VIELSEITIG WIE KAUM EINE REGATTA

Rheinmarathon - RCGD

RM-Achter Olympiasieger Ansgar Wessling (3.v.re.) Fotos: MeinRuderbild.de (Detlev Seyb)

DÜSSELDORF. In jedem Jahr kommen Ruderer aus mehreren Ländern Europas und vielen Städten Deutschlands zum Düsseldorfer Marathonrudern vom Ruderclub Germania Düsseldorf. Der Gesamtsieg ging an die Renngemeinschaft Clever RC/GTRV Neuwied/Kölner Club für Wassersport/Ruder- u. Tennis-Klub Germania Köln mit Michael Ehrle, Markus Müller, Henning Osthoff, Stefan Verhoeven und Steuerfrau Laura Zabawa in der Zeit von 2:11,44 Stunden (Kategorie Männer-Gig-Doppelvierer). Platz zwei belegte die Rgm. Hürther RG/RCGD mit Stephan Ertmer, Leonie Pieper, Sabrina Schoeps, Anton Schulz und Stf. Anna Dames (2:13,36 Std.), die wiederum den Mixed-Gig-Doppelvierer für sich entscheiden konnten; in Gesamtwertung und Kategorie gefolgt von der Rgm. RTHC Leverkusen/SV Scharnebeck mit Hannah Bornschein, Barbarella Jonischkeit, Thorsten Jonischkeit, Samuel Tieben und Stf. Clara Drewes (2:14,29 Std).

Die irischen Freunde vom Fermoy Rowing Club holten als schnellstes reines Vereinsboot Platz vier in der Gesamtwertung, zudem einen Dreifachsieg in der Kategorie „Schnellstes ausländisches Boot“. Siegreich waren Evin Donnelly, Dave Mannion, Kenny Mc Donald, Michael O’Callaghan, gesteuert von Meike Hartung vom Gastgeber RCGD (2:16,34 Std.). Die Iren waren zum 30. Mal beim Rheinmarathon, mit im Gepäck ein besonderes Geschenk und die gewohnt freudige Partylaune für die Wochenendabende. „Schnellstes Frauen-Boot“ war die Rgm. Baseler RC/Bonner RG/RV Hellas Offenbach (2:24,04 Std.) mit Christina Ergang, Marianne Forkel, Katrin Martin, Sybille Roller und Stm. Felix Bork. „Schnellstes deutsches Nicht-Rhein-Boot“ war das Team vom Stuttgart-Cannstatter Ruderclub mit Matthias Auer, Christian Baum, Michael Herrmann, Jörn Michel und Stm. Marc Höflin (2:18,32 Std.). Alle weiteren Platzierungen: Regattaergebnis 2019.

Über die 42,8 km von Leverkusen bis nach Düsseldorf kämpfen sich Anfänger und langjährige Breitensportler, aktive Leistungssportler und ehemalige Nationalmannschaftsruderer, erfahrene Langstreckenruderer, Junioren, über 80-Jährige. Mal aktiv als Ruderer, dann als Steuermann, mal mit mehrmaligem wöchentlichen Training und Siegambitionen oder ganz ohne Vorbereitung für die Langstrecke und dem Ziel, nur durchzukommen. Und jeder bringt seine eigene Rudervergangenheit mit, sei sie ein oder 68 Jahre alt. Was gibt es zu berichten, welche Antworten gibt es auf verschiedenste Fragen?

Sybille Roller (RV Hellas Offenbach, Startnummer 18) war bei der Masters-DM und -WM, „Genfer See“, Landesmeisterschaft Hessen und jetzt beim Düsseldorfer Marathon. Geht das gut? Ja es geht. Mal im Rennboot, mal im Gigboot. „Dieses Jahr war es viel. Aber wenn man gut drauf ist, dann kann man das gut machen. Man ist dann im Flow. Mit Katrin fahre ich sonst Rennboot, aber sie wollte unbedingt mal den Rheinmarathon fahren.“

Jürgen Marstaller (RG Benrath, 25) war im Boot mit dem ältesten Durchschnittsalter der dienstälteste Ruderer an Bord. Mit 15 Jahren fing er mit dem Rudern an, mit 83 Jahren ist er den diesjährigen Marathon gefahren. Ist der Sieg gegen die Leverkusener etwa wichtig? Wohl kaum. „Von Siegen war keine Rede. Ankommen war das Ziel.“

Ansgar Wessling (Ruderriege TVK Essen, 35) hat, nach einen schweren Unfall Jahre ausgebremst, wieder große Freude am Rudern. Er ist Olympiasieger im Achter 1988, glücklich macht ihn die Gegenwart. Er war zuletzt u.a. bei den World Masters, bei den Offenen Österreichischen Meisterschaften, beim Moselpokal, nun beim Marathon. Im Interview mit der WAZ sagte er kürzlich noch: „Ich möchte das Rudern nicht bleiben lassen, weil es mich so tief berührt.“ Seine Frau brachte ihn vor zwei Jahren wieder auf den Wettkampfgedanken. Nun Marathon? „Ja, hier kann man sich ganz schön ausknautschen. Das ist das I-Tüpfelchen gewesen.“

Niels Meijerink (RV Daventria, 36) erkennt man von weitem mit seinem Team, Biene Maja werden die Niederländer liebevoll genannt. Der Verein ist schon oft da gewesen, mal auch nicht. Ihr vermisst den Marathon anscheinend dann? „Ja natürlich! Uns gefällt vor allem der Freitagabend. Das ist immer ein Erlebnis.“

Thomas Christ (Germania Köln, 56) hat sieben Mal den Doppeldreier beim Marathon gewonnen, machte zwei Jahre Pause. Nun ging er mit seinen Clubkameraden im gesteuerten Gig-Doppelvierer an den Start, zudem im Klinkerboot. Der Ehrenpreis war das Ziel, eine neue Herausforderung. „Das ist aus der Bierlaune entstanden, die üblichen Verdächtigen haben mich gefragt. Das war ein ganz schön schwerer Panzer.“

Yannik Kirschey (RTHC Leverkusen, 82) stieg vom Ruderplatz auf den Steuerplatz und lenkte die jüngsten Starterinnen, die Juniorinnen der Jahrgänge 2001/2002, über die Strecke. Drei aus dem Team waren erstmals dabei, Merit Mäntele bereits öfter. Wie kam die Kombination zustande? „Ich bin viermal mitgefahren, das ist doch genug“, schmunzelt er und fand ein Team. Kyra Meis und Hannah Schliwitzki lernten in Neuseeland rudern, wollten hier weitermachen, kamen zum Verein. Die Vierte im Bunde ist Annika Münch, seit einem Jahr Mitglied.

Kathrin Schmack (RC Germania Düsseldorf, 130) ist 1. Vorsitzende im RCGD, als selbstständige Innenarchitektin erfolgreich und hat neben dem Privatleben mit Mann und Kindern noch Lust, Laune und Zeit für das Rudern und feierte nun ihre Marathonpremiere. „Ich wollte einmal den Rheinmarathon fahren. Das ist so eine Herausforderung! So wie es mir im Moment geht war es auch mein Letzter. Ich wollte es aber einmal im Leben gemacht haben.“ Nach dem Leistungssport und später der Zeit in der Ruder-Bundesliga reizte sie kein Wettkampf. „Aber bei der tollen Mastersgruppe hat es mich einfach gepackt. Ich konnte nicht nein sagen.“ Wenige Zeit nach der Zieldurchfahrt hörte man schon Aussichten auf den nächsten Marathon, ein bekanntes Phänomen…

Christian Morische und Sven Seidensticker (Oldenburger RV, 157) stiegen mit Gunda Oest ins Boot, gesteuert von Ann Kathrin Willers. Svenja Bredenförder, vor vier Jahren Ersatzfrau bei der U19-WM, fiel krankheitsbedingt aus. „Wir hätten sie liebend gerne mitgenommen.“ Für sie stieg nun Werner Gast (Kölner Club für Wassersport) ein. Eben noch beim „Genfer See“, nun Marathon. Was gefällt euch daran? „Das Event insgesamt. Das Aufeinandertreffen so vieler Leute. Das ist hier so groß, so toll organisiert. Unglaublich wie ihr die Massen händelt!“

Samuel Tieben (SV Scharnebeck, 156) fuhr seinen ersten Marathon mit und merkte wie so Viele die Auswirkungen: „Das tut ganz schön weh…“, und meinte damit die Folgen vom langen Sitzen auf dem so bequemen Rollsitz. Er schmunzelt: „Ich habe erwartet, dass es viel schöner wird…Ja doch, es hat Spaß gebracht!“ Er fuhr einfach mit, war aber immerhin zur Gewöhnung zuvor vier Mal auf dem Rhein, im Gegensatz zu seinem Langstreckenerfahrenen Team u.a. mit Barbarella und Thorsten Jonischkeit (RTHC Leverkusen), die kürzlich noch den Gesamtsieg beim „Genfer See“ erringen konnten.

Christian Klandt (Bonner RV, 159) war ebenso beim „Genfer See“, sogar schon mal im gesteuerten Zweier und im Einer. Was ist verrückter, das oder der Marathon? „Der Zweier war gar nicht so verrückt, man hat viele Steuerpausen. Das ist anstrengender vom Druck, aber du bleibst frisch.“ Das konnte er vom Marathon nicht behaupten. „Hier hast du durchgehend Druck am Blatt.“

Henning Osthoff (RC Hamm, 163) startete mit den sechsfachen Seriensiegern des Marathons und den aktuellen Gesamtsiegern des „Genfer Sees“ Michael Ehrle (Kölner Club f. Wassersport), Markus Müller (Neuwied) und Stefan Verhoeven (Clever RC). Wie kam es dazu? Na klar, der Hammer ist der Hammer auf der Langstrecke. Auch er war in Genf und Düsseldorf schon mehrfach siegreich, hält Rekorde. „Ja, ich hatte die Ehre mitzufahren, es ist Spaß unter Freunden. Die Trainingsfahrt über 75 Kilometer lief schon gut.“ Es wurde der Gesamtsieg für die Vier plus Steuerfrau Laura Zabawa.

Ralph Beeckmann (Regattaleiter 1989-2018) hatte etwa Langeweile beim diesjährigen Marathon? Nein, so kennt man ihn nicht. „Absolut nicht. Ich bin nicht arbeitslos, nur verantwortungslos. Ich bin hier und da zur Hand gegangen. Es ist schön zu sehen, wie die nächste Generation das so schön macht.“

Melanie Ott (erstmals Regattaleiterin) hat den Marathon nun einmal von der anderen Seite aus kennengelernt und hatte alles im Griff. „Es läuft!“, sagte sie mit gewohnt positiver Ausstrahlung. „Die letzten zwei Wochen waren aber ganz schön stressig. Im Vorfeld war ich schon nervös, ob ich an alles gedacht habe, nichts übersehen habe. Und den Tag lang dachte ich immer wieder: Da muss doch jetzt was kommen?“ Aber Stress gab es zu keiner Minute, das gesamte Team hat gut funktioniert. Besonders erwähnte sie Hermann Höck (Regattaausschuss): „Hermann ist einfach Gold wert, unfassbar!“

Alle Fotos (anklicken und vergrößern) MEIN RUDERBILD.de (Detlev Seyb)