DIE ZEIDLERS – FAMLILENDYNASTIEN

VON DEUTSCHE SPORTHILFE

Oliver Zeidler (Archivfoto DRV)

HANNOVER. Ihr gemeinsamer Familienausflug führt vier Mitglieder der Familie Zeidler in diesem Sommer nach Japan, das steht bereits fest. Nur die Frage nach ihrer offiziellen Funktion vor Ort ist noch offen und damit auch die nach der Unterkunft: Denn wenn es ideal läuft, dann wohnen sie alle vier im Olympischen Dorf. „Das wäre natürlich die Wunschvorstellung“, sagt Marie-Sophie, 21-jährige Riemen-Ruderin aus Bayern und damit das jüngste leistungssportliche Mitglied der seit drei Generationen sehr erfolgreichen Ruder-Dynastie Zeidler.

Nach einem, so sagt sie selbst, „enttäuschenden letzten Jahr“ mit einem zehnten Platz im WM-Finale mit dem deutschen Achter, geht sie 2020 im Zweier an den Start. Primäres Ziel ist die U23-Weltmeisterschaft in Slowenien, aber auch die Qualifikation für Tokio hat sie noch nicht völlig abgeschrieben. „Das ist schwer zu prognostizieren. Aber die Aussichten für dieses Jahr sind so oder so gut“, glaubt die Landespolizistin. Weil sie von ihrem Großvater mütterlicherseits Hans-Johann Färber, Olympiasieger 1972 im Vierer mit Steuermann, trainiert wird, hängt an ihrem Saisonverlauf auch seine Reiseplanung. Nach Tokio werden Opa und Enkelin aber auch so fahren – als Unterstützer von Maries Bruder Oliver, Shooting-Star des Rudersports und erster deutscher Einer-Weltmeister seit 17 Jahren. Komplettiert wird die Reisegruppe von Olivers Trainer, Vater Heino, als Aktiver zweimaliger WM-Vierter.

Seine beiden Kinder begannen zunächst im Schwimmen. Marie wollte mit 13 Jahren die Sportart wechseln, „da lag Rudern natürlich nahe, weil die ganze Familie damit zu tun hat“. Der drei Jahre ältere Oliver tat es seiner Schwester nach verpasster Olympia-Quali 2016 mit 20 Jahren gleich. „Das war schon krass für mich zu sehen, wie schnell er an die Weltspitze gekommen ist“, freut sich Marie für ihren Bruder, der mit EM- und WM-Gold im vergangenen Jahr für einen Hype um die Ruder-Familie gesorgt hat. Dazu gehören auch Tante Judith (Olympiasiegerin mit dem DDR-Achter 1988 und Olympia-Dritte 1992) sowie deren Ehemann Matthias Ungemach (Achter-Weltmeister 1990 und 1991). Beide waren – wie heute Marie und Oliver – lange Jahre Sporthilfe-gefördert. Mittlerweile wohnt das Paar in Australien und arbeitet dort als Rudertrainer, die Söhne Bjarne und Torben starten sogar für Australien.

Bei aller Leidenschaft für glattes Wasser und perfekte Züge, zuhause im 800-Seelen-Ort Schweig in Oberbayern spricht die Familie auch noch über andere Themen. „Gottseidank“, sagt Marie, die trotzdem das familiäre Verständnis für den Leistungssport schätzt. „Man weiß, wovon der andere redet und kann sich den ein oder anderen Tipp holen.“ Auch vielleicht bei Fragen zu Olympia. Ein kompletter Familienurlaub wird es in Tokio allerdings nicht werden: Die Wettbewerbe finden kurz vor den bayerischen Sommerferien statt und weil Maries und Olivers jüngere Schwester noch zur Schule geht, wird sie mit Mama Katja vor dem Fernseher mitfiebern. Die 15-Jährige saß zwar auch schon im Ruderboot, hält es da aber (noch) mit ihrer Mutter – den Leistungssport überlässt sie den anderen Familienmitgliedern.

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