„WUNDERTÜTEN“ DER HEUTIGEN HOCKEYWELT

Olympia in Tokio: Deutsche Damen treffen auf Irland \\ DHA

Cécile Pieper (c) sportswork.de

TOKIO. Das deutsche Damenteam setzt seine Reise bei den Olympischen Spielen am Mittwochfrüh (5.15 Uhr dt. Zeit) gegen Irland fort. Der Gegner ist ganz schwer einzuschätzen. Die Irinnen sind sowas wie die „Wundertüten“ der heutigen Damenhockey-Welt. 2018 bei der Weltmeisterschaft schafften sie das Hockey-Wunder als Nummer 16 der Weltrangliste Vize-Weltmeister zu werden.

Mit Shootout-Siegen sowohl im Viertel- (vs. Indien) wie im Halbfinale (vs. Spanien) gelang es ihnen ins Endspiel gegen die Niederlande zu kommen, wo dann beim 0:6 allerdings keinerlei Hoffnung auf ein noch größeres Wunder aufkam. Vom damaligen Team sind immerhin noch zehn Aktive dabei – darunter Keeperin Ayeisha McFerran, die damals zur besten WM-Torhüterin gekürt wurde. Die langjährigen Bundesliga-Legionärinnen Megan Frazer (Mannheim) und Nici Evans (UHC) sind inzwischen nicht mehr dabei. Dafür die Ex-Düsseldorferin Deirdre Duke und die ehemalige Alsteranerin Katie Mullan.

Die Irinnen sind ganz schwer zu greifen, spielen extrem unorthodox, sehr physisch“, sagt Cécile Pieper. Die noch-Kölnerin, die zur kommenden Saison in die holländische Liga zu HGC wechselt, ist morgen früh mit gefragt, den irischen Abwehrriegel zu brechen und den Danas zum dritten Turniersieg zu verhelfen. Schließlich gab es für die Bronzemedaillengewinnerin von 2016 direkt vor Olympia noch einen Rollenwechsel. Aus der Außenverteidigerin Pieper machte Bundestrainer Xavier Reckinger die zentrale Kreisstürmerin Pieper. „Für mich ist das nicht der erste Positionswechsel im Hockey, denn in der Bundesliga habe ich in dieser Saison auch viel Innenverteidigung gespielt, aber sicher der krasseste“, berichtet sie. Die Umgewöhnung war erst groß. Plötzlich waren nicht mehr Philip Crone und Xavier Reckinger ihre Haupt-Ansprechpartner, sondern Stürmer-Trainer und Olympiasieger Florian Keller. Kommt man als Defensivspielerin viel schneller ins Match rein, weil man mehr Ballkontakte hat, galt es nun sich anders zu orientieren, zum Beispiel über Blickkontakte mit den Mitspielerinnen und über die Defensivarbeit als Stürmerin.

Torgefährlich war die 26-Jährige mit 14 Treffern in knapp 140 Spielen vorher schon. Und ihre Durchsetzungsfähigkeit hilft ihr natürlich jetzt auch vorn im Kreis. Pieper freut sich sehr auf das Irland-Spiel. Gerade weil man lange nicht mehr gegen die Irinnen gespielt habe und daher nicht wirklich wisse, was auf einen zukommt, sei das Team gut auf Spannung, will alles reinwerfen.

Irland hatte bisher zwei sehr unterschiedliche Erlebnisse in Tokio. Gegen Südafrika kam man zu einem relativ souveränen 2:0, gegen die Niederlande gab es beim 0:4 keine wirkliche Chance. Deshalb würde sich das Team des ehemaligen neuseeländischen Nationaltrainers Barry Dancer gegen die Danas über jeden gewonnen Punkt freuen, um dem Ziel Viertelfinale näher zu kommen. Aber zu
verschenken haben Cécile Pieper und die Danas eben auch nichts.