AN TAG DREI ÜBERWIEGT DIE ENTTÄUSCHUNG

Tokyo 2020 - VON JUDITH GARBE

Der Männer-Doppelvierer hat das Finale verpasst. Fotos: Merijn Soeters

TOKIO. Am dritten Wettkampftag der Olympischen Spiele in Tokio überwiegt die Enttäuschung. Während Oliver Zeidler sich wie zu erwarten souverän für das Halbfinale qualifiziert hat, haben mit dem Männer-Doppelvierer und den beiden Doppelzweiern drei Boote das A-Finale verpasst. 

Männer-Doppelvierer enttäuscht und verpasst Finale
Der Traum von der Titelverteidigung ist für den deutschen Männer-Doppelvierer schon vor dem Finale ausgeträumt. Mindestens Zweiter hätten Tim Ole Naske, Karl Schulze, Hans Gruhne und Max Appel (Ruder-Gesellschaft HANSA e.V./Berliner RC/RC Potsdam/ SC Magdeburg e.V.) im heutigen Hoffnungslauf werden müssen, um das erhoffte Finalticket zu lösen. Die Vorgabe, das Rennen aggressiv anzugehen, gelang den Deutschen auf den ersten 500 m zunächst. Doch wie sich in den vergangenen Rennen schon oft gezeigt hat, fehlte dem deutschen Boot auch heute über die Mitte der Speed. Mit knapp 3,5 Sekunden Rückstand auf die führenden Briten gingen die Athleten von Marcus Schwarzrock auf die zweite Streckenhälfte. Es gelang ihnen nicht, die Lücke nach vorne zu schließen – im Gegenteil, sie mussten weiter abreißen lassen. Auch den Kampf um Rang vier verloren die Deutschen am Ende knapp gegen Norwegen. „So kurz nach dem Rennen ist die Enttäuschung natürlich riesig. Ich denke, alle vier von uns haben das Maximale reingehalten, alles in die Waagschale geworfen. Aber wir haben es nicht zusammen in einen schnellen Vortrieb umwandeln können. Das Problem hatten wir jetzt schon die ganze Zeit. Wir hatten auch Phasen, in denen wir gezeigt haben, dass wir schnell sein können. Darauf hatten wir versucht aufzubauen. Aber wenn vier Leute maximal ziehen, dies aber nicht zusammen machen, dann reicht es eben nicht aus, um bei den Top-Leuten hier vorne mitzufahren“, so ein enttäuschter Karl Schulze, der in Tokio seine dritte olympische Goldmedaille holen wollte. „Wir sind mega enttäuscht. Verlieren ist das eine, aber so hinterherzufahren und nicht mal die Chance gehabt zu haben, ins Rennen ums A-Finale einzugreifen, das tut schon weh“, ergänzt Hans Gruhne
. (B-Finale, 28. Juli, 08:50 Uhr, 01:50 Uhr dt. Zeit)

Zeidler souverän im Halbfinale
Einen Tag nach seinem 25. Geburtstag hat Oliver Zeidler (Donau-Ruder-Club Ingolstadt e.V.) sein Viertelfinale im Einer souverän gewonnen. Der Weltmeister fand schnell seinen Rhythmus und kontrollierte das Rennen über die gesamte Strecke. Mit knapp einer Länge Vorsprung vor dem Brasilianer Ferreira und dem Litauer Griskonis zog er ungefährdet ins Halbfinale ein. Auch in den anderen Viertelfinals wurden die Favoriten ihrer Rolle gerecht. Überraschungen blieben bisher aus. „Von der Hitze her ging es, der Gegenwind hat das Rennen eher in die Länge gezogen, das war dann schon recht hart. Nachdem der Litauer auf mich so gewirkt hat, dass er sich bei 1750 m immer noch nicht sicher war, ob er sich den Brasilianer noch holen will oder nicht, hatte ich natürlich auch ein bisschen was zu tun, um das ganze zu verwalten. Aber am Ende bin ich mit dem Rennen sehr zufrieden“, so Zeidler, der nun im Halbfinale den nächsten Schritt machen möchte. „Ich habe eben die Setzung der Halbfinals gesehen. Ich habe glaube, ich habe den besseren Lauf erwischt. Der Grieche ist natürlich ein unangenehmer Gegner. Sverri hingegen ist ja mein Standard-Halbfinalgegner. Mal schauen, was passiert.“
(Halbfinale, 29. Juli, 11:10 Uhr, 04:10 Uhr dt. Zeit).

