AUS FÜR FRAUEN-DOPPELZWEIER

WM-Tag 4:  Diening qualifiziert Para-Einer \\  von Hans Strauss

Im Finale des Para-Einers und damit für Paris qualifiziert: Manuela Diening. Foto: meinruderbild

BELGRAD. (SRB) Obwohl das Aus für den Frauen-Doppelzweier sehr schmerzt, ist das übergeordnete Ziel des Deutschen Ruderverbandes, wie 2021 sechs Boote direkt für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, noch realisierbar. Der schwere und der leichte Männer-Doppelzweier sprangen in die Bresche und erreichten am Mittwoch bei der Weltmeisterschaft in Belgrad beide das Halbfinale. „Es ist schön, dass sich beide Boote so stabilisiert haben. Trotzdem bleibt es eine schwierige Kiste, unser Ziel zu erreichen. Aber ich glaube fest daran“, sagte Cheftrainerin Brigitte Bielig.

Die beiden Doppelvierer der Männer und Frauen sollen am Donnerstag in den Halbfinals dazu beitragen, die Zielstellung zu erreichen. Sie müssen WM-Platz 7 schaffen, um die Boote für Paris 2024 zu qualifizieren. Auf der Strecke Ada Ciganlija stellte Bielig bei mehreren Booten Schwächen in der Start- und in der Endspurt-Phase fest, aber auch in der nervlichen Stabilität.

Diening holt das zweite Paris-Ticket 

Der vierte WM-Tag konnte für die deutsche Mannschaft nicht besser beginnen. Manuela Diening (RV Münster) löste im PR1 Frauen-Einer das zweite Paris-Ticket für das Para-Team. Der ungefährdete zweite Platz in ihrem Hoffnungslauf hinter der Ukrainerin Anna Sheremet brachte Diening den Einzug ins Finale am Sonntag und damit mindestens den für die Paralympics-Qualifikation ausreichenden sechsten WM-Platz. Dienings Rückstand auf die im Oberkörper sehr athletisch agierende Sheremet war deutlich, aber ebenso klar hielt die letztjährige WM-Vierte die Niederländerin Eva Mol auf Distanz. Am Montag hatte sich bereits der gesteuerte Mixed-Vierer PR3 für Paris qualifiziert.

Ich hatte zwei Mal Probleme mit Schlingpflanzen, die aber wieder weggegangen sind. Das war etwas nervig, aber wirklich gestört hat mich das nicht“, sagte Manuela. Ist ihr Ziel nach zwei vierten Plätzen bei WM und EM nun eine Medaille? „Nein, das Niveau ist über den Winter noch einmal deutlich gestiegen“, sagte sie vorsichtig. Trainer Sebastian Fuchs findet aber, dass Manuela ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen muss: „Heute können wir einen Haken dran machen, jetzt beginnt eine neue Regatta. Im Finale können wir alles zeigen.“ 

Klemp steht im Halbfinale

Wegen der höheren Teilnehmerzahl im PR1 Männer-Einer muss Marcus Klemp (Olympischer RC Rostock) ein Rennen mehr als Diening bestreiten. Das dürfte dem 41-jährigen Para-Urgestein jedoch wenig ausmachen. Im Hoffnungslauf spulte Klemp sein Programm ab wie ein Uhrwerk und verwies den bei der dritten Zwischenzeit noch führenden Spanier Javier Garcia Martinez am Ende deutlich auf den zweiten Platz. Sieger Klemp und Martinez stehen damit im Halbfinale, das am Freitag ausgetragen wird. Ziel des letztjährigen WM-Fünften ist natürlich das Finale am Sonntag. 

Luz/Krumbein im Zweier-Finale

Auch das A-Finale im PR3 Mixed-Doppelzweier findet mit deutscher Beteiligung statt. Valentin Luz und Hermine Krumbein (Frankfurter RG Germania und RK Normannia Braunschweig) gaben alles und sind als Lohn nun dabei, wenn am Freitagnachmittag die drei Medaillen und die fünf Paris-Tickets vergeben werden. Im Hoffnungslauf gab es im Endspurt einen spannenden Dreikampf um die beiden Plätze im Finale. Brasilien und das deutsche Duo wurden von der Ukraine attackiert, verteidigten ihren Vorsprung aber ins Ziel. Mit 0,12 Sekunden Rückstand auf Brasilien wurden Luz/Krumbein Zweite, der Ukraine fehlten dann doch 2,30 Sekunden. 

