG VOR HERAUSFORDERUNEN GESTELLT“

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DTB-Vizepräsident im Interview © Frank Molter

HAMBURG. Als Vizepräsident ist Dirk Hordorff im Deutschen Tennis Bund für den Bereich Ausbildung und Training verantwortlich. Im Interview spricht er über die Maßnahmen des Dachverbandes, um den Trainer*innen bei der Bewältigung der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Probleme zu helfen sowie über zukünftige Projekte in der Trainerausbildung.

Herr Hordorff, hinter uns liegt ein Tennisjahr 2020, das wir wohl alle anders erwartet hatten. Wie fällt Ihre allgemeine Bilanz in Sachen Tennis – aber auch im Hinblick auf die diesjährige Trainerausbildung – aus?

Corona hat die Welt vor nicht gekannte Probleme gestellt. Die Absagen des Turniers in Wimbledon und der Olympischen Spiele in Tokio – das gab es zuletzt während der beiden Weltkriege – haben gezeigt, wie außergewöhnlich diese Zeit war und ist. Diese Situation hat natürlich auch die diesjährige Trainerausbildung vor große Herausforderungen gestellt. Versammlungsverbot, Abstandsregeln, Hygiene-Konzepte, aber insbesondere auch die Sorge um die Gesundheit aller Beteiligten, waren Herausforderungen, die zu bewältigen waren. Dass dabei vieles nicht wie gewohnt stattfinden konnte, ist die Realität des Jahres 2020. Mein großes Kompliment gilt allen Beteiligten, die in dieser schwierigen Lage mit den Einschränkungen verantwortungsbewusst umgegangen sind.“

Mit der Website „Wir helfen Tennis“ und den Video-Sprechstunden mit den Bundestrainer*innen hat der Deutsche Tennis Bund versucht, den deutschen Trainer*innen in der Krise zur Seite stehen. Welches Feedback haben Sie dazu bekommen?

Wer wusste in 2019 schon, was eine Zoom-Konferenz ist? Wir alle haben uns in dieser Corona-Zeit umstellen müssen. Die oben genannten Angebote wurden von vielen als sehr positiv bewertet. Und wie in jeder Krise gibt es danach auch ein paar Erkenntnisse, die uns stärker machen und uns weiter entwickeln lassen.“

Wie sehen Sie die Verantwortung des Dachverbandes für die Trainer*innen in einer solchen Situation?

Natürlich sind nicht nur unsere Trainer*innen von der Corona-Krise betroffen. Auch die Gastronomie, der Einzelhandel sowie die gesamte Touristik haben Einschränkungen und finanzielle Verluste zu beklagen. Doch die Trainer*innen sind ein wesentlicher Baustein in unserem System und wichtig für die Entwicklung und den Fortbestand unserer Sportart. Auch wenn sie rechtlich meistens selbstständig sind, gehören sie zur Tennisfamilie. Der Deutsche Tennis Bund versucht in vielerlei Hinsicht, ihnen ein Ansprechpartner in dieser schwierigen Zeit zu sein – aber auch eine Interessensvertretung, insbesondere gegenüber der Politik. Wichtig ist, dass der DTB sich immer wieder aktiv mit der Erarbeitung von Lösungen einbringt. Gerade im Frühjahr beim ersten Lockdown hatten wir sehr gute Gespräche mit der Politik und konnten dabei glaubhaft aufzeigen, dass Tennis kein Problem für die Gesundheit darstellt, sondern Teil der Problemlösung ist. So waren wir stolz und froh, dass wir Anfang Mai wieder Tennis spielen konnten. Auch die finanziellen Entschädigungen, die jetzt im zweiten Lockdown von der Politik angeboten werden, zeigen, dass der Dachverband die Problematik der Tennistrainer*innen gut bei den Verantwortlichen in der Politik eingebracht hat.“

Sie sind international gut vernetzt: Wie sind andere Nationalverbände im Trainerbereich mit der Krise umgegangen?

Viele Nationen und viele Trainerorganisationen haben mit Video-Konferenzen und Online-Schulungen sehr ähnliche Maßnahmen wie wir entwickelt und durchgeführt. Die Corona-Krise ist zwar bei weitem noch nicht vorüber, aber durch die in Aussicht stehenden Impfungen und die Weiterentwicklung in der Medizin ist ein Ende der Pandemie in 2021 zu erhoffen. Und ich kann sagen, dass wir in Deutschland ganz gut durch diese schwere Zeit gekommen sind. Unser Gesundheitssystem hat sich als robust und stabil erwiesen, unsere Regierung hat mit Augenmaß eine finanzielle Abfederung der Betroffenen möglich gemacht. Jetzt ist es angesagt, die Gesundheit und das Leben aller unserer Mitbürger*innen an erste Stelle zu setzten.“

Glauben Sie, dass die ungewöhnliche Situation vielerorts zu besonderem Einfallsreichtum geführt hat?

Viele Trainer*innen haben mit großer Kreativität auf die Krise reagiert. Das war schon super, mitzuerleben, wie viel Engagement und Verantwortungsbewusstsein hier an den Tag gelegt wurde. Ich möchte da gar niemanden besonders herausheben, sondern der großen Anzahl von Trainer*innen Respekt zollen, die sich mit ihren Ideen eingebracht haben. Und ein bisschen stolz darf ich auch auf unser Ausbildungsteam im DTB und die Kolleg*innen in unseren Landesverbänden sein, die diese Situation so kompetent begleitet haben.! 

Der Internationale DTB Tenniskongress musste aufgrund der Corona-Pandemie ebenso abgesagt werden wie zahlreiche andere Fortbildungen. Wie wird das Jahr 2021 aus Sicht der Trainerausbildung aussehen?

In diesem zu Ende gehenden Jahr waren wir täglich mit neuen Meldungen und Herausforderungen konfrontiert. Da war Flexibilität gefragt. Die Absage des Kongresses 2021 hat uns schon sehr weh getan. Im Nachhinein war es aber die einzig richtige Entscheidung, dies frühzeitig zu beschließen. Wir werden bei den A-Trainer- und Athletik-Trainer-Ausbildungen noch dieses Jahr versuchen, eine Lösung zu finden, damit diese im Januar 2021 abgeschlossen werden können. Auch da werden wir neue Wege gehen, die der Situation geschuldet sind. Wir müssen denjenigen helfen, die jetzt so lange diese Ausbildung durchlaufen und ein Recht auf eine Prüfung haben. Außerdem freue ich mich auf unser neues Projekt im Sommer – einen Tenniskongress am Hamburger Rothenbaum anlässlich des ATP-Turniers. Wir sind gerade bei der Ausarbeitung und werden im Januar 2021 die Details bekannt geben. Auch ein Elternseminar wird in diesem Zusammenhang geplant. Das wird hoffentlich ein erfolgreiches Event mit viel Zukunft. Sofern es möglich ist, werden wir auch versuchen, in 2021 vieles Ausgefallene nachzuholen und uns weiterzuentwickeln.“ 

Ein weiteres großes Thema im Bereich Ausbildung und Training ist die Schaffung eines neuen Lernportals für Tennistrainer nach dem Ende des bisherigen Online Campus. Warum ist es für den Verband so wichtig, eine eigene Wissens-Plattform anzubieten?

Im ersten Quartal des neuen Jahres werden wir mit einem eigenen DTB-Portal starten. Der elektronische Lehrplan ist etwas, um das uns viele große Tennisnationen beneiden. Wir sind dadurch flexibel, immer aktuell und in der Lage, die Trainerausbildung jederzeit mit neuen, interessanten und zeitgemäßen Inhalten anzupassen. Das ist für mich der moderne Weg. Wir werden dadurch auch in einen noch besseren und engeren Austausch mit unseren Trainer*innen kommen. Gerade diese Art der Kommunikation ermöglicht es uns, gemeinsame Ziele effektiver anzugehen und den Trainer*innen vor Ort in deren Arbeit effektiv zur Seite zu stehen.“

Auch wenn wir in 2020 gelernt haben, dass nichts unmöglich ist. Was wäre für Sie ein aus Sicht der Trainerausbildung gelungenes, rundes Jahr 2021?

„Ein Jahr, in dem wir uns ohne Angst auf dem Tennisplatz bewegen können. In dem wir zeigen können, dass Tennis eine tolle Sportart ist, die von der ganzen Familie ein Leben lang betrieben werden kann. Ein Jahr, in dem wir uns wieder live treffen können, ohne Angst um die Gesundheit zu haben. Ein Jahr voller Begegnungen, in dem wir nachholen können, was 2020 nicht möglich war.“