Menzel und Thiele chancenlos
Nach nur 24 Stunden Regeneration stand für Leonie Menzel und Annekatrin Thiele (RC Germania Düsseldorf 1904 e.V./SC DHfK Leipzig e.V.) heute das Halbfinale im Doppelzweier an. Das Duo ging in dem deutlich schwierigeren Halbfinallauf mit gleich drei WM-Finalisten (Niederlande, Frankreich, Kanada) auf der Außenbahn ins Rennen. Mindestens Dritte mussten sie werden, um dem Traum vom olympischen Finale zu verwirklichen. Nach einem schnellen Start fand das Duo zunächst gut ins Rennen, ging dann allerdings mit einem Rückstand von knapp 1,5 Sekunden auf den so wichtigen dritten Rang auf die zweiten 500 m. Auf der zweiten Teilstrecke wuchs der Rückstand um eine weitere Sekunde an. An der Spitze machten die Boote aus Kanada und den Niederlanden das Tempo. Mit knapp 2,5 Sekunden Rückstand auf die drittplatzierten Franzosen ging das deutsche Boot auf die zweiten 1.000 m. Doch statt Meter gut zu machen, mussten die Athletinnen von Thomas Affeldt weiter abreißen lassen. Beim Sieg der WM-Dritten aus den Niederlanden kamen die Deutschen mit mehr als zehn Sekunden Rückstand als Letzte ins Ziel. Damit haben sie das A-Finale verpasst. „Es ist schade, dass es nicht geklappt hat, wie man es sich vorgenommen hat. Wir fahren ja nicht hierher und sagen, wir wollen nur das B-Finale erreichen. Das wäre ja gelogen. Wir haben im Training noch einmal einen großen Schritt gemacht, das konnten wir heute leider nicht rüberbringen“, erklärt Annekatrin Thiele, die bei ihren vierten Spielen nun im B-Finale antritt.  Woran es genau gelegen hat, können sich die zwei noch nicht erklären. „Aber in so einem Feld kannst du dir halt keine Ausrutscher erlauben“, so Thiele. „Wir haben hier auf jeden Fall einige Erfahrungen gesammelt. Für mich war alles neu. Ich bin gar nicht so enttäuscht, dass wir nicht im A-Finale sind, sondern einfach, dass wir heute nicht unsere Leistung gebracht haben. Aber auch daraus werden wir lernen“, ergänzt Leonie Menzel.
(B-Finale, 28. Juli, 08:10 Uhr, 01:10 Uhr dt. Zeit).

Krüger und Weber verpassen Finale
Nach dem Sieg im Hoffnungslauf gingen Stephan Krüger und Marc Weber (Frankfurter RG Germania/Gießener Ruder-Club ‚Hassia‘ 1906 e.V.) selbstbewusst in das heutige Halbfinale im Männer-Doppelzweier. Offensiv angehen lautete die Devise. Und das gelang dem deutschen Boot zunächst auch. Nach einem schnellen Start ordneten sich Krüger und Weber hinter Polen und Großbritannien ein, gingen mit nur 0,5 Sekunden Rückstand als Dritter auf die zweiten 500 m. Die Polen an der Spitze drückten aufs Tempo und setzten sich ab. Die Franzosen schoben sich am deutschen Boot vorbei, das mit knapp einer Sekunde Rückstand auf den wichtigen dritten Platz auf die zweiten 1.000 m ging. Doch das Tempo an der Spitze war zu hoch für Krüger und Weber. Die Athleten von Karsten Timm mussten weiter abreißen lassen und kamen nicht über Rang fünf hinaus. Der Traum vom olympischen Finale ist damit geplatzt. Im B-Finale am Mittwoch rudern sie dann um eine Top-Ten-Platzierung.
(B-Finale, 28. Juli, 08:20 Uhr, 01:20 Uhr dt. Zeit)

Somit stehen aktuell zwei Boote im A-Finale (Frauen-Doppelvierer und Deutschland-Achter), mit dem leichten Männer-Doppelzweier und Oliver Zeidler haben zwei weitere sehr gute Chancen auf den Endlauf. Für drei Boote (beide Doppelzweier und Männer-Doppelvierer) geht es im B-Finale um gute Platzierungen.

Einschätzung des leitenden Bundestrainers
„Olli Zeidler war gut. Ansonsten war heute sicherlich nicht unser bester Tag, aber das ist halt so. Beim Männer-Doppelvierer hatten wir uns grundsätzlich etwas anderes erhofft, gerad durch die Erfolge und Erfahrungen von Karl Schulze und Hans Gruhne.  Aber wenn man zurück guckt, hatten wir in dieser Bootsklasse schon seit zwei drei Jahren mehr Schwankungen als vorher. Das hat sich bis zum Schluss durchgezogen. Das ist sicherlich etwas schade. Für die jungen Athleten wir Tim Ole Naske und Max Appel war es eine Erfahrung, für Karl Schulze und Hans Gruhne hätte ich mir einen besseren Abschluss gewünscht“, so Ralf Holtmeyer und ergänzt: „Beim Frauen-Doppelzweier glaube ich, dass Leonie Menzel auch etwas überfordert ist mit Annekatrin Thiele. Die beiden sind technisch grundsätzlich zu unterschiedlich, aber da haben sich auch keine Alternativen angeboten. Der Männer-Doppelzweier hat mich heute ein bisschen enttäuscht.“

Hinsichtlich der Medaillenchancen gibt sich Holtmeyer zuversichtlich. „Ich habe ja gesagt, wir haben vier Medaillenchancen – in den Booten läuft es auch gut.“

Erneute Änderungen im Zeitplan
Das Wetter wirbelt den Zeitplan der olympischen Ruderwettkämpfe weiter durcheinander. Auch die für Dienstag geplanten Rennen mussten nun verschoben werden. Das betrifft auch das Finale des Frauen-Doppelvierers, das nun erst am Mittwoch stattfindet. Den neuen Zeitplan sowie alle Ergebnisse gibt es hier.  Eine Zusammenfassung der jeweiligen Rennen gibt es auf der Seite der ARD Sportschau.

Nach zwei Tagen Rennpause geht es dann am Mittwoch mit den folgenden Rennen weiter:

  • B-Finale des Frauen-Doppelzweier (08:10 Uhr, 01:10 Uhr dt. Zeit)
  • B-Finale des Männer-Doppelzweier (08:20 Uhr, 01:20 Uhr dt. Zeit)
  • B-Finale des Männer-Doppelvierer (08:50 Uhr, 01:50 dt. Zeit)
  • A-Finale des Frauen-Doppelvierer (10:50 Uhr, 03:50 dt. Zeit)
  • Halbfinale des leichten Männer-Doppelzweier (11:10 Uhr, 04:10 Uhr dt. Zeit)