Südafrika sorgt für deutschen Schock

Das dicke Ende im Hoffnungslauf des Frauen-Doppelzweiers sorgte für einen Schock im deutschen Team. Auf den letzten Metern verloren Leonie Menzel und Maren Völz (RC Germania Düsseldorf und RC Potsdam) nicht nur den sicher geglaubten zweiten Platz an Südafrika, damit war auch die Möglichkeit der Olympia-Qualifikation des Bootes bei der WM futsch. Auch angesichts der relativ niedrigen Qualifikationshürde (Rang elf) hatte der Frauen-Doppelzweier in den Planungen als Bank gegolten. In einem hochspannenden Rennverlauf wechselte die beiden Spitzenplätze, die ins Halbfinale führten, ständig. Bei 500 und bei 1000 Metern lag Großbritannien vor Südafrika, bei 1500 Meter hatten sich dann Menzel/Völz auf Rang eins vor Großbritannien geschoben. Am Ende schien es auf die Niederlande und die Deutschen hinauszulaufen, aber alle hatten die Rechnung ohne Südafrika gemacht, dessen enormes Finish die Deutschen nicht mehr kontern konnten. 62/100 fehlten am Ende, um den Olympia-Traum zu erhalten.

Vorwürfe wollte Bundestrainer Alexander Schmidt seinen enttäuschten Rudererinnen nicht machen, ganz im Gegenteil: „Es war ein tolles Rennen von den Mädels, richtig nach Plan. Eigentlich war es über die ganze Zeit ein Rennen zwischen den Holländerinnen und uns. Zum Schluss kam der Gegenwind stärker herein, da haben die Körner gefehlt, und Südafrika hat es einfach toll gemacht.“ 

Wieder eine souveräne Fahrt von Zeidler

Den nächsten souveränen Auftritt legte Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) hin. In seinem Viertelfinale des Männer-Einers fuhr die deutsche Gold-Hoffnung der namhaften Konkurrenz direkt nach dem Start davon, hielt sie immer auf Distanz und feierte einen hoch überlegenen Sieg.  Mit ihm kamen wie erwartet der Zweitplatzierte Thomas Mackintosh (Neuseeland) und der Drittplatzierte Ryuta Arawata (Japan) ins Halbfinale. Nur Platz fünf blieb für Kjetil Borch (Norwegen), der nicht mehr die Extraklasse früherer Tage besitzt. „Ich wusste, dass es ein schwieriges Rennen wird. Mit mir waren vier Leute drin, die auch ins Finale reinfahren können. Es war klar, dass einer rausfliegt und ich Ernst machen muss. Es war die richtige Taktik für ein Gegenwindrennen“, sagte Zeidler. „Optimistisch können uns die ersten 1000 Meter machen, da war Olli deutlich der Schnellste. Ich denke, wir haben die Voraussetzungen geschaffen, um auch im Halbfinale am Freitag erfolgreich zu sein“, sagte Trainer Heino Zeidler. Namhaftester Gegner dort wird der Grieche Stefanos Ntouskos sein. Der andere Lauf ist u. a. mit dem sehr zu beachtenden Simon van Dorp (Niederlande) und Sverri Nielsen (Dänemark) besetzt.

Rang drei reicht Föster für Halbfinale

Die zweite deutsche Einer-Hoffnung steht ebenfalls im Halbfinale. Alexandra Föster (RC Meschede) musste in ihrem Viertelfinale zunächst einen völlig verkorksten Start ausbügeln und lag nach 500 Metern nur auf Rang fünf. Bei der Hälfte der Renndistanz war sie schon Dritte und behauptete diese Position dann auch bis ins Ziel. Die Olympia-Zweite Anna Prakaten (Usbekistan) fiel immer weiter hinter Föster zurück und konnte ihr nicht mehr gefährlich werden. Erwartungsgemäß gewann Mitfavoritin Emma Twigg (Neuseeland) den Lauf, Zweite wurde die überraschend starke Victoria Senkute (Litauen), die von Föster am Ende noch attackiert wurde. Die Deutsche muss am Freitag im Halbfinale sicher ein konstanteres Rennen abliefern, wenn sie die Olympia-Qualifikation bei der ersten Chance schaffen und ins Finale einziehen will. In ihrem Lauf sind die Plätze eins und zwei für Titelverteidigerin Karolien Florijn (Niederlande) und Twigg so gut wie reserviert, dahinter wäre Platz für Föster.

Gaus übersteht das Viertelfinale nicht

An einem besseren Tag hätte es Arno Gaus (Bonner RG) durchaus in das Halbfinale des Leichten Männer-Einers schaffen können. So musste er sich mit dem fünften Platz im Viertelfinale der nichtolympischen Bootsklasse begnügen. „Mein Rennen war besser als der Vorlauf, aber der Platz war schlecht“, sagte Gaus. Nach der Hälfte der Renndistanz befand er sich noch im Rennen um Rang drei, nahezu gleichauf mit dem Spanier. Doch der verschärfte im dritten Teilstück das Tempo und Gaus konnte nicht folgen. Als die Entscheidung bereits gefallen war, zog auch Dänemark noch an ihm vorbei. Für Gaus geht es im Halbfinale C/D weiter. 

