TRÄNEN BEIM ABSCHIED AUS DEM WOHNZIMMER

Ronald Rauhe und Kostja Stroinski

RHEIN-RUHR / BERLIN. Mehr als eine Träne hat er dann doch verdrückt. Ronny Rauhe (KC Potsdam) musste sich seiner Niederlage im Kanu-Parallelsprint im Rahmen der Finals 2021 Rhein-Ruhr/Berlin gegen Kostja Stroinski (KRV Berlin) kurz durchs Gesicht wischen. Bei der Siegerehrung vor der Tribüne der Wedau-Bahn in Duisburg packten ihn die Gefühle dann noch einmal richtig. Diese Finals waren ein Abschied und damit auch sein letzter Auftritt in seinem „Wohnzimmer“, der Regattabahn in Duisburg.

Dabei wollte ich gar nicht emotional werden“, sagte der frische gebackene Europameister im Kajak-Vierer, der für die Deutschen Meisterschaften am Sonntag extra die 800 Kilometer nach Duisburg gefahren war. Er selbst sprach von einem Roadtrip. Es war zugleich eine Abschiedstour. Nach Olympia beendete 39-Jährige seine Karriere. 

Schon wieder lachend gratulierte Rauhe dem Gewinner des Eins-gegen-Eins-Rennen Kostja Stroinski. Der kleine Traum vom erneuten Gold bei den Finals und im letzten Karrierejahr erfüllte sich nicht. Doch der Olympiasieger von 2004 fühlte sich von einem würdigen Gegner geschlagen: „Wenn ich es einem gönne, dann ihm. Kostja kommt aus dem Verein, in dem ich groß geworden bin“, beschrieb der gebürtige Berliner seine Gefühlsage nach der Niederlage, in einem Rennen, dass er mit großem Ehrgeiz angegangen war. Platz drei ging an Max Lemke (Potsdam), der im Halbfinale am neuen Meister Rosinski gescheitert war.  

Der Sieger zeigte Respekt vor Rauhe und bewies Humor: „Ich dachte immer, ich müsste 30 werden, um dich zu schlagen.“ Kostja Rosinski ist 29 Jahre alt. Der neue Meister folgte zugleich dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann! „Ich hatte mir schon gedacht, wenn du eine Chance hast, dann heute. Die Jungs sind bei der EM gefahren und haben dann lange im Bus gesessen. Ich bin seit Donnerstag hier und konnte mich gut vorbereiten. Es hat gepasst“, fasste der neue Deutsche Meisterschaft die Gunst der Stunde zusammen. Im Duo mit Julia Hergert hatte der neue Einzelmeister zum Auftakt der Finals 2021 am Feiertagt bereits einen Titel gewonnen. 

Die lange Anreise wollte Ronny Rauhe dagegen nicht als Grund für das verpasste Gold auf seiner Abschiedstour anführen. Vielmehr betonte der Routinier, dass sein Konkurrent sich bereits im Vorfeld der Saison sehr stark war gezeigt habe: „Ich wusste, dass das heute eine ganz enge Kiste werden würde.“ Trotz der Strapazen und der Niederlage genoss Ronny Rauhe das Rennen auf der Wedau-Bahn und den Auftritt bei den Finals 2021: „Es ist völlig okay, wie das ausgegangen ist. Ich bin froh, dass wir die Finals fahren konnte.“ Und auch das hatte Ronny Rauhe schnell wieder im Blick: Nach dem Rennen ist vor Olympia. Zum Abschluss ließ er wissen: „Jetzt freue ich mich auf Tokio.“

Gold gewonnen – Test bestanden 

Meistertitel für Sophie Koch bei Finals 2021 im Canadier-Einer der Frauen 

Die Favoritin auf den Titel machte das Rennen. Sophie Koch (Rheinbrüder Karlsruhe) gewann die Deutsche Meisterschaft im Parallelsprint der Frauen im Canadier-Einer. Im Endlauf bei den Kanu-Wettbewerben im Rahmen der Finals 2021 Rhein-Ruhr/Duisburg setzte sich die 23-Jährige am Sonntag gegen Annika Loske vom KC Potsdam knapp, aber souverän durch. Im 160-Meter-Sprint um Platz drei setzt sich Ophelia Preller(KC Potsdam) auf der Regattabahn in Duisburg gegen Lina Bielicke (Rheinbrüder Karlsruhe) durch. Zwei Hundertstel und das Zielfoto entschieden über die Vergabe von Platz drei. 

Über ihren Sieg sagte Sophie Koch: „Ich war sehr aufgeregt, weil ich mich nicht so fit gefühlt habe. Dann ist aber alles gut geworden und ich konnte meinen langen Schlag durchsetzen.“ Die Meisterin ordnete den Erfolg von Duisburg zugleich als bestandenen Härtetest vor den Olympischen Spielen ein. „Ich wollte mich hier präsentieren. Vor den Spielen habe ich keinen Wettbewerb mehr. Da konnte ich noch einmal Selbstvertrauen gewinnen.“ In Tokio wird die Deutsche Meisterin im Parallelsprint zusammen mit Lisa Jahn (Köpenicker SC) im Canadier-Zweier der Damen an den Start gehen. 

Sechs Superhelden des Kanusports

Eben noch bei der EM in Poznan und am nächsten Tag bei den Finals 2021 Rhein-Ruhr | Berlin in Duisburg.
Den besonderen Stellenwert der Finals 2021 für den Kanusport untermauerten sechs Kanu-Rennsportler, die innerhalb von zwei Tagen auf zwei großen „Kanu-Hochzeiten tanzten“ und paddelten. Am Samstag gingen Sophie Koch, Ronald, Rauhe, Max Rendschmidt, Tom Liebscher, Max Lemke, und Martin Hiller noch bei den Europameisterschaften in Poznan (Polen) an den Start. Unmittelbar nach den Rennen setzen sich diese Superhelden des Kanusports in einen Kleinbus und fuhren die 800 Kilometer nach Duisburg, um Sonntagvormittag bei den Finals starten zu können. 

Die Finals haben einen hohen Stellenwert für die Teilnehmenden und den Verband. Das beschrieb auch Olympiasieger Ronald Rauhe in seinem Statement: „Das Format der Finals ist wirklich klasse. Ich hoffe, dass diese Geschichte fortgeschrieben wird. Wir wollen gerne mit unserem Sport zu den Menschen in die Städte und ins Fernsehen. So soll es weitergehen.“

Auch der Kanu-Organisations-Chef Malte Drescher unterstrich dies: „Wir hatten heute in Duisburg wirklich die Creme de la Creme des Kanusports am Start. Es waren Wettkämpfe auf höchstem Niveau und das Dank unserer positiv, verrückten Sportler. Die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause konnten unglaublich spannende Rennen verfolgen, so wie wir uns das gewünscht haben.“

Überraschungserfolg für Noelani Sach im SUP-Cross 

Beim Finale der SUP-Damen wurde es auf der Regattastrecke in Duisburg noch ein letztes Mal richtig spannend. Noelani Sach (Hamburger Einzelpaddler) und Tanja Ecker (KS Löhr) lieferten sich auf dem 160m langen Cross-Kurs ein tolles Rennen. An der ersten Wende konnte sich die 24-jährige Darmstädterin Sach den entscheidenden Vorsprung vor ihrer Kontrahentin aus Lörrach sichern. Ecker kam zwar im Endsprurt noch einmal sehr nah heran, doch Sach konnte sich mit ihrem Vorspring ins Ziel retten.

„Ich bin total begeistert“; meinte Sach nach dem Titelgewinn. „Eigentlich hatte ich 2019 schon aufgehört, aber als ich die Einladung bekam, dachte ich mir: Ich hau noch einmal rein und probiere es einfach noch einmal. Ich habe gute Freunde in Hanau, mit denen ich dann trainieren konnte.“ 

Tanja Ecker kam glücklich ins Ziel und meinte anschließend: „Das ist ein gutes Ergebnis. Vom schnellen Start war ich ein wenig überrascht. An der ersten Boje wollte ich eigentlich vorne sein, aber da Sprint gar nicht meine Disziplin ist, bin ich schon zufrieden mit Silber. 

Die letzte Bronzemedaille bei den Paddelwettbewerben der Finals 2021 ging an Anne de Boer vom Mündener KC. Auf Rang vier paddelte Christina Funke von der SG Holzheim. Die Titelverteidigerin Hannah Leni Krah wurde aufgrund einer falsch umfahrenen Boje im Vorlauf disqualifiziert.