Leerkamp/Rommelmann im Halbfinale

Für den leichten Männer-Doppelzweier geht die Reise zu Olympia weiter, auch wenn der dafür nötige WM-Platz sieben für Paul Leerkamp und Jonathan Rommelmann (Osnabrücker RV und Crefelder RC) eine hohe Hürde darstellt. Erst einmal stehen beide nach ihrem zweiten Platz im Viertelfinale im Halbfinale, das bereits am Donnerstag (10.45 Uhr) ausgetragen wird. Beide zeigten ein souveränes Rennen, auch wenn sie Norwegen am Ende den Laufsieg überließen. Auch Neuseeland kam als Dritter in die Vorschlussrunde. Bundestrainer Tim Schönberg war nicht ganz zufrieden: „Natürlich ist er erst einmal erfreulich, weitergekommen zu sein. Ganz so gut wie den Vorlauf haben wir das Rennen aber nicht gestalten können. Die ersten 1000 Meter waren gut, dann aber haben sie die nötige Lockerheit nicht behalten und haben sich festgefahren.“ Den Sprung ins WM-Finale verwehren wollen Leerkamp/Rommelmann die Schweiz mit den diese Saison fast unschlagbaren Europameistern Schäuble/Ireland, Spanien, Italien, Neuseeland, und China.

Gelsen/Weber machen Trainer stolz

Jonas Gelsen und Marc Weber (RC Nassovia Höchst und RuS Steinmühle Marburg) trennt nicht mehr sehr viel von der Qualifikation des Männer-Doppelzweiers für die Olympischen Spiele. Der sicher erruderte dritte Platz im Viertelfinale hinter den Favoriten Niederlande und Irland brachte die beiden immer besser in Fahrt kommenden Hessen unter den letzten Zwölf der WM. Elfter müssen sie werden, um das Ticket für Paris zu lösen. „Wir sind sehr glücklich, der Druck war enorm“, sagte Trainer Ralf Hollmann. Dabei waren sie schlecht aus dem Start gekommen und nach 500 Metern Letzter des Feldes. Nach 1000 Metern waren sie aber schon Dritter und an den zweitplatzierten Iren dran. Kuba, Griechenland und Südafrika konnten die drei anderen Boote nicht mehr gefährden. „Die ersten Meter und die letzten 200 Meter sind ausbaufähig, in den mittleren 1000 Metern haben sie das Boot super laufen lassen. Ich bin wirklich stolz auf diese Leistung und am Freitag versuchen wir, den nächsten Schritt zu machen“, sagt Hollmann. Im Halbfinale wartet nun ein sehr schweres Rennen gegen Kroatien mit den legendären Sinkovic-Brüdern aus Kroatien, erneut Irland, Spanien, Neuseeland und Norwegen als Gegnern.

Metzger/Christ ohne Chance 

Im Männer-Zweier ohne haben Jannik Metzger und Julius Christ (Marbacher RV und RTHC Bayer Leverkusen) das Viertelfinale nicht überstanden. In einem stark besetzten Feld hatten die beiden Dortmunder mit den vorderen Plätzen nichts zu tun und wurden Fünfter hinter Rumänien, Dänemark, Kroatien und Litauen. Das Boot aus Tschechien konnten beide hinter sich lassen. „Etwas mehr Aktivität hätte ich von den Beiden schon erwartet“, sagte Bundestrainer Thomas Affeldt. Weiter geht es nun im Halbfinale C/D. Das Viertelfinale war wegen eines Bootsschadens von Dänemark beim Einfahren um eine halbe Stunde nach hinten verschoben worden, die Dänen stehen trotzdem im Halbfinale.

So geht es am Donnerstag weiter

Neben dem Leichtgewichts-Doppelzweier stehen für drei weitere DRV-Boote die Halbfinals an. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf den beiden Doppelvierern, die das Finale erreichen wollen. Bei den Frauen sind Großbritannien (Luzern 2.), die Schweiz (Luzern 3.), Australien, Ukraine und die USA die Gegner. Die Skull-Männer treffen auf Titelverteidiger Polen, Italien, Norwegen, Ukraine und USA. Ebenfalls im Halbfinale steht der Frauen-Vierer ohne. Hier sind Rumänien, die Niederlande, Neuseeland Australien und Polen die fünf Gegner – vier standen im A-Finale des Weltcups von Luzern.

Die DRV-Termine am Donnerstag nach geändertem Zeitplan: 10.45 Uhr Halbfinale LM2x, 10.55 Uhr Halbfinale W4-, 11.35 Halbfinale W4x, 11.55 Uhr Halbfinale M4x – 16.05 Halbfinale C/D LW2x, 16.20 Uhr Halbfinale C/D LM1x,  16.40 Uhr Halbfinale C/D W2-, 16.45 Uhr Halbfinale C/D M2-, 17.10 Uhr Halbfinale C/D W2x